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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://www.vilsbiburg.de

Texte: Vilsbiburger Zeitung, 11.10.2013; Fotos: Rolf Sturm.

Fertigstellung der Kinderkrippe am Kirchenweg

Ein Spielplatz mit unterschiedlichen Ebenen ist unter dem großen Kastanienbaum entstanden (Foto: Rolf Sturm)

Vom Schandfleck zum Edelstein

Die neue Kinderkrippe am Kirchenweg 1 ist zu einem Vorzeigeobjekt geworden

Vilsbiburg. Zugegeben: Angesichts des halbverfallenen Zustands des ehemaligen Benefiziatenhauses beschlichen auch den Reporter zunächst Zweifel, ob es eine gute Idee ist, an diesem Ort Babys unterzubringen. Doch wer heute das Ergebnis sieht, wird dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Recht geben: Es war die richtige Entscheidung, das alte Gebäude für 2,6 Millionen Euro zu einer modernen Kinderkrippe umzubauen.

 

Vilsbiburg besitzt damit ein zeitgemäßes Gebäude an einem attraktiven Ort für die künftig größte Krippe. Die Nähe zu verschiedenen Schulen,zum neuen Kirchplatz mit der Stadtpfarrkirche und zu anderen öffentlichen Einrichtungen kann man als sehr positiv bewerten. Das gesamte Stadtquartier wird durch die Sanierung des ehemaligen Benefiziatenhauses aufgewertet.

 

Gleichzeitig hat die Stadt aber auch gezeigt, dass man aus denkmalgeschützten Gebäuden, sofern man diese Aufgabe engagiert und mit Gefühl für die historische Bausubstanz anpackt, gut zu nutzende Einrichtungen für die Gegenwartschaffen kann.

 

Architekt Thomas Neumeister hat diese Aufgabe auch unter dem Eindruck von starker öffentlicher Kritik hervorragend gelöst. „Es geht nicht darum, ein Bild aus vergangenen Zeiten zurückzuholen, sondern darum, die wichtigen Elemente des Bestands zu erkennen und diese zu stärken", sagt er. Dieses Weiterbauen an einer vorhandenen Substanz hat am Kirchenweg 1 zu einer sehr eigenständigen Lösung für die neue Kinderkrippe geführt.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Der großzügige Eingangsbereich in das grundsanierte Baudenkmal (Foto: Rolf Sturm)42 Kinder in drei Gruppen

Man betritt die Kinderkrippe vom neuen Kirchplatz her und gelangt in die zentrale Halle. Diese bildet mit dem farbigen Oberlicht den zentralen Raum der neuen Krippe. Von hier aus gelangt man ins Erd- und ins Obergeschoss. Ein Aufzug verbindet die verschiedenen Ebenen barrierefrei. Steigt man in der Halle einige Stufen ins Obergeschoss, hat man durch das Oberlicht einen gerahmten Blick auf die Spitze des Kirchturms der Stadtpfarrkirche.

 

Im Obergeschoss des Neubaus befindet sich ein Gruppenraum der Kinder. Die großzügige Verglasung ermöglicht eine schöne Aussicht in den Garten mit der alten Kastanie. Über eine vorgelagerte Terrasse hat der Gruppenraum auch einen direkten Zugang in den Garten. Im Obergeschoss des westlichen Gebäudes sind Neben- und Ruheräume für die Kinder.

 

Der Personalbereich liegt in dieser Ebene im östlichen Gebäude. Hier befindet sich auch die Hauptküche, in der mittags für die Kinder eine Mahlzeit zubereitet wird. Vom Personalbereich gelangt man wieder in die zentrale Halle und kann ins Erdgeschoss gehen. Dort ist im Neubau der zweite Gruppenraum angeordnet mit dem dazugehörigen Sanitärbereich und der Garderobe. Auch dieser Gruppenraum hat über eine Holzterrasse einen direkten Gartenzugang. Im westlichen Gebäude befindet sich ein Nebenraum sowie der dritte Gruppenraum. Daran anschließend sind im östlichen Gebäude die Intensivräume. Im hinteren Teil, der durch die Hangsituation eingegraben ist, sind Technik und Lagerräume angeordnet.

 

Raumstruktur erhalten

Bei dem Umbau wurde darauf geachtet, dass die Raumstruktur der denkmalgeschützten Gebäude in ihrer historischen Form erhalten bleiben. Die Fletze mit den eigenen Hauszugängen wurden beibehalten. Später eingebaute Raumteilungen und zugemauerte Fenster wurden entfernt, um die Räume wieder in ihrer ursprünglichen Dimension zu erfahren. Sämtliche Bauteile der Bestandsgebäude wurden sorgfältig untersucht. Wo es notwendig war, wurden Elemente ausgetauscht. Ziel war es, dass auch die Bestandsgebäude nach der Sanierung dem Neubaustandard entsprechen und mit dem Neubau eine harmonische Einheit bilden.

 

Die Materialien wurden so gewählt, dass sie als angenehme Oberflächen für die Kinder in Erscheinung treten und sich nicht in den Vordergrund drängen.

 

Mit den Bauarbeiten wurde im August 2012 begonnen. Mehr als zwanzig verschiedene Firmen waren seitdem tätig. Der lange Winter sowie die schlechte Witterung haben dennoch zu keiner Verzögerung der Arbeiten geführt.

 

 

Grossansicht in neuem Fenster: Die neue Kinderkrippe am Kirchenweg 1 zeichnet sich durch große Räume und eine moderne Eleganz aus (Foto: Rolf Sturm)Eine Spielböschung mit Rutsche

Der Hanggarten bei der neuen Krippe bietet ideale Spielmöglichkeiten

Vilsbiburg. In dem 600 Quadratmeter großen Garten an der Kinderkrippewurde wurde eine Grünfläche mit unterschiedlichen Spielebenen geschaffen.

 

So entstanden weitläufige Rasenflächen zum Toben, phantasiefördernde Bereiche für kreatives Spiel und ausgedehnte Ruhebereiche mit Holzterrassen und Sitzplätzen zwischen duftenden Pflanzen.

 

Die oberste, relativ flache Spielebenewird von einem großen Kastanienbaum überagt, um dessen Stamm ein Sitzplateau gebaut wurde. Über eine ‚Spielböschung‘ mit integrierter Hangrutsche erreichen die Kinder die mittlere Ebene. Hier schließt der zentrale Sandplatz an, der als Knotenpunkt zwischen den einzelnen Bereichen konzipiert ist und im Sommer von einem großzügigen Sonnensegel beschattet wird. Eine ebene Rasenfläche dient als untere Spielebene und bietet Platz für Planschbecken & Co. Sie ist gerahmt von Sitzgelegenheiten inmitten von Duftpflanzen und Terrassenflächen entlang der Fassade. Die dem Gebäude vorgelagerten Terrassen wurden vom Planungsbüro Büttner den jeweiligen Krippengruppen zugeordnet.

 

Durch großzügige gartenseitige Verglasung in Verbindung mit den angrenzenden Terrassen besteht auch in den Gruppenräumen ein enger optischer Bezug zum Garten.

 

 

Grossansicht in neuem Fenster: Wertige Materialien machen auch den Wickelraum schön (Foto: Rolf Sturm)Ein Denkmal herausgeputzt

Alte und neue Bauteile harmonieren

Vilsbiburg. Die Planungen für die dreigruppige Kinderkrippe am Kirchenweg 1 begannen im Juni 2011 mit einer Reihe von Untersuchungen sowie einer Bauaufnahme der bestehenden denkmalgschützten Gebäude. Der westliche Teil wurde unter Einbeziehung von Teilen eines Vorgängerbaus um 1750 als Weberbenefizium errichtet. Das östliche Gebäude mit dem Nordflügel entstand um 1845 als Mädchenschule und wurde später als Heimatmuseum genutzt. Da der Nordflügel gegenüber den anderen beiden Gebäuden teilweise schon eingestürzt war, entschloss man sich, den Nordflügel abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen.

 

Damit wurde erreicht, dass sich die Eingangssituation der Kinderkrippe nach Norden zu dem neu geschaffenen Kirchplatz orientiert und die Kinder über diesen problem- und gefahrlos in die Krippe gelangen können.

 

Angesichts der lautstarken Forderung nach einem Abriss des heruntergekommenen Gebäudes muss man jetzt, unter dem Eindruck der gelungenen Umbaus, dem Stadtrat zu seiner Standhaftigkeit gratulieren. Die Nutzung des alten Gebäudes brachte zudem den Vorteil mit sich, dass die Räume größer sind als bei dem aktuell geltenden Krippenstandard.

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