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Träger der Bürgermedaille 1997 - Sr. Ermenhildis (Maria Schwing)

Trägerin der Bürgermedaille 1997 - Sr. Ermenhildis (Maria Schwing)
Sr. Ermenhildis (Maria Schwing) und Erster Bürgermeister Helmut Haider (stehend von links)

Über die Kultur gelebter Nächstenliebe

Vilsbiburger Zeitung, 25.10.1997


Bürgermedaille an Drittordens-Schwester Ermenhildis verliehen – "Wollen noch lange hier bleiben"


Vilsbiburg. Fast auf den Tag genau seit 40 Jahren versorgt die Drittordens-Schwester Ermenhildis, die mit bürgerlichem Namen Maria Schwing heißt, kranke und alte Manschen. Am 26. Oktober 1957 kam sie von München nach Vilsbiburg, wo sie durch ihr ruhiges und bescheidenes Wesen überall geschätzt und beliebt ist. Nach einem einstimmigen Beschluss des Stadtrates verlieh ihr Bürgermeister Helmut Haider am Freitag Abend im Rahmen eines Festaktes im Pfarrheim die Bürgermedaille der Stadt Vilsbiburg. Damit verlieh der Stadtrat nach den Schwestern Sophronia und der inzwischen gestorbenen Schwester Odalrike damit auch der dritten Ordenschwester diese besondere Auszeichnung.


"Die Schwestern des Dritten Ordens sind in Vilsbiburg eine Institution", sagte Bürgermeister Helmut Haider bei seiner Festrede am Freitag abend. Seit dem 8. Oktober 1927, also seit rund 70 Jahren, sind sie in Vilsbiburg in der Krankenfürsorge tätig. Sie pflegen Kranke und Hilfsbedürftige und erledigen alle anfallenden Arbeiten zur Versorgung der Familien. In den früheren Jahren haben sie sogar für die Pflegebedürftigen und deren Familien gekocht. Diese nicht einfachen Arbeiten erledigen die beiden Ordensschwestern in einem Alter, in dem die meisten Beruftätigen bereits lange ihren Ruhestand genießen.
Wie der Bürgermeister in seiner Rede weiter ausführte, lebt Schwester Ermenhildis zusammen mit Schwester Sophronia "außerordentlich selbstlos und bescheiden, aber auch zufrieden." Ihr Beruf sie ihre Berufung geworden: " Ihre Tätigkeit erfordert tagtäglich ein vorbildliches und beispielhaftes Maß an selbstloser Opferbereitschaft und Hingabe". Neben der hervorragenden medizinischen und pflegerischen Betreuung kümmere sie sich auch um die Seele der Ihr Anvertrauten, teile Sorgen und Leid mit den betreuten Menschen, sagte Haider: "Hierin liegt der wesentliche Unterschied zu anderen ambulanten Pflegediensten. Ältere und behinderte Menschen erfahren damit fortwährend die für sie so wichtige menschliche Hinwendung". Vielen würde damit auch der Verbleib in der gewohnten häuslichen Umgebung ermöglicht.
"Ihre Pflegetätigkeit, ehrwürdige Schwester Ermenhildis, ist Beispiel und Vorbild für gelebte Nächstenliebe. Ihre Leistung in den zurückliegenden 40 Jahren, ihr körperlicher und seelischer Einsatz verdienen Anerkennung, Respekt und Dank. Der Dank der Stadt kommt durch den ohne große Diskussion gefassten, einstimmigen Beschluss über die Verleihung der Bürgermedaille an sie zum Ausdruck", schloss der Bürgermeister und händigte der Ordensfrau zusammen mit einem Strauß Blumen eine Urkunde und die Bürgermedaille aus.
Stadtpfarrer Siegfried Heilmer erwies sich in seiner Ansprache als der erste Gratulant für diese hohe Auszeichnung: "In unserer leistungsorientierten Gesellschaft hat das Helfen oft wenig Platz. Jeder muss sehen, dass er selbst vorwärts kommt". Gott sei Dank gebe es doch immer wieder Menschen, die ein Auge für diejenigen hätten, die sich nicht mehr selber helfen könnten, sagte der Stadtpfarrer: "Zu diesen gehören unsere Drittordens-Schwestern. Dafür sind wir in dieser Stunde dankbar und denken auch daran, dass der Mensch immer wieder dieses Beispiel des Helfens, dieses Vorbild braucht".
Er wollte jedoch nicht nur von einer Kultur des Helfens reden, fuhr Heilmer fort, sondern von einer Kultur gelebter Nächstenliebe. Aus christlicher Überzeugung heraus seien die Ordensfrauen für den Menschen da: Es gehe um Zuwendung, um Zeit haben und um ein tröstendes Wort: "Wie viel Leid haben Sie in diesen Jahren angehört und mitgetragen ?"
Verbunden mit seinem Dank fragte der Stadtpfarrer aber auch nach, wie der Dienst einmal weitergeführt werden könne. Eine kirchliche Sozialstation sei nur im pflegerischen Bereich tätig, und die soeben begonnene Nachbarschaftshilfe stehe erst am Anfang: "Es drängt sich der Wunsch auf, dass Sie noch viele Jahre die Kraft haben können, für die Menschen da zu sein", sagte er. "und dass sich auch andere Menschen finden, die Ihren Dienst weiterführen". Verbunden mit den Wünschen um weitere Gesundheit, Humor und Gottvertrauen überreichte der Stadtpfarrer eine geschnitzte Figur.
In ihren kurzen Dankesworten erlebte die Festversammlung, dass die sichtlich gerührte Ordensfrau eher ein Mensch der Tat und der stillen Hilfe ist, als der großen Worte. "Sophronia und ich wünschen uns, dass wir noch lange in Vilsbiburg bleiben dürfen", schloss Schwester Ermenhildis.
Die Veranstaltung wurde vom Blockflötenensemble der Städtischen Musikschule und einem Lehrertrio musikalisch umrahmt. Neben dem Stadtrat waren die bisherigen Bürgermedaillenträger, Vertreter aus der Pfarrgemeinde und dem Kapuzinerkloster anwesend. Mit einem kalten Buffet klang die Veranstaltung im gemütlichen Rahmen aus.
-gs-

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