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Träger der Bürgermedaille 1989 - Georg Ecker

Träger der Bürgermedaille - Georg Ecker - Foto: Vilsbiburger Zeitung
Erster Bürgermeister Josef Billinger und Georg Ecker (von links); Bild: Vilsbiburger Zeitung

Besondere Verdienste um die Allgemeinheit

Vilsbiburger Zeitung, 01.03.1989


Stadtrat verlieh bei der Festsitzung am Montag erstmals Bürgermedaille - Hohen Stellenwert der Volksbildungsarbeit betont


Vilsbiburg. Für ihre besonderen Verdienste um das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt Vilsbiburg erhielten am Montag Abend Georg Ecker und Gerhard Hellmann aus der Hand von Bürgermeister Josef Billinger die neu geschaffene Bürgermedaille überreicht. Ecker ist seit mehr als 42 Jahren unbestechlicher Schatzmeister der Volkshochschule; er führt dieses Ehrenamt still, aber mit größter Sorgfalt und ungeheuerem Fleiß bis heute aus. Gerhard Hellmann arbeitet zwar weniger im Verborgenen, jedoch ebenso engagiert und effektiv für die Erwachsenenbildung wie Ecker. Beide hätten ihren gewaltigen Einsatz für das Gemeinwohl erbracht, ohne auf den eigenen Nutzen zu schielen, führte der Bürgermeister in seinen Laudationes aus. Dafür wolle die Stadt beiden mit dieser Medaille symbolisch danken.


Die Verleihung der Medaillen "für besondere Verdienste" fiel zwar zwischen die Geburtstage der beiden Herren -dem 65. von Gerhard Hellmann und dem 88. von Georg Ecker- jedoch legte Bürgermeister Josef Billinger Wert auf die Feststellung, dass diese Ehrung nicht aus Anlass der beiden Geburtstage vorgenommen werde. Der Stadtrat verleihe die neue Bürgermedaille ausschließlich aufgrund der Leistungen besonders engagierter Bürger; gewürdigt werden solle vor allem die Bereitschaft, die persönlichen Begabungen und Fähigkeiten nicht allein für den eigenen Vorteil einzusetzen, sondern sie "in bewusster Verantwortung für die menschliche Gemeinschaft zu deren Nutzen einzusetzen".
Der Bürgermeister umging die schwierige Definition des Nutzens einer gehobenen Volksbildung und zitierte statt dessen einen Grundsatztext zum Volkshochschulwesen aus dem Jahre 1957: "Die Volkshochschule will keine wissenschaftlichen Forscher ausbilden", heißt es da, "das ist nicht ihre Aufgabe. Sie darf aber auch keinen Dilettantismus züchten. Das kann ihre Gefahr sein. Sie will schließlich keine Politik machen. Das tun andere mehr als genug. Aber sie will helfen, die Augen aufzumachen, sie will Kritik wachrufen, sie will dem Einzelnen aus dem Chaos heraushelfen und will zum Ganzen führen".
Verfasst hat den Text Dr. Ursula Schulz, die damalige Vorsitzende der VHS. Sie beschrieb weiter die einzelnen Aspekte des Volkshochschul-Angebots und kam zu dem Schluss: "Der erwachsene Hörer wird es sich mit Recht verbitten, erzogen zu werden". Aber dass nach Rüstzeug für den Suchenden Bedürfnis bestehe, zeige das Interesse des starken, Anteil nehmenden Hörerkreises. "Volksbildungsarbeit sollte das Anliegen aller sein", so Ursula Schulz am Ende ihrer Betrachtungen: "Sie ist Arbeit an uns selbst, ist Arbeit an der Einreihung in das Ganze". Es sei erstaunlich, wie aktuell diese Gedanken heute noch seien, folgerte Billinger. An der Tatsache, dass der Stadtrat die ersten Bürgermedaillen an zwei Repräsentanten der Volkshochschule verleihe, komme deutlich der Stellenwert zum Ausdruck, der der Volksbildungsarbeit von den Stadtvätern beigemessen werde: "Wenn wir nicht soviel darüber reden", erläuterte das Stadtoberhaupt, "dann deshalb, weil wir die Dinge in guten Händen wissen".
An den Schatzmeister persönlich gewandt, sagte Billinger, dass der Stadt die Treue, mit der Ecker seit 42 Jahren dieses Amt ausübe, als einmalig einstufe: "Sie haben damit ein Beispiel gesetzt, das wohl kaum eine Nachahmung finden wird - und kann. Denn zu diesem Fleiß gehöre auch noch das Geschick einer derart langen Gesundheit und geistigen Beweglichkeit. Wie die Mitarbeiter der VHS immer wieder erzählen, verzichtet der beinahe 88jährige Ecker nach wie vor auf den Gebrauch eines Taschenrechners, und liefert selbstverständlich exakte und korrekte Zahlen ab. 1947 hat er die Geschäfte des Schatzmeisters von Alois Füßl übernommen und führt sie seither in der Art und Weise, die man von ihm als Kreiskämmerer gewohnt war. Der damalige Landrat Dr. Hartl bescheinigte ihm bei der Verabschiedung als Kämmerer, sein Amt "mit größter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt und mit ungeheurem Fleiß ausgefüllt" zu haben. Dieses Lob übernahm Billinger uneingeschränkt auch für die Tätigkeit Eckers als Schatzmeister der Volkshochschule.
Gerhard Hellmann ging es in den vergangenen 15 Jahren nicht vorrangig darum, mit einem eindrucksvollen Leistungsangebot zu glänzen, sagte der Bürgermeister bei dessen Laudatio, sondern die Volkshochschule zu einer stabilen, dauerhaften Einrichtung zu machen. Als Vorsitzender bemühte er sich erfolgreich darum, die VHS unabhängig von der Verfügbarkeit ehrenamtlicher Leiter zu machen, weshalb er sie in die kommunale Trägerschaft der Stadt überführte. Gleichzeitig wurde unter seiner Führung das Programm auf eine ungeahnte Weise verbreitert und vertieft. "Vergleicht man das Vilsbiburger Kursprogramm mit dem ungleich größerer Städte, und setzt man das Angebot ins Verhältnis zu der Bevölkerungszahl, dann wird das Ausmaß ihres Engagements und ihrer Effektivität deutlich sichtbar", so Billinger wörtlich. Dann gehöre die Volkshochschule Vilsbiburg mit zur Spitze.
Es sei schwierig, alles unter Dach und Fach zu bringen, was er an letzter Zeit an Ehrungen über sich ergehen lassen musste, sagte Hellmann in seinem Dank. Aber seine Aufgabe mache ihm weiterhin Spaß, und er werde sich ihr weiter widmen, solange er gesundheitlich dazu in der Lage sei. Hellmann nahm die Gelegenheit zum Anlass, dem Stadtrat für seine Weitsichtigkeit zu danken, mit der die Volkshochschule kommunalisiert wurde. Georg Ecker erinnerte sich noch an die Anfänge der Volkshochschule, als Referenten mit 20 Mark Honorar als sehr teuer galten. Aber weil der Zuspruch der Bürger für dieses Bildungsangebot sehr groß war, sei es stetig bergauf gegangen. Von allen sechs VHS-Vorsitzenden, die er als Schatzmeister "überlebt" habe, sei aber Hellmann ein wahrer Senkrechtstarter gewesen: "Bei dem ging alles sehr schnell nach oben".
Die Festsitzung des Stadtrates wurde von einer Gruppe der Musikschule unter der Leitung von H. Denzer musikalisch umrahmt. Neben den Ehefrauen der Geehrten, die vom Bürgermeister je einen Blumenstrauß erhielten, nahmen die VHS-Mitarbeiter und Hellmanns Stellvertreter, Konrad Berger, mit Frau an der Feierstunde des vollständig erschienen Stadtrates teil.
-gs-

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