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Text, Foto: Vilsbiburger Zeitung, 11.08.2014, Michael Betz

Eine Chance auf Fernwärme für Seyboldsdorf

Eine Chance auf Fernwärme für Seyboldsdorf

Stadtrat beschließt Fortsetzung der Planungen - Noch Fragezeichen hinter der Rechtsform

Vilsbiburg. Ein zentrales Heizkraftwerk, ein Verteilernetz, relativ einfache Haustechnik: Die Hauptbestandteile einer Fernwärmeversorgung sind schnell aufgezählt. Die Vorteile liegen einerseits im finanziellen Nutzen für alle Beteiligten, andererseits im ökologischen Effekt einer von Öl oder Gas unabhängigen Energieversorgung. Vorteile, von denen künftig vielleicht auch die Seyboldsdorfer profitieren könnten: Am Montag wurde im Stadtrat eine Bachelorarbeit über die Realisierung eines Biogas-Fernwärmenetzes für den Ort vorgestellt. Im Nachgang beschloss eine Mehrheit der Stadträte, die Planungen weiter voranzutreiben.

 

In der Stadt Vilsbiburg selbst ist die Nutzung von Fernwärme nichts exotisches mehr. Eine Reihe großer Gebäude, darunter die Grundschule, die Kinderkrippe an der Pfarrkirche, die Vilstalhalle und die Ballsporthalle werden über dieses System mit Wärme versorgt. In den jeweiligen Gebäuden kann dank der Fernwärme auf eine eigene Heiztechnik verzichtet werden. Das bedeutet Einsparungsmöglichkeiten, von der Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern einmal ganz abgesehen. In den Ortsteilen gibt es bisher noch keine entsprechenden Energieprojekte - das könnte sich mit der jüngsten Entscheidung des Stadtrats jedoch ändern.

 

Den Kern einer Fernwärmeversorgung für Seyboldsdorf könnte die bestehende Biogasanlage eines Landwirts in Thalham bilden, ganz in der Nähe von Seyboldsdorf. Die Eckpunkte des Projekts stellte Michaela Schopf den Stadträten vor, die in Kooperation mit dem Dingolfinger Ingenieurbüro Apfelböck für ihre Bachelorarbeit die Realisierung eines Fernwärmenetzes im Ortsteil untersucht hatte. 104 Haushalte in Seyboldsdorf waren dabei befragt worden, ob sie generell Interesse an einem Fernwärme-Anschluss hätten und wenn ja, wann. Dabei habe sich laut Schopf herausgestellt, dass großes Interesse vorhanden sei: Ihre Untersuchung geht in der höchsten Ausbaustufe der Fernwärmeversorgung von 52 angeschlossenen Gebäuden aus. Gebildet werden die drei Bauabschnitte des Vorhabens aus zwei bestehenden Wohngebieten im älteren Teil von Seyboldsdorf und dem geplanten Neubaugebiet an der Dorfstraße. „Für das Neubaugebiet sind wir von 100 Prozent Anschlussgrad ausgegangen, bei den bestehenden Baugebieten ist es teilweise so, dass die Heizungen jetzt in ein sanierungsbedürftiges Alter kommen", fügte dazu Markus Apfelböck vom Architekturbüro an.

 

Landwirt mit im BootGrossansicht in neuem Fenster: Auf einem Bauernhof in Thalham bei Seyboldsdorf würde die Wärme für den Ort erzeugt werden.

Auch die energetischen und finanziellen Aspekte des Projekts wurden den Stadträten am Montag detailliert erläutert. So sei der Landwirt sehr aufgeschlossen gegenüber der für eine Fernwärmeversorgung notwendigen Aufrüstung seiner Anlage mit einer zusätzlichen Gastherme. Auch mit eigenen Investitionen wäre der Anlagenbetreiber mit im Boot, machte Apfelböck deutlich. Die Wärmelieferung erfolge zunächst bis zu einer Übergabestation, von dort weiter in Hauptleitungen zu den Wohngebieten und in kleineren Leitungen zu den einzelnen Häusern. Die Anschlusskosten lägen bei rund 6300 Euro für ein Wohnhaus, 7600 Euro für eine Metzgerei und 8000 Euro für eine Gaststätte, schlüsselte Schopf die Zahlen weiter auf.

 

Die Kosten für das Fernwärmeprojekt prognostizierte Michaela Schopf mit zunächst rund 1,186 Millionen Euro für die Ausbaustufe 1, dazu kämen rund 330 000 beziehungsweise 300 000 Euro für die zwei weiteren Stufen. „Die erste Ausbaustufe ist wegen der notwendigen Rohrleitungen die teuerste", verdeutlichte Schopf. Dem stünde allerdings auch eine Förderung zwischen 606 000 und 770 000 Euro entgegen. Rechnen würde sich die ganze Sache für den Anlagenbesitzer in Abhängigkeit vom Abgabepreis, das sei dann Verhandlungssache. Für den Netzbetreiber rechne sich die Sache auch, es komme dabei nur noch darauf an, ob hier die Stadtwerke einsteigen oder ob sich eine Bürgergenossenschaft dafür bildet. „Dann brauchen Sie halt ein paar Idealisten, die sich dafür zur Verfügung stellen", meinte dazu Markus Apfelböck. Generell erklärte zu dieser Thematik der städtische Klimamanager Georg Straßer, dass das Projekt mit den Stadtwerken abgestimmt sei und diese die Trägerschaft übernehmen könnten. Allerdings spreche weder aus Sicht der Werke noch aus seiner etwas gegen eine Genossenschaft, fügte Straßer hinzu.

 

Interesse schnell klären

In der Sitzung stand die Entscheidung an, ob man das Projekt weiterverfolgt. Vor allem geht es darum, konkrete Verhandlungen mit dem Betreiber der Biogasanlage zu führen und Bürger zu suchen, die ihr Interesse an einem Anschluss auch mit einer Unterschrift bestätigen würden. Dies soll bei einer Bürgerversammlung im frühen Herbst in Seyboldsdorf geklärt werden. „Damit hätten wir eine tragfähige Grundlage für alle weiteren Planungen", machte Apfelböck den Sinn dieses Schrittes deutlich.

 

Eine Mehrheit der Stadträte stellte sich mit 16 Stimmen hinter eine zügige Fortführung der Planungen. Vorangegangen waren zahlreiche Detailfragen. So hatte Rudolf Lehner (CSU) nachgefragt, was denn bei so einer Fernwärmeanlage passiere, wenn die Technik versage. Dazu erklärte Markus Apfelböck, dass mit dem bestehenden Motor und einer künftigen Gastherme doppelte Sicherheit für die Versorgung bestehe. „Die Wahrscheinlichkeit, dass beides ausfällt, ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Heizungsanlage kalt bleibt." Manfred Billinger (SPD) fragte allgemein nach den Risiken des Projekts. Es könne theoretisch sein, dass der Biogaslieferant irgendwann aussteigen wolle oder dass bei der Ausschreibung das Projekt als zu teuer erscheine, zählte Apfelböck auf. Georg Brams (CSU) wünschte sich, dass die Stadt auf dem hier eingeschlagenen Weg weitergehe. „Ob es dann umsetzbar ist, hängt von den Beteiligten ab." Michaela Feß (Grüne) fand es generell positiv, dass beim Thema regenerative Energieversorgung jetzt auch in den Ortsteilen etwas passiere.

 

Bürgermeister Helmut Haider betonte, dass die Untersuchung zeige, dass sich so etwas rentieren könne, auch wenn anfangs Investitionen notwendig seien. Er sah in dem Votum eine Grundlagenentscheidung, ob man auf Basis der vorgestellten Zahlen weitermachen will. Johann Sarcher und Manfred Billinger (SPD) hatten diesbezüglich Skepsis gezeigt beziehungsweise bremsen wollen: Billinger hätte gern vor einer Abstimmung noch Stadtwerke- Leiter Wolfgang Schmid zum Thema gehört, Sarcher erinnerte die Stadträte daran, dass man vor wenigen Monaten noch vereinbart habe, über Projekte mit so großer finanzieller Trageweite nicht gleich nach deren Vorstellung zu entscheiden: „Da sind wir uns jetzt aber selbst ein wenig untreu geworden", merkte er dazu an.

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