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Text: Vilsbiburger Zeitung, 20.08.2014, Dominik Altmann

Sonnenstrom aus Bürgerhand ist Geschichte

Seit April 2013 läuft die 4,72-Megawatt Freiflächen-Solaranlage in Vilsbiburg.

Trotz hoher Rendite des Bürgersolarfelds gibt es derartige Projekte künftig nicht mehr

Vilsbiburg. Die Rendite für die Gesellschafter am Bürgersolarfeld ist besser ausgefallen als erwartet - und das trotz des schlechtesten Solarjahrs seit einer Dekade. Der Strom aus den Paneelen bei Thalham floss seit der Fertigstellung des Solarfelds in 99,8 Prozent der Fälle. Angesichts dieser sehr guten Vorzeichen klingt die Aussage von Klimamanager Georg Straßer, es werde keine derartigen Anlagen mehr geben, beinahe wie ein Scherz.

 

Bevor das Bürgersolarfeld im Juni vergangenes Jahres mit voller Leistung ans Netz ging, peilten die Verantwortlichen noch eine Rendite von sieben Prozent an. Aber: „Obwohl es ein schlechtes Solarjahr war, haben wir 7,9 Prozent erreicht", resümiert Klimamanager Georg Straßer. 1052 Sonnenstunden, das sind etwa 2,7 Prozent mehr Sonne als erhofft, reichten, um die Rendite beinahe um ein Prozent wachsen zu lassen. Die Solaranlage soll 20 Jahre Strom liefern, und während dieser Zeit „steigert sich die Rendite bestimmt noch weiter", sagt der Klimamanager.

 

Auch aus technischer Sicht lief alles einwandfrei. Es gab nur kleinere Störungen und aufs Jahr gesehen „ist zu 99,8 Prozent Stom aus der Anlage gekommen". Die Wartungs- und Servicekosten an den Paneelen, Wechselrichtern oder Stromkabeln halten sich in Grenzen. Die dafür jährlich veranschlagten 180 000 Euro reichen, die Anlage in Vilsbiburg läuft nahezu problemfrei. Aber: Die Einspeisevergütung ist gesenkt worden, die Preise für Solarmodule steigen und das heißt: „Weitere Anlagen in dieser Größe werden nicht mehr gebaut", sagt Georg Straßer. Wer heute eine Anlage dieser Größe plant, der kann von Renditen á la Bürgersolarfeld nur noch träumen. Mit zwei Prozent Rendite wird derzeit gerechnet - das ist uninteressant für Investoren und das bringt die Energiewende ins Stocken, schätzt Georg Straßer die Entwicklung ein.

 

Mit der Entscheidung, dass alle Atomkraftwerke bis 2022 aus sein müssen, schob die Bundesregierung eine Entwicklung an, die zu einer enormen Anteilssteigerung der erneuerbaren Energien am Strom- Mix führte. 27 Prozent des benötigten Stroms werden in der Republik mittlerweile aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Vilsbiburg ist mit einem Wert von 60 Prozent sogar sehr gut dabei. Werte, die vor zehn oder auch noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen wären. Aber warum wird nun auf halbem Energiewende- Weg auf die Bremse gedrückt?

 

„Den Energieanbietern schwimmen die Felle davon. Hatten sie vor etwa zehn Jahren mit 90 Prozent Marktanteil noch ein Beinahe-Monopol inne, sank dieser Wert mit jeder Solaranlage, mit jedem Windrad und mit jeder Biogasanlage im Land auf derzeit 65 Prozent", erklärt Straßer. Und obwohl die vier Großen der Branche die Energiewende verschlafen hätten, würden es nach den Änderungen beim Erneuerbaren- Energien-Gesetz (EEG) sie sein, die bestimmen, wie es mit der Energiewende weitergeht.

 

Guter Job der Lobbyisten

Zu welchem Preis überlässt die Politik den Firmen RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW das Ruder ? Zwar werben diese mit sauberen Ideen, aber die Zahlen lügen nicht: Gerade einmal drei Prozent des Stroms erzeugt E.ON aus erneuerbaren Quellen, vermeldet das Handelsblatt. Etwas besser steht RWE mit vier Prozent da, den gleichen Wert erreicht Vattenfall. Schlusslicht ist Energieriese EnBW, der erzeugt gerade einmal zwei Prozent aus erneuerbaren Quellen. „Die vier Energieriesen wollen durch extreme Lobbyarbeit erreichen, dass die Vergütung für Photovoltaik, Biogas und Windkraft gesenkt wird, damit sich ein Neubau für kleine Anbieter nicht mehr rentiert", sagt Straßer. „Die aktuelle Energiepolitik gefährdet diese Anlagen, obwohl man auf einem guten Weg war", warnt er.

 

Die Ex-und-Hopp-Aktion der Bundesregierung und die damit verbundenen Abschaltungen von Atomkraftwerken wenige Tage nach Fukushima hatte zur Folge, dass eine stabile Stromversorgung schwieriger wird. Der Ausstieg aus der Atomkraft, einem Grundpfeiler der Energieversorgung, wurde nicht zu Ende gedacht. Sonne und Wind gibt es eben nicht auf Abruf und darum führt der Weg häufig zurück zu Kohlekraftwerken, bei denen der Treibhausgas-Ausstoß naturgemäß unvermeidbar ist. Auch die noch ungeklärte Endlagerung von Atommüll ist ein Problem. Da mag man sich fragen, ob es das wert ist, die Energiewende auf halber Strecke anzuhalten.

 

Steigende Renditen sind angesichts von Wartungskosten und Modernisierungen bei der Kohlekraft und den nicht abschätzbaren Kosten für den Rückbau der AKWs bei niedrigen Strompreisen fraglich. Die Rechnungen für Treibhauseffekt und strahlenden Abfälle aber zahlen ohnehin die Folgegenerationen.

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