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Text, Foto: Vilsbiburger Zeitung, 20.04.2015

Die Wärmeversorgung in Bürgerhand

Vorstand und Aufsichtsrat der Nahwärmegenossenschaft mit Bürgermeister Helmut Haider, dem städtischen Klimamanager Georg Straßer und weiteren...

Gründung einer Nahwärmegenossenschaft - Weitere Wärmeabnehmer gesucht

Seyboldsdorf. Nicht wenige Bürger sprachen von einem historischen Tag für die Ortschaft vor den Toren Vilsbiburgs und tatsächlich wurde dort am Donnerstag nichts Geringeres gestartet als der Versuch, die Heizenergie eines Teils der Häuser eigenverwaltet zu erzeugen. Keine Abhängigkeit also mehr von Öl oder Gas, stattdessen eine Nahwärmeversorgung vom nahen Weiler Thalham aus, all das unter dem Dach einer Bürgergenossenschaft. Bei einem Informationstreffen zur Nahwärmeversorgung wurden sehr konkrete Weichenstellungen unternommen, so hat die Genossenschaft bereits 32 Gründungsmitglieder, Gerhard Gilch und Josef Samhuber wurden zum Vorstands- beziehungsweise Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

 

Der erste Schritt und gleichzeitig einer der wichtigsten zur Realisierung des Nahwärmenetzes in Seyboldsdorf wurde damit am Donnerstag im Saal des Gasthauses Breitenacher getan: Mit der Gründung der Genossenschaft nehmen die Bürger, gleichzeitig die potentiellen späteren Abnehmer der Wärmeenergie, diesen Teil ihrer Energieversorgung in die eigene Hand. Zentraler Punkt dieser Gründung war die Wahl der Gremien der neuen Genossenschaft, deren Entscheidungen von Vorstand, Aufsichtsrat und der Mitgliederversammlung getroffen werden. Gerhard Gilch ist der künftige Vorstandsvorsitzende, zu seinen beiden Stellvertretern wurden Josef Sterr und Rudolf Wagner gewählt. Josef Samhuber fungiert als Vorsitzender des Aufsichtsrates, sein Stellvertreter ist Rudolf Lehner. Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind Anton Mayer junior, Roland Pollner, Robert Wirthmüller und Robert Gilch.

 

Diesen Wahlen vorausgegangen waren intensive Gespräche über Umsetzungsmöglichkeiten und vor allem über die Kosten der Nahwärmeversorgung für Seyboldsdorf, außerdem musste die 49-seitige Satzung der künftigen Genossenschaft beschlossen werden, die Max Riedl vom Genossenschaftsverband Bayern stichpunktartig erläuterte. Die grundlegenden Informationen präsentierte dabei zunächst der städtische Klimamanager Georg Straßer, der bis zur Gründung der Genossenschaft als eine Art Koordinator des ehrgeizigen und zukunftsweisenden Projekts gewirkt hatte. Als Ergebnis einer Inforversammlung vor Ostern und von Bürgerbefragungen habe man die Aussage von 33 Bürgern, dass sie sich definitiv anschließen lassen wollen. Weitere 30 hätten generell Interesse geäußert, wenn auch nicht sofort, erläuterte Straßer. Dass sich im Vorfeld der Gründung ein gutes Dutzend Ehrenamtlicher gefunden hätten, die in der Genossenschaft aktiv mitarbeiten wollen, wertete Straßer rundum positiv: „Mehr hätte man nicht erwarten können."

 

Verdoppelung als Ziel

Allerdings ist mit der Wahl der Gremien und der Aufnahme der 32 Gründungsmitglieder in die Genossenschaft erst eine der Hürden genommen, bevor das Projekt wirklich umgesetzt wird: Es müssen sich noch mehr Interessenten für einen Anschluss an das Nahwärme-Netz melden, damit dieses wirklich wirtschaftlich betrieben werden kann. „32 Teilnehmer sind eine stolze Zahl, es wäre aber unser Ziel, das zu verdoppeln", gab Aufsichtsratsvorsitzender Josef Samhuber eine Marschroute vor. Den Zusammenhang zwischen Anschlusszahl und Kosten hatte zuvor Diplom-Ingenieur Markus Apfelböck erläutert: „Wir sind in den ersten Planungen von einem Fernwärmenetz mit einer Länge von rund 3,5 Kilometern ausgegangen. Das würde rund 600 000 Euro kosten. Das Netz mit den aktuellen Abnehmern wäre länger und entsprechend teurer."

 

Die Zauberformel, um die Seyboldsdorfer Nahwärme effektiv und wirtschaftlich betreiben zu können, ist Verdichtung. Je mehr Haushalte in einem eng umrissenen Gebiet sich anschließen lassen wollen, desto mehr Häuser kann man bei gleicher Leitungslänge anschließen lassen, was wiederum die Kosten pro Teilnehmer senkt. Entsprechend wollen die Aktiven der Genossenschaft in der nächsten Zeit noch möglichst viele ihrer Nachbarn und Mitbürger überzeugen, sich an die Nahwärme anschließen zu lassen. Das Angebot dieser Wärmeversorgung in Bürgerhand, völlig unabhängig von Putins Gas oder Öl aus den Golfstaaten, besticht dabei neben seinem ökologischen Aspekt mit Energie aus der direkten Nachbarschaft auch finanziell, wurde geworben: Mit einer Einlage von 5000 Euro, das entspricht zehn Genossenschaftsanteilen, bekomme jedes Mitglied die Fernwärmeleitung ins Haus und außerdem die notwendige Technik, um die Wärme übernehmen zu können. Nur die Anlagen für die Weiterverteilung im Haus müsse jeder Nutzer zusätzlich noch selbst finanzieren.

 

Blick auf Wirtschaftlichkeit

Angesichts verschiedener skeptischer Wortmeldungen wurde auch deutlich gemacht, dass die Genossenschaft nur konkret in Aktion treten wird, wenn der errechnete Energiepreis innerhalb bestimmter Grenzen liegen wird. Acht Cent wurden hier mehrmals als Limit angepeilt. Schafft man dieses Ziel nicht, brauchen auch die Mitglieder ihre Einlage nicht zu zahlen und die Genossenschaft löst sich wieder auf. Gleichzeitig wurde bei dem Treffen deutlich, dass man einerseits Fristen setzt für die Meldung weiterer Wärmeabnehmer und andererseits ein späterer Beitritt zumindest nur sehr eingeschränkt möglich sein wird. Dies liegt daran, dass das Heizwerk in Thalham für eine bestimmte Abnehmerzahl ausgerichtet werden muss. Diese definitive Abnehmerzahl möglichst bald zu wissen und zudem noch mehr Abnehmer als bisher zu gewinnen, sind aktuell die vordringlichen Ziele der Genossenschaft. Dementsprechend wurde am Donnerstag immer wieder der Appell an die Bürger laut, sich das Alter ihrer aktuellen Heiztechnik vor Augen zu halten und einen Umstieg auf die Nahwärme zu überlegen.

 

Auch Bürgermeister Helmut Haider, über den örtlichen Kindergarten selbst per Amt Mitglied der neuen Genossenschaft, warb für die wegweisende Idee: „Die nahegelegene Wärmequelle bietet für alle Abnehmer Versorgungssicherheit. Gleichzeitig bringt sie die Stadt ihrem Ziel näher, bis 2030 energieautark zu werden." Rudolf Lehner, Aufsichtsratsmitglied, Dritter Bürgermeister und Vize-Landrat, sprach von einer „einmaligen Chance für Seyboldsdorf" und rief seine Mitbürger zur Zusammenarbeit für dieses Projekt auf. „Wir haben eine Chance, diese müssen wir ergreifen", brachte Vorstandsvorsitzender Gerhard Gilch die Herausforderungen ebenfalls auf den Punkt.

 

Bildunterschrift

Vorstand und Aufsichtsrat der Nahwärmegenossenschaft mit Bürgermeister Helmut Haider, dem städtischen Klimamanager Georg Straßer und weiteren Teilnehmern der Gründungsversammlung am Donnerstag.

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