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Text, Foto: Vilsbiburger Zeitung, 25.06.2015

Stadtrat verabschiedete Ausschreibungstext - Grünen-Antrag auf Wirtshaus chancenlos

Stadtrat verabschiedete Ausschreibungstext - Grünen-Antrag auf Wirtshaus chancenlos

Das Kulturhaus vom Markt her planen

Vilsbiburg. „Es hat lange gedauert, bis wir zu diesem Punkt gekommen sind", sagte Bürgermeister Helmut Haider am Dienstagabend, nachdem der Stadtrat den Auslobungstext für den Architektenwettbewerb zum ABV-Gelände einstimmig verabschiedet hatte. Zuvor hatte Thomas Kästle von der Beratungsagentur eloprop („Event - Location - Process") den Stadträten noch einmal anschaulich dargelegt, dass man ein klug geplantes Veranstaltungsgebäude durchaus unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben kann. Der Antrag der Grünen-Fraktion, alternativ zum Kulturhaus ein Wirtshaus mit Saal zu planen, wurde nicht einmal von der ganzen Fraktion mitgetragen.

 

Thomas Kästle, Dozent für Kultur- und Eventmanagement an der Hochschule Kempten und Autor des Fachbuchs „Kompendium Event- Organisation", hat bereits selbst Erfahrungen gesammelt im Veranstaltungsmanagement. Damit gelang es ihm anhand eines sehr anschaulichen, einstündigen Vortrags, die Stadträte davon zu überzeugen, wie man ein Veranstaltungsbauwerk auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten entwickeln kann - und was dabei zu beachten ist. „Bei vielen Stadtsälen und Veranstaltungshallen wurde allein durch die Gestaltung eine ganze Reihe von Veranstaltungen unmöglich gemacht, die aber wirtschaftlich interessant gewesen wären."

 

Kästle machte deutlich, dass je nach Veranstaltungstyp mal mehr, mal weniger in der Kasse bleibt: Besonders die Hochkultur ist eher auf Zuschüsse angewiesen, populäre Veranstaltungen wie Kabarett oder Popmusik tragen sich eher selbst, Einnahmen aus Festivitäten und (Abschluss-)Feiern sowie Business- Events tragen zur Wirtschaftlichkeit des Hauses bei. Für Vilsbiburg empfahl er einen ausgewogenen Veranstaltungs-Mix, so dass die Halle sowohl für den Kulturbetrieb der Stadt als auch für Events der Vilsbiburger Unternehmen geeignet sein müsse. Unter Berücksichtigung der benachbarten Veranstaltungsräume in einem Radius von 50 Kilometern kam Kästle zu dem Schluss, dass ein mittelgroßer Veranstaltungsraum ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hätte. Die bereits ermittelte Zahl von 400 bis 500 Besuchern korrigierte er leicht nach oben: „Sie brauchen Platz für eine Tischbestuhlung für etwa 300 Personen, dazu zusätzlichen Platz für ein Buffet." Kästle gab auch eine Reihe praktischer Hinweise zu logistischen Voraussetzungen, die man unbedingt beachten müsse. Ein Beispiel: Der Bühnenzugang müsse unbedingt abseits von einer Wohnbebauung sein; weil nach einem Konzert die Technik einfach abgebaut werden müsse.

 

Wieviel Umsatz womit?

 

Ausführlich wurde über die Frage des Betreibers diskutiert. Dabei machte Kästle deutlich, dass kulturelle Veranstaltungen eher wenig Umsatz generierten („Sie haben letztlich nur die Pause, und da geht ein Teil der Besucher zum Rauchen"), Festlichkeiten eher viel. Wenn man also den Veranstaltungsraum einem Wirt überlässt, werde dieser wirtschaftlich agieren: „Damit haben Sie schon einen Konflikt." Außerdem habe ein Betreiber einen anderen Aufgabenschwerpunkt als ein reiner Wirt. Nicht nur aus diesem Grund sei es sinnvoll, die Halle ohne festen Wirt zu betreiben: „Viele Unternehmen bevorzugen heutzutage ohnehin ihren eigenen Caterer." Um 300 Personen ordentlich zu verpflegen, brauche es einen Profi, der darauf ausgerichtet sei.

 

Eine gute, eigenständige Gaststätte daneben könnte von dem Betrieb des Kulturhauses profitieren, fuhr Kästle fort, vom Essen davor oder dem Absacker danach. Am Beispiel der Münchner Muffathalle zeigte er Entwicklungsmöglichkeiten auf: „Das war zunächst nur eine umgebaute Veranstaltungshalle, die Gastronomie, insbesondere der Biergarten an der Isar, ist mit dem zunehmenden Erfolg später hinzugekommen. „Ein zur Vils hin geöffnetes Foyer oder eine Lounge würde sich bei Ihnen anbieten. Xaver Peisl (CSU) machte dann klar: „Das Kulturhaus kann nur die Stadt betreiben, und ein Wirtshaus kann die Stadt auf keinen Fall betreiben." Eine im Antrag der Grünen formulierte Auslastung von 15 Prozent konnte sich Kästle nicht vorstellen. Natürlich sei ein Veranstaltungshaus eher am Wochenende belegt, aber von durchschnittlich zwei Veranstaltungen pro Woche sei minimal auszugehen: Da komme man schon auf 30 Prozent.

 

Keine Chance für Antrag

 

Nach diesen Ausführungen hatte der Antrag der Grünen-Fraktion keine Aussicht mehr auf einen Erfolg. Sprecherin Gisela Floegel sähe, wie berichtet, bei einer Erlebnisgastronomie mehr Aussicht auf einen wirtschaftlichen Erfolg. Stellvertretend für die Stimmung im Stadtrat sagte Karl-Heinz Hiller (FW): „Ich wollte heute den Antrag der Grünen unterstützen, weil mir das Vorhaben als für Vilsbiburg zu groß erschien. Ihr Vortrag hat mich aber grundlegend umgestimmt und mir den Wind komplett aus den Segeln genommen." Bei der anschließenden Abstimmung wurde der Antrag gegen die Stimmen von Gisela Floegel und Wolfgang Schwimmer abgelehnt.

 

Bei der anschließenden Diskussion des Auslobungstextes ging es nur mehr um Details. So störte sich Hiller an dem Hinweis, im denkmalgeschützten Troadkasten könnte auch die Gastro-Logistik untergebracht werden: „Kann man den nicht auch als Galerie oder als historischen Gastraum nutzen?" Sicher ist jetzt schon, dass eine Durchfahrt durch das Löchl später nicht mehr möglich ist, weil man zwischen Rathaus, Wirtshaus und Kulturhaus einen schönen Platz entstehen lassen möchte.

 

Bildunterschrift

Das ABV-Gelände bietet Platz für ein Einzelhandelsgeschäft zum Stadtplatz hin, ein Gasthaus ,das ein privater Investor errichten soll, sowie ein Veranstaltungsgebäude für 500 Personen. Der jetzt auf den Weg gebrachte Architektenwettbewerb soll die optimale Anordnung der Gebäude und deren Erschließung aufzeigen. Die Planung der einzelnen Gebäude erfolgt erst im nächsten Schritt.

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