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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://www.vilsbiburg.de

Text, Fotos: Vilsbiburger Zeitung, 15.07.2017.

Träger des Kulturpreises 2016 - Die Tanzharmonie

Bürgermeister Helmut Haider, Laudatorin Veronika Keglmaier und die soeben ausgezeichneten Musiker der „Tanzharmonie" (von rechts).

Aus Vilsbiburg in das ganze Land

Kulturpreis der Stadt an das Nostalgie-Schauorchester „Die Tanzharmonie" verliehen

Grossansicht in neuem Fenster: Mit ihrer Musik begeisterten die Kulturpreisträger die Besucher des Festakts.Vilsbiburg. Es ist eine Besonderheit, die es im weiten Umkreis nur ein einziges Mal gibt: Das Nostalgie- Orchester „Die Tanzharmonie" erweckt die Schlager der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf professionelle Weise zu neuem Leben. Dabei legen sie seit 25 Jahren sowohl musikalisch, als auch in der Interpretation und in der Optik eine erstaunliche Liebe zum Detail an den Tag und bereichern die musikalische Vielfalt in der Region. Am Donnerstagabend erhielten sie dafür bei einem sehr schönen Festakt im Saal der Volkshochschule den Kulturpreis der Stadt Vilsbiburg.

 

Vermutlich versehentlich, wie der Conférencier der Tanzharmonie, Dr. Joachim Siebert, in seiner launigen Dankesrede sagte, hätten zwei weitere Kulturpreisträger der Stadt, Heinz Loher und Peter Röckl, dazu beigetragen, dass es die „Tanzharmonie" überhaupt gibt: Denn am Gymnasium Vilsbiburg, das seinerzeit noch namenlos „staatliches" hieß, lernten die Gründer des Nostalgie- Orchesters musizieren und sich kennen. „Damals gab es Facebook, WhatsApp und Google noch nicht, und so machte man unter anderem halt viel Musik", sagte Siebert, und die beiden Musiklehrer hätten ihnen musikalisch dabei auf die Sprünge geholfen.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Bürgermeister Helmut Haider überreichte an „Refrainsänger“ Joseph Obermeier den Kulturpreis für „Die Tanzharmonie“.Das war auch nötig, denn Gerhard Galler und sein Bruder Joseph, der heute Obermeier heißt, hatten auf dem Speicher des Elternhauses einen veritablen musikalischen Schatz entdeckt: Etwa 2800 Notenarrangements aus den 1920er bis 1950er Jahren, die ihnen ihr Großvater Hans Sedlmeier, ein professioneller Musiker im Nachkriegsbayern, hinterlassen hatte. Die beiden wollten diesen Nachlass wieder ins musikalische Leben zurückholen.

 

Feiner Humor

 

Zusammen mit den Mitstreitern aus dem Gymnasium spezialisierten sie sich auf die Stücke der vorausgehenden Jahrzehnte. „Die erschienen ihnen mit ihrem feinen Humor als äußerst reizvoll, zudem konnten sie damit eine exklusive musikalische Nische abdecken", sagte Veronika Keglmaier, Kulturreferentin beim Bezirk Niederbayern, in ihrer vielgelobten Laudatio. Das Vergabegremium hatte den Kulturpreis „für das „Wiederbeleben eines vergangenen Musikstils und dessen Aufführungen im professionellen Stil" an die „Die Tanzharmonie" vergeben. Das griff Keglmaier auf und lobte die Jury für diese Entscheidung.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Laudatorin Veronika Keglmaier dankte für die Bereicherung des Kulturlebens.Denn die Musiker der Tanzharmonie würden viel Zeit darauf verwenden, ihre Musik dem Klangbild der damaligen Zeit anzupassen: „Das beginnt damit, sich Originalaufnahmen anzuhören, um Tongebung, Phrasierung und Rhythmisierung aufzunehmen." Ebenso habe die Wahl der Instrumente ihren Anteil am professionellen und originalgetreuen Klangbild des Orchesters: „Gespielt wird größtenteils auf Instrumenten aus dem frühen 20. Jahrhundert. Eindrucksvollstes Beispiel ist hier wohl das Schlagzeug der Firma Sonor aus dem Jahr 1904 – ein Flohmarktfund. Es ist ausschließlich mit Naturfellen bespannt und mit einer aus heutiger Sicht überdimensionierten Basstrommel, einem Charleston-Becken und einer handbemalten chinesischen Trommel ausgestattet." Auf der Bühne legten die Damen und Herren der Tanzharmonie zudem größten Wert auf stilgerechtes Auftreten: „Die alten Schlager erklingen damit auch im Wortsinn im alten Gewand."

 

Hinzu komme, dass die alten Schlager durch feinen Humor und sprachlichen Witz bestechen, den die Sprachrohre der Tanzharmonie, Refrainsänger Joseph Obermeier und Conférencier Dr. Joachim Siebert, gekonnt und überzeugend transportierten: „Amüsiert und fasziniert lauscht man ihrem Vortrag, dessen Feinsinnigkeit viele heutige Texte übertrifft", sagte Keglmaier.

 

Der Stadt verbunden

 

Rund 150 Stücke habe „Die Tanzharmonie" mittlerweile im Repertoire. Diese Musik erklinge bei eigenen Veranstaltungen wie den Kostümbällen, aber auch bei Filmgalas oder bei Livesendungen im Fernsehen. Und wenn sich die Musiker auch auf die ganze Region verteilt haben, ihre Verbundenheit zum Ort des Entstehens ist geblieben: Die Tanzharmonie spielte unter anderem bei der Eröffnung der Stadthalle, bei strömendem Regen auf dem Stadtfest, Silvester im Kino oder bei einem Benefizkonzert für den Hospizverein. Auch die jüngste CD wurde in der Aula der Mittelschule aufgenommen.

 

„Als Orchester bringen sie dem Publikum die Ausgelassenheit und Aufbruchstimmung einer Ära näher und bereichern das kulturelle Leben in der Region mit einer ganz eigenen, unverwechselbaren Note. Vielen Dank für euer langjähriges Engagement!", sagte Keglmaier zum Schluss.

 

Anschließend überreichte Bürgermeister Helmut Haider den mit 1000 Euro dotierten Kulturpreis, dazu eine Bronzemedaille und Urkunden für alle Mitglieder des Orchesters. Als kleines Geschenk gab es für jeden der Herren einen kleinen grünen Kaktus und einen Blumenstrauß für die Damen. Haider brachte dabei seine Freude zum Ausdruck, dass die Tanzharmonie die Musik zu dem Festakt selbst beisteuern wollte: Damit könne man die Besonderheit des Preisträgers unmittelbar erleben.

 

Zuvor hatte Haider sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass die Finanzierung des lange erwarteten Kulturzentrums noch eine Weile dauern werde. Mittlerweile fördere die Stadt ihre Kulturschaffenden nach Kräften – sowohl mit finanzieller Unterstützung, als auch mit praktischen Dienstleistungen und technischer Hilfe – etwa dem Aufbau von Bühnen. Auch die Volkshochschule biete ihren Saal immer wieder als Ausstellungsraum an, um der fehlenden Ausstellungsfläche entgegenzuwirken, sagte Haider. Mit einem Empfang bei Wein und Häppchen klang der Festakt aus.

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