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Text: Vilsbiburger Zeitung, 16.10.2009 (Bernhard Beez), Fotos: Wilhelm Grässle

Träger des Kulturpreises 2008 - Musical "Just Stars"

Kulturpreis 2008 - Musical Just Stars
Von links: Ludwig Rottenwallner, Gabi Jäckle-Mayr, Irmgard Blenninger, Monika Mücher-Mond, zweiter Bürgermeister Johann Sarcher

Musical "Just Stars" erhielt Kulturpreis der Stadt Vilsbiburg 2008

Von wegen Null-Bock-Generation

"Außergewöhnliches Engagement jedes Einzelnen" - Weiteres Projekt in Aussicht gestellt

Vilsbiburg. Es war eine Produktion, die an drei Abenden die insgesamt rund 2500 Zuschauer vergessen ließ, dass hier ausschließlich Amateure auf der Bühne standen. Etwa 150 Mitwirkende brachten mit gefühlvollen musikalischen Elementen, ergreifendem Gesang, großer Schauspielkunst und mitreißenden tänzerischen Darbietungen im vergangenen Jahr das Musical "Just Stars" auf die Bühne. Nach dem riesigen Beifall und hervorragenden Kritiken folgte für die rührigen Macher von "Just Stars" eine weitere Belohnung: Das Projekt der Musikschule wurde mit dem Kulturpreis 2008 der Stadt Vilsbiburg ausgezeichnet.

Grossansicht in neuem Fenster: Die Mitwirkenden beim Musical ´Just Stars´"Es war ein kultureller Höhepunkt, eine großartige Show, die nur durch das bewundernswerte Miteinander aller Beteiligten möglich war", sagte zweiter Bürgermeister Johann Sarcher bei der offiziellen Veranstaltung am Mittwochabend in der Vilstalhalle. Stellvertretend für alle Mitwirkenden durften die Musiklehrer Ludwig Rottenwallner (Gesamtleitung und Orchesterchef), Gabi Jäckle-Mayr (Inszenierung), Irmgard Blenninger (Leitung des Projektchores) und Monika Mücher-Mond (Bühnenbild) den Preis entgegennehmen. Dieser bestand aus einer im italienischen Buja gefertigten Medaille, einer Urkunde sowie einer Dotierung von 1000 Euro.

Georg Soller, Redaktionsleiter der Vilsbiburger Zeitung , würdigte in seiner Laudatio das Engagement jedes Einzelnen, ohne das ein derartiges Projekt niemals möglich sein könnte: "Jeder der rund 150 Mitwirkenden hat soviel Zeit und Talent in dieses Projekt gesteckt, wie er aufbringen konnte. Das allein ist der Maßstab für diesen zugegebenermaßen außergewöhnlich großen Kulturpreis-Träger." Der besondere Reiz habe darin bestanden, dass sich hier die ungezählten Stunden des einsamen Übens zu einem großen Ganzen gefügt hätten. Bei diesem Projekt sei es auf richtigen Einsatz und optimale Leistung angekommen: "Dies ist in Zeiten, in denen immer mehr Jugendliche dem Irrglauben verfallen, dass sie via Castingshow im Handumdrehen zum Superstar werden, eine wichtige Erkenntnis", sagte Soller.

Gänsehaut-Atmosphäre

Grossansicht in neuem Fenster: Kulturpreis 2008 - Laudator Georg SollerDas Ergebnis sei dann nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Mitwirkenden außergewöhnlich gewesen: "Hinterher haben einige gesagt, dass ihnen bei der Klangfülle von Chor und Orchester eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen sei." Es komme ja nicht oft vor, dass Schüler einer Musikschule die Gelegenheit bekommen, vor jeweils knapp 1000 Besuchern live zu singen oder zu spielen, und das mit einem Orchester, das in der Lage sei, die Halle bis in den letzten Winkel mit seinem Klang zu füllen. "Dieses Gefühl bleibt im normalen Bühnenleben nur Profis vorbehalten." Und hieraus bezogen auch Ludwig Rottenwallner und sein Team den Spaß, der nötig ist, um so ein Vorhaben erfolgreich zu realisieren.

Soller beleuchtete in seiner Rede auch die Karriere einiger Solisten, die mit ihrem ausdrucksstarken Gesang den Zuschauern des Musicals "Just Stars" in Erinnerung geblieben sind. So nahm Caroline Röske, die in der Rolle als "Klassika" zu sehen war, mittlerweile ein Engagement bei einer Profiband an. Julia Häglsperger, die als quirlige "Alice" den perfiden Plan des Professors zu durchkreuzen vermochte, erhielt im Stadttheater Regensburg in dem Stück "Der kleine Horrorladen" eine Gesangsrolle. Und "Jazzer" Johannes Braun ergatterte einen der begehrten Plätze an der Stage School in Hamburg, der größten europäischen Privatschule für professionelle Bühnenkünstler.

Echter Handlungsbedarf

Georg Soller regte in diesem Zusammenhang an, ernsthaft über eine "Stimmbildung im Fach Pop, Rock und Musical" an der Musikschule nachzudenken: "Hier sehe ich echten Handlungsbedarf." Und an die zahlreich anwesenden Stadträte erging die Forderung, die lange aufgeschobenen Kulturbaustellen anzupacken und für deutlich bessere Produktionsbedingungen zu sorgen: "Mit dem Umbau der Volkshochschule sollten endlich die notwendigen schallgedämmten Räume für die Musikschule kommen sowie ein vernünftiger kleiner Konzertsaal." Dies würde den Machern künftiger derartiger Projekte die Arbeit deutlich erleichtern.

Doch dies sollten die einzigen kleinen kritischen Töne an diesem Abend bleiben. Abschließend hob Soller hervor, dass die Stärke dieser sympathischen kleinen Stadt darin liege, dass hier mit Hilfe des bürgerlichen Miteinanders und durch das große Engagement Einzelner noch eigenständige kulturelle Leistungen erbracht werden: "Und darauf können wir alle miteinander stolz sein."

Für die Preisträger gab es am Ende noch eine besondere Überraschung. Gerhard Hellmann stellte den Machern von "Just Stars" aus seiner Stiftung die Summe von exakt 555,55 Euro in Aussicht. "Das Geld ist aber für alle Mitwirkenden gedacht, also etwa vier Euro für jeden", sagte Hellmann, wobei er offen ließ, ob es ihm damit ernst war. Ludwig Rottenwallner nahm dies dankend an und versprach zugleich, dass die 1000 Euro, die man von der Stadt erhält, den Grundstock für ein weiteres Projekt in dieser Größenordung bilden würden.

Natürlich durfte an diesem Abend die Musik nicht zu kurz kommen. Noch einmal wurden die Zuschauer in die Villa des unheimlichen Professors entführt, noch einmal wurden sie Zeuge der bösen Strafpredigt, die der stumme Goldo über sich ergehen lassen musste, und noch einmal durften sie dem hinreißend schönen Gesang von Alice und Popmod lauschen, bei dem man schlichtweg vergaß, dass man Besucher einer reinen Amateurdarbietung war. Und man konnte problemlos nachvollziehen, was Gabi Jäckle-Mayr in ihren Dankesworten anklingen ließ: "Mit solch engagierten Leuten zu arbeiten ist einfach nur schön." Oder wie Georg Soller es ausdrückte: "Von wegen Null-Bock-Generation."

Mehr Infos und Bilder im Vilsbiburger Journal (siehe unten "Weiterführende Links").

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