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Text und Foto: Vilsbiburger Zeitung, 12.07.2010 (Georg Soller)

Träger des Kulturpreises 2009 - Günter Knaus

Kulturpreis 2009 - Günter Knaus
Von links: Laudator Peter Barteit, Erika und Günter Knaus, Erster Bürgermeister Helmut Haider

Stiller Beobachter am Rande

Kulturpreis der Stadt Vilsbiburg an den Dokumentarfilmer Günter Knaus verliehen

Vilsbiburg. „Wahrscheinlich hat schon jeder von Ihnen, die Sie hier im Saal sitzen, schon mindestens einen Film von Günter Knaus gesehen“, sagte Bürgermeister Helmut Haider am Donnerstagabend in der Grundschulaula bei seiner Begrüßung zur Verleihung des Kulturpreises an den bekannten Vilsbiburger Hobbyfilmer. Er bekam den mit 1000 Euro dotierten Preis für seine in ungezählten Filmen erstellte Dokumentation des gesellschaftlichen Lebens in Vilsbiburg, die Laudator Peter Barteit als „Dokumente von besonderer Dichte und Atmosphäre“ bezeichnete.

Schon das Betrachten alter Fotos sei hoch interessant, sagte Barteit, der in seiner feinen Laudatio über die generelle Bedeutung von Kultur und Geschichte für das Leben in der Stadt den besonderen Wert des Beitrags von Günter Knaus zum Stadtleben begründete: „Der eigentliche Reiz beginnt aber wirklich dann, wenn diese Bilder laufen lernen.“ Am Beispiel des Films von der Feier der Stadterhebung Vilsbiburgs im Jahr 1929 zeigte Barteit auf, wie der engagierte Chronist Günter Knaus den rund fünf Minuten dauernden Stummfilm digitalisiert und für die Nachwelt aufbereitet hat.

Entwicklung der Stadt sichtbar gemacht

Das eigentliche Verdienst von Knaus ist jedoch, dass er selbst kleinere aber auch größere Ereignisse der Stadt in bewegten Bildern festgehalten hat. Hat er anfänglich den privaten Rahmen kaum verlassen und Familie und Skiclub als zentrale Themen seiner ersten Filme genommen, so sind im Lauf der Jahre die Themen vielfältiger geworden: Die Begründung der ersten Städtepartnerschaft mit Buja, der Bau der neuen Vilsbrücke, der Brand der alten Festhalle, Vereinsjubiläen, Markttage, Volksfeste, närrische Nationalfeiertage.

Barteit, der mit Knaus über viele Jahrzehnte im Heimatverein zusammenarbeitet, schilderte in vielen liebevollen Details die Höhepunkte aus dessen Filmschaffen. „Was ihn von den wichtigtuerischen Profis dieser Zunft unterscheidet: Er drängt sich nicht in den Vordergrund, ist lieber stiller Beobachter irgendwo am Rande“, sagte der Laudator.

Meistens hat sich Günter Knaus darauf beschränkt, das jeweilige Ereignis zu dokumentieren. Nach der offiziellen Verleihung des Preises zeigte er knappe Ausschnitte seiner Filme, in denen manch Vilsbiburger Original noch einmal zum Leben erweckt wurde. Besonders aber in seiner multimedialen Fortführung der von Harald Frenzel vor mehr als 30 Jahren begonnenen Diaschau „Bilder von früher und heute“ habe er in der Gegenüberstellung von historischen und aktuellen Aufnahmen die Entwicklungsschübe in der Stadtarchitektur erlebbar gemacht, sagte Barteit: „Aufnahmen aus früheren Jahrzehnten sind historische Zeugnisse; sie zeigen Entwicklungslinien und Veränderungen auf, machen die Gegenwart über den fernen Spiegel der Vergangenheit verstehbar.“ Wie glücklich würde sich die Stadt schätzen, sagte der Kreisheimatpfleger, wenn sie ein Filmdokument vom Abriss des Unteren Stadttores hätte oder gar einen heimlich aufgenommenen Film über den Zug der KZ-Häftlinge durch die Stadt.

Nicht unerwähnt ließ Barteit den Kampf mit der Technik: „Mit den von der Industrie angebotenen Hilfsmitteln gibt sich Günter Knaus in den seltensten Fällen zufrieden.“ So habe er über viele Monate getüftelt, bis er eine Möglichkeit entwickelt hatte, seine ungezählten Normal-8- und Super-8-Filme mit eigenen Mitteln zu digitalisieren. Etwas später konnten die Besucher dann in eigener Anschauung erleben, dass die digitale Technik zwar ungleich mehr Finessen bitet als die analoge Filmerei, aber dass sie trotzdem oder gerade deshalb sehr anfällig ist und nicht immer funktioniert, wenn man sie braucht.

Eine Schachtel voller Fotos

Mit einer Schuhschachtel voller alter Fotos, die seine Tante mit der legendären „Agfa-Box“ aufgenommen hatte, begann im Jahr 1948 die Leidenschaft von Günter Knaus für Foto und Film. Vom seinen ersten Lohnzahlungen – 10 Mark im Monat – habe er sich selbst seinen ersten Fotoapparat gekauft, erzählte Knaus in seiner Dankesrede. Dabei rief er wieder in Erinnerung, dass es damals weder einen abstimmten Belichtungsmesser noch Entfernungsmesser gab: „Wir hatten Erfahrungswerte, Dank derer wir damals unsere Filme belichtet haben.“ Knaus berichtete von der Tücken der Schmalfilmtechnik, die im Format Normal 8 noch gänzlich ohne Ton, und später bei der Super-8-Technik mit einem höchst wackeligen Tonsystem ausgestattet war: „Weil die Menschen inzwischen aber aus dem Fernsehen anderes gewohnt waren, mussten wir uns etwas einfallen lassen.“ 1975, als sich das VHS-Heimvideosystem gerade anschickte, die Wohnzimmer zu erobern, erwarb er eine der damals besten Super-8-Kameras, eine Nizo 801: „Das VHS-Videosystem hat mich nicht interessiert. Die Bildqualität war einfach zu schlecht“, sagte Knaus am Donnerstag, und in der Rückschau kann man ihn heute nur zu dieser Entscheidung beglückwünschen. Erst 1999 habe ihn die technische Qualität der digitalen Filmtechnik überzeugt.

Nach der feierlichen Verleihung des Kulturpreises blieb den vielen geladenen Gästen – darunter traditionell frühere Kulturpreisträger sowie Ehrenbürger und Träger der Bürgermedaille in bemerkenswerter Zahl – noch lange Gelegenheit, über die Erinnerungen an die alten Zeiten zu plaudern. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Vilsbiburger Blechbläserensemble unter der Leitung von Rolf Ulrich Denzer.

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