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Text und Foto: Vilsbiburger Zeitung, 27.04.2012 (Georg Soller)

Bürgerwerkstatt zum Thema Kulturhaus

Foto: Bürgerwerkstatt zum Thema Kulturhaus
Am Mittwochabend bei der "Bürgerwerkstatt": Nachdenken über die Nutzungsmöglichkeiten eines Kulturzentrums

Ein Platz für Visionäre

Nur wenige Teilnehmer kamen zur "Bürgerwerkstatt" zum Thema Kulturhaus

Vilsbiburg. In kleiner Runde fand am Mittwochabend in den Räumen der Volkshochschule die "Bürgerwerkstatt" zum Thema Kulturhaus statt. Nach der thematischen Einführung durch Bürgermeister Helmut Haider und einem kurzen Erfahrungsaustausch zum bisherigen Stand der Diskussion waren die Teilnehmer selbst zum Mitarbeit aufgefordert.

 

War es der schöne Frühlingsabend, war es das Champions-League-Halbfinale oder war es Desinteresse? Ganze acht Besucher waren zur "Bürgerwerkstatt" zum Thema Kulturhaus in die Volkshochschule gekommen, wo sie sich einer fast ebenso großen Gruppe an offiziellen Beteiligten gegenüber sahen. Aber spätestens zum offiziellen Spatenstich würden sich die Kritiker schon zu Wort melden, wurde in der Runde geunkt, bevor man sich in die Arbeit stürzte. Statt verschiedener Arbeitsgruppen wurde in einer Runde nachgedacht, diskutiert und entwickelt.

 

Dass ein Kulturhaus ein Ort für Sprechtheater, Musiktheater, Kabarett oder Ausstellungen sein sollte, ist eigentlich selbstverständlich. Aber was man sich denn vorstelle, was unter der Woche im Kulturhaus ablaufen könnte, fragten die drei Moderatoren der Beratungsgesellschaft "Identität und Image" zum Auftakt. Die Antworten waren von Erfahrungen aus der Nachbarschaft geprägt: Von Kleinkunst und Probenarbeit über kleine Kongresse bis zu Firmenpräsentationen reichten die Vorschläge. Deutlich wurde auch, dass man sich für viele Veranstaltungen einen anderen Rahmen wünscht als den Sporthallencharakter der Vilstalhalle: Der Landfrauentag hätte in dem Kulturhaus sicher mehr Charme, und auch die großen Vortragsveranstaltungen etwa der VR-Bank kämen besser zur Geltung, hieß es. Und die Konzerte der Schülerorchester kämen aus den verschiedenen Turnhallen auf eine echte Bühne.

 

Ein großer Punkt waren auch die kleinen Kinder: Nachdem die beiden Landshuter Theater keine traditionellen Kinderstücke anbieten, würde man dem Nachwuchs aus Kindergärten, Schulen aber auch im freien Verkauf gerne Märchen, Klassik für Kinder oder Gastspiele mit populären Stoffen anbieten. Spiele-Nachmittage wären in einem Kulturzentrum ebenso denkbar wie Schulabschlussfeiern, die nach einer Pause am selben Ort in den Abschlussball münden könnten.

 

Nicht vergessen wurde auch der Blick auf die ältere Generation. In Dingolfing zum Beispiel gibt es gut besuchte Tanzveranstaltungen, in denen Senioren zu den Schlagern aus ihrer Jugend über das Parkett schwofen. Auch größere Klassentreffen, internationale Begegnungen wurden vorgeschlagen.

 

Da auf der Besichtigungstour bei anderen Kulturhäusern auf die Notwendigkeit einer funktionierenden Gastronomie hingewiesen worden war, überraschten auch die Vorschläge nicht, den neuen Saal für Hochzeiten oder einen größeren Leichenschmaus zur Verfügung zu stellen.

 

Ambiente und Kreativität

Als das Moderationsteam die verschiedenen Vorschläge geordnet hatte, wurden die Workshop-Teilnehmer gebeten, die Rubriken danach zu bewerten, womit Vilsbiburg am besten punkten könne. Hier zeigte sich, dass die Teilnehmer die Punkte "Ambiente" und "eigene Kreativität" sehr stark bewertet hatten. Das erwies sich als durchaus logisch: Vilsbiburg kann in seiner Größe nicht mit Theaterproduktionen für große Zentren mithalten, auch die großen Orchester und Pop-Künstler werden, wenn überhaupt, nur selten vorbeikommen. Da man von einer Saalgröße zwischen 400 und 500 Besuchern ausgeht, liegt die maximal refinanzierbare Gage irgendwo um 10 000 Euro, wenn man zum Beispiel einen Eintrittspreis von 25 Euro zugrunde legt. Will man trotzdem interessante Künstler an die Vils holen, kann die Stadt vor allem mit einem besonders ansprechenden Ambiente und einer gut funktionierenden Veranstaltungstechnik punkten. Die Lage am Fluss wäre hier auch eine Besonderheit, und eine Veranstaltungspause, die man auf den Treppenanlagen zur Vils verbringen könnte, biete schon einen besonderen Reiz. "Da kommen die Besucher gerne auch von weiter her", so die Meinung in der Runde.

 

Viel Zeit nahmen sich die Moderatoren auch bei dem Punkt, welche Vorteile man daraus ziehen könnte, die Talente vor Ort zu finden und zu fördern. Denn vieles finde derzeit einfach deshalb nicht statt, so eine Meinung, weil oft die geeigneten Voraussetzungen fehlten: passende Probenräume ebenso wie Auftrittsmöglichkeiten. Da Erfolg eigentlich immer auch mit Menschen zusammenhinge, die eine Vision verfolgten, müsste man solche Visionäre mit einem geeigneten Kulturort anlocken und ihnen auch Vertrauen schenken. Denn als zu überwindende Schwierigkeiten wurden neben der Finanzierung auch die Bedenkenträger in der Bevölkerung genannt, die eine negative Stimmung verbreiteten, wie auch das gastronomische Angebot in der Stadt, das aktuell wenig neue Anreize zu bieten habe.

 

Lob gab es auch für das Kulturforum, das im vergangenen Jahr begonnen habe, die Kulturschaffenden wieder besser zu vernetzen. Nun müsste es mit der Zeit angepackt werden, auch das Konkurrenzdenken der verschiedenen Gruppen und Vereine zu überwinden, damit sich eine eigenständige kulturelle Szene in Vilsbiburg wieder entwickeln könne.

 

Das gab es bereits in den 90er Jahren, als zum Beispiel mit dem Verein Creative Concept, der Narrhalla, dem neuen Kino oder der "offenen Bühne" in der "Wunderbar" viele spannende Projekte entstanden sind.

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