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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://www.vilsbiburg.de

Text und Foto: Vilsbiburger Zeitung - www.idowa.de, 18.07.2012 (Georg Soller)

Stadtrat sucht Investoren mit einer guten Lösung für das Gelände des alten Bauhofs

Alter Bauhof der Stadt Vilsbiburg

Wie bekommt man Qualität?

Seit einem CSU-Antrag aus dem Jahr 2004 gibt es Überlegungen im Stadtrat, auf dem Gelände des alten Bauhofs Stadtwohnungen zu errichten. Im November vergangenen Jahres hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, das Gelände des alten Bauhofes an der Seyboldsdorfer Straße zu verkaufen, um es für eine Wohnbebauung im Rahmen eines Bebauungsplanes frei zu machen. Dazu soll ein Investorenwettbewerb ausgerichtet werden. In der Sitzung am 18. Juni regte Architekt Jakob Oberpriller an, keinen Investorenwettbewerb, sondern einen Architektenwettbewerb auszuloben. Darüber wurde nun in der Sitzung am Montagabend intensiv debattiert, bevor mit 9:13 Stimmen quer durch alle Fraktionen der Beschluss vom November bestätigt wurde.

 

Aufgrund von Erfahrungen in Vilsbiburg und auch in benachbarten Städten verlief die Debatte im Stadtrat zwischen diesen beiden Polen: Wenn man bestimmte Investoren einfach bauen lässt, dann kommen einfache, gern auch unattraktive Bauwerke heraus, die mit möglichst geringem Aufwand eine maximale Gewinnspanne bringen sollen. Das ist oft bei Projekten der Fall, bei denen der Investor baut und das Ergebnis dann verkauft. Im Lauf der Jahre müssen die späteren Eigentümer dann im Detail vieles nachbessern.

 

Auf der anderen Seite planen manche Architekten sehr aufwendige, schön anzusehende Bauwerke, die aber in der Herstellung so teuer werden, dass sich für diese Pläne kein Investor findet, der sie in die Realität umsetzt. Diese Angst habe Oberpriller den Stadträten mit seinem Vortrag genommen, sagte Klaus Kerscher (SPD). Aber CSU-Fraktionssprecher Hermann Vogelgsang verwies nicht zu unrecht darauf, dass normalerweise der Bauherr seinen Architekten auswählt: "Und da sind wir uns ja einig, dass das hier nicht die Stadt sein wird."

 

Xaver Peisl (CSU) stellte fest, dass in Vilsbiburg vor allem qualitativ hochwertiger Wohnraum fehle. "Und wie hochwertig man hier bauen kann, das ist eine einfache Rechnung: Man weiß, wie viel Miete sich erzielen lässt, und daraus ergibt sich, wie teuer ein Kubikmeter umbauter Raum werden darf." Damit könne ein guter Architekt umgehen und etwas Vernünftiges planen, sagte er.

 

Hochwertiger Wohnraum fehlt in der Stadt

Sebastian Huber nannte zwei Beispiele, in denen die Kommune einen kombinierten Wettbewerb ausgelobt hatte. Hier konnten sich Investoren nur bewerben, wenn sie einen guten Architekten mit an Bord hatten. Diesem Vorschlag widersprach Michaela Feß (Die Grünen): "Jeder Investor hat doch seinen eigenen Architekten, der ihm das Gebäude genau so plant, wie er es haben will."

 

Feß und ihre Fraktionskollegin Gisela Floegel warben zusammen mit Bürgermeister Helmut Haider am intensivsten für einen Architektenwettbewerb: "Das Gelände liegt nah am Stadtzentrum, da ist es nicht egal, was passiert." Außerdem sollte die Stadt auch auf den Beschluss hinweisen, so Floegel, dass neue städtische Gebäude nach dem Niedrigenergiehausstandard errichtet werden. Das könnten sich doch auch Investoren zum Vorbild nehmen. Sie verwehrte sich zudem heftig gegen den Antrag der Freien Wähler nach so genanntem jungem Wohnen: "Dann wird hier was für junge Leute gebaut, 800 Meter weiter gibt es etwas für Ältere, und jede Generation ist für sich. Es geht doch um einen lebendigen Austausch, wie er etwa in einem Mehrgenerationenhaus passiert."

 

Karlheinz Hiller (FW) sagte, dass das Junge Wohnen vor allem deshalb auf dem FW-Antrag vom vergangenen November stehe, "weil im Moment eigentlich nur noch ,Betreutes Wohnen' gebaut wird." Er selbst sei hin- und hergerissen, wie man am besten zu einem qualitativ akzeptablen Ergebnis komme.

 

Georg Brams (CSU) wies darauf hin, dass sich der FW- und der CSU-Antrag im Kern wenig unterscheiden. Außerdem sei bekannt, dass das neue Gebäude an die Nahwärme-Versorgung angeschlossen werden müsse und der Planer sowohl für den Bau als auch für die Verkehrserschließung gute Ideen benötige. So gesehen müsste die Stadt erst einmal fragen, ob es dafür Interessenten gebe, die dieses Projekt anpacken wollen.

 

Zuvor hatte Hermann Vogelgsang die gesamte Diskussion als unnötig bezeichnet. Es gebe einen einstimmigen Beschluss vom November, und er sehe keine grundlegenden neuen Erkenntnisse, warum man diesen Beschluss aufheben sollte. Man sollte sich doch an die eigenen Beschlüsse halten. Bürgermeister Haider entgegnete, dass die Ausführungen von Jakob Oberpriller durchaus zu neuen Erkenntnissen geführt hätten. "Wenn man durch Weiterdenken zu besseren Ergebnissen kommt, dann ist das doch keine schlechte Sache", sagte auch Michaela Feß. Am Ende fanden sich in allen Fraktionen Befürworter für einen Architektenwettbewerb, aber die Mehrheit der Stadträte stimmte für einen Investorenwettbewerb mit architektonischer Begleitung. Die Vorgaben werden im nächsten Bauausschuss festgelegt.

 

Foto: Der alte Bauhof an der Seyboldsdorfer Straße soll abgerissen werden und einer zeitgemäßen, wertigen Wohnbebauung Platz machen. Dafür sucht die Stadt einen Investor, der auch auf Qualität achtet. (Foto: gs)

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