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Text: Vilsbiburger Zeitung, 19.07.2012 (Georg Soller); Luftbild: Klaus Leidorf.

Stadtrat gab grünes Licht für Freiflächen-Bürgersolaranlage - Sinkende Einspeisevergütung

Das geplante Solarfeld südwestlich des Bahndamms (Foto: Klaus Leidorf)

Eine Million Euro wird benötigt

Vi l s b i b u rg . Auf einem Grundstück der Familie Grünewald neben dem Bahndamm soll bis zum Herbst das erste Vilsbiburger Bürger-Solarfeld entstehen. In der Sitzung des Stadtrats am Montagabend wurden die Planentwürfe ohne Gegenstimme genehmigt. In der Sitzung am Montag wird die Betreibergesellschaft des „Solarfeld Bürgerenergie Vilsbiburg Süd" gegründet, deren Gründungskommanditist die Stadt mit einer Einlage von 10 000 Euro ist. Darüber hinaus können sich Vilsbiburger Bürger an dieser 3,3 Megawatt-Anlage beteiligen, für die ein Eigenkapital von einer Million Euro benötigt wird. Insgesamt soll das Investitionsvolumen 4,2 Millionen Euro betragen.

 

Als haftende Gesellschafterin ist die Gold Solar Wind Verwaltungsgesellschaft aus Kirchroth vorgesehen. Geschäftsführer Josef Gold stellte am Montag den Stadträten ausführlich die verschiedenen Gesellschaftsformen vor und erläuterte, warum er angesichts der sinkenden Einspeisevergütungen eine GmbH & Co. KG bevorzugt. Alle Gesellschafter sollen im Übrigen eine Stimme haben, unabhängig von der Höhe der Einlage, die zwischen mindestens 3000 und höchstens 15 000 Euro fixiert wird. Allein die Grundeigentümer können sich mit je 20 000 Euro beteiligen. Die Anlage ist auf 20 Jahre Laufzeit ausgelegt und soll, ebenfalls aus Gründen der sinkenden Einspeisevergütungen, obwohl mit Modulen aus deutscher als auch fernöstlicher Produktion bestückt werden.

 

Klimaschutz-Manager Georg Straßer, der das Projekt auf den Weg gebracht hat, sagte, dass die Renditeerwartung bei sechs bis sieben Prozent liege, was bei Freilandanlagen jetzt nur durch ausgeklügelte Planung und niedrig gehaltene Kosten für die Geschäftsführung möglich sei. Die Unterlagen lägen bei der Bank zur Prüfung, und es wurde schon ein positives Signal zur Finanzierung gegeben. Die Stadt Vilsbiburg könnte in den nächsten 20 Jahren durch das Solarfeld 180 000 Euro Gewerbesteuer einnehmen.

 

Plädoyer für SolarfelderGrossansicht in neuem Fenster: Die Lage der geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage

Ein Plädoyer für Freiflächen-Solarfelder hielt der Landschaftsarchitekt Helmut Wartner aus Landshut, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte -unter anderem auch in Kalifornien und in Spanien- begleitet hat. Energiegewinnung verändere die Landschaft immer, sagte er und verwies auf die "Vermaisung der Landschaft" durch Biogas-Anlagen, auf Ölfelder und Stromtrassen. Ein gut eingegrüntes Solarfeld, so Wartner, sei weit weniger auffällig, als wenn historisch gewachsene Dachlandschaften mit PV-Panels zugepflastert würden: "Das gefällt auch nicht jedem. " Darüber hinaus verwies Wartner auf die höhere Effektivität: Um die gleiche Menge Strom zu erzeugen, benötige eine Biogasanlage 20 Mal so viel Fläche wie ein Solarfeld.

 

In den vergangenen zehn Jahren habe die Photovoltaik geboomt, und daraus seien vielfältige Erfahrungen entstanden, sagte der Landschaftsarchitekt. Er gehe davon aus,dass sich in den nächsten zehn Jahren ähnlich viel entwickle. Er zeigte die Sonnennutzung entlang der Autobahnen auf und verwies auf erste Versuche, die Beschattung von Parkplätzen durch Solarmodule zu errichten. Dies sei allemal besser als der Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden allein für die PV-Nutzung, die Wartner mit dem Begriff "Scheinstadel" belegte.

 

Als positive Beispiele zeigte er Solarfelder, die von Landschaftsarchitekten gestaltet wurden und in gelungenen Fällen sogar zu Ausflugszielen werden. Das dürfte in Vilsbiburg so wohl nicht passieren, denn die geplante Anlage liegt zwischen dem Bahndamm und dem Wald bei Grieshäusl. Deshalb ist sogar die Eingrünung schon weitgehend vorhanden. Für das Feld selbst ist eine niedrig wachsende autochthone Wiesenmischung geplant, die für Solarparks entwickelt wurde. Das Gelände soll als extensive Wiese entwickelt und für die Dauer der Benutzung als Solarpark als ökologische Grünanlage extensiv genutzt werden - ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln als Schafweide oder durch zweimalige Mahd. Auch bei der Pflege der Module und deren Unterkonstruktion sind chemische Produkte nicht zulässig.

 

Wartner und Gold erläuterten, dass es inzwischen Bodendübel gebe, die gänzlich ohne Fundament auskommen. Das habe den Vorteil, dass das Solarfeld, sollte es nach 20 Jahren nicht mehr gebraucht werden, spurlos ohne großen Aufwand beseitigt werden könne. Wahrscheinlicher sei jedoch, sagte Gold, dass dann neue Module aufgebracht würden und die Ernte der Sonnenenergie mit neuer Technik fortgesetzt wird.

 

 

Photovoltaik-Freilandanlage

Vilsbiburg. Die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Freilandanlagen liegt derzeit bei 13,10 Cent/kWh. Für das Projekt Bürgerenergie Vilsbiburg Süd wird zur Sicherheit aber mit 12,5 Cent gerechnet, was bei derzeit ein Prozent Absenkung im Monat einer geplanten Vergütung im März 2013 entspräche. Tatsächlich ist aber geplant, noch im Herbst ans Netz zu gehen.

 

Der Fondsmanager Gold Solar-Wind Management aus Kirchroth hat langjährige Erfahrung in der Organisation von Photovoltaikund Windanlagen. Geschäftsführer Josef Gold sprach am Montag im Stadtrat von 63 Windkraftanlagen (mehr im Norden und Osten der Republik) und 63 Bürgersolaranlagen, die er mit einer Investitionssumme von insgesamt 150 Millionen Euro erfolgreich umgesetzt habe. Die Anlage in Gänsdorf bei Straubing ist eine Anlage von vergleichbarer Dimension wie das in Vilsbiburg geplante Bürgerprojekt.

 

 

Bild 1: Das geplante Solarfeld befindet sich südwestlich des Bahndamms am unteren Bildrand (Foto: Klaus Leidorf)

 

Bild 2: Die Lage der geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage.

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