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Texte, Foto: Vilsbiburger Zeitung, 18.12.2012, Michael Betz

Podiumsdiskussion - Bioenergie: Tank oder Teller

Podiumsdiskussion - Bioenergie: Tank oder Teller

Tank oder Teller: Existenzfrage der Bioenergie 

Podiumsdiskussion mit Vertreter von Bauernverband und KAB - Randthema Biogas 

V i l s b i b u r g. Wenn Getreide auf heimischen Feldern reift, dann muss das nicht zwangsweise etwas mit Ernährung zu tun haben - es könnte auch um Energie gehen, um Sprit für die Tanks unserer Autos. Im Zuge der staatlich propagierten Energiewende rücken auch die Früchte der Felder als Energielieferanten ins Blickfeld: Zur Freude der Landwirte, die damit ihre Existenz sichern wollen. Kritik kommt indes beispielsweise von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), die Nahrung lieber auf dem Teller als im Tank sieht. Genug Debattenpotential also für die Podiumsdiskussion im Volkshochschul-Saal am vergangenen Dienstag, die allerdings dennoch in zurückhaltenden Bahnen verlief. Vorausgegangen war ein Grundsatzreferat zum Thema.

 

Eines war klar beim Blick in den städtischen Veranstaltungssaal der Volkshochschule am Dienstag Abend: Viele Zuhörer waren es nicht, die den Weg zur Diskussion „Bioenergie - Tank oder Teller?" gefunden hatten. Aber Klimamanager Georg Straßer, der zusammen mit dem örtlichen Bund Naturschutz als Veranstalter fungierte, nahm es gelassen. „Das Wetter oder die Weihnachtszeit" nannte er als mögliche Gründe für das geringe Interesse der Bürger an diesem Thema. Vielleicht liegt es auch generell an der Vielschichtigkeit der Bioenergie-Thematik, was einfache oder klare Antworten auf die Frage „Tank oder Teller" kaum möglich macht. Vieles ist fließend und vage in diesem Bereich - das machte auch die Diskussion deutlich.

 

Rund eine Stunde verging vor der eigentlichen Diskussion mit einem Grundsatzreferat von Hubert Maierhofer, der aus Sicht des Straubinger Kompetenzzentrums „Carmen" für nachwachsende Rohstoffe über Bioenergie sprach (siehe Bericht unten). Danach legte zunächst Rainer Forster seinen Standpunkt dar. Der Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in der Diözese München-Freising ließ dabei wenig Zweifel dran, dass er Nahrungspflanzen lieber auf dem Teller als im Tank sieht. Bei seiner Argumentation verwies er auf eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften, kurz „Leopoldina", die bei der Bioenergie-Nutzung auf die Euphoriebremse tritt: Dass die Bioenergie als nachhaltige Energiequelle für Deutschland heute und in Zukunft keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann, lautet ein Fazit einer im Juli 2012 veröffentlichten Studie.

 

Probleme im Ausland

Generell übte Forster aber vor allem Kritik am weltweiten Produktionssystem für Bioenergie - in den Entwicklungländern verursache der Anbau von Energiepflanzen durchaus ökologische Probleme und verbrauche Flächen für die Nahrungsproduktion, bekräftigte er. „Man muss sich ansehen, wie in anderen Ländern gewirtschaftet wird, damit wir unseren Wohlstand erhalten können", sprach er die grassierende Ausplünderung wirtschaftlich schwacher durch starke Länder an.

 

Auch wenn sich Forster keineswegs als Gegner von Bioenergie oder Energiewende präsentierte, gab er doch zu bedenken, dass es ein ganz weiter Weg bis zur angestrebten Energie-Autarkie sei. Einen brauchbaren Weg in die Zukunft sah er eher im Energiesparen: „Lieber ein Zehntel weniger fahren als E10 tanken", brachte er die Haltung seiner Organisation auf den Punkt, die dabei einer Meinung mit einer ganzen Reihe weiterer Verbände des Öko-Sektors ist. Gleichzeitig sprach er sich für Änderungen bei der Landwirtschaftspolitik aus, die mit Subventionen hierzulande die Energiewende auf den Feldern und Fluren steuere.

 

Damit war der Ball der Diskussion natürlich zum anwesenden Vertreter des Bauernverbandes (BBV) gespielt: Alois Schweiger ist BBV-Geschäftsführer für die Landkreise Landshut und Kelheim und damit naturgemäß ein Verteidiger des gegenwärtigen Anteils der Bauern an der nationalen Energiewende. Er blickte zunächst in die Vergangenheit: „Es gab schon die Verpflichtung, 15 Prozent der Anbaufläche stillzulegen, es gab Butterberge und Milchseen - und trotzdem jeweils unabhängig davon Hunger in der Welt." Schweiger sah die Aufgaben der Landwirte klar umrissen: „Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Ausschöpfen der Möglichkeiten für Energieversorgung."

 

„Kampagne" gegen E 10

Die Skepsis gegenüber dem Benzin mit zehn Prozent Biosprit-Anteil, kurz E10 genannt, sah Schweiger als „Kampagne zum Schaden der Landwirtschaft". Überdies würde bei der Produktion von Bio-Ethanol auch wertvolles Tierfuttermittel entstehen - was entsprechende Importe, beispielsweise von Soja, aus dem Ausland reduzieren helfe. Als Funktionär der heimischen Bauern-Interessenvertretung lag der Fokus Schweigers naturgemäß auf den nationalen Aspekten der Bioenergie-Erzeugung und hier sah er aufgrund strikter staatlicher Regelungen alles in Ordnung.

 

Auch die sowohl aus dem Publikum als auch in der Vergangenheit von Bayerns Grünen kritisierte „Vermaisung der Landschaft" durch verstärkten Maisanbau für Biogasanlagen sah Schweiger nicht so: Gemeinsam mit Klimamanager Georg Straßer, der sich bereits zu Beginn als Freund der Bioenergie vorgestellt hatte, zeigte er Statistiken der „Agentur für erneuerbare Energien", wonach von rund 2,5 Millionen Hektar Maisanbau in Bayern rund 800 000 Hektar auf Bioenergie-Mais entfallen würden. „Der Mais ist einfach eine dominante Pflanze und fällt entsprechend auf", entgegnete Schweiger der Kritik. Im Landkreis Landshut sei auf etwa einem Drittel der Agrarfläche Mais angebaut, eine überproportionale Rolle spiele der Biogas-Mais dabei nicht. Was Schweiger allerdings einräumte, ist die finanzielle Rolle, die der Bioenergie-Boom bei der Grundverpachtung stellenweise spielt: Subventionsunterstützte Agrarenergie-Bauern könnten dabei höhere Preise zahlen als andere Landwirte und würden denen die Flächen wegnehmen, die damit für Nahrungproduktion wegfallen. „Das entspricht den Tatsachen. Aber hier spielt eben das Subventionssystem eine Rolle, das nicht kurzfristig zu korrigieren ist."

 

Die Frage, ob Bioenergie also besser auf den Teller gehört als in den Tank, ließ sich an diesem Abend nicht beantworten - aber mit neuen Argumenten für das Eine oder gegen das Andere wurden die Zuhörer auf jeden Fall versorgt. Und letztlich ist ohnehin jeder Bürger bei dieser Thematik gefragt: Als Konsument hat er in vielen Aspekten die letzte Entscheidung.

 

Bildunterschrift

Diskutierten über Bioenergie: Der Vilsbiburger Klimamanager Georg Straßer, Hubert Maierhofer, Rainer Forster von der KAB sowie Alois Schweiger vom Bayerischen Bauernverband (von rechts).

 

 

 

Ein Themenfeld voll Energievarianten 

Fachmann von „Carmen" gab Überblick über den Sektor der Bioenergie

V i l s b i b u r g. Energie kommt heute nicht mehr aus der Steckdose, sie kommt vom Feld. Oder aus dem Stall. Von der Sonne oder vom Wind. Die Energiewende hat dem Land ein neues Themenfeld vieler Diskussionen beschert: Ein Teil dieser Debatten dreht sich um die Bioenergie. Im Zuge der Veranstaltung „Bioenergie - Tank oder Teller ?" gab Hubert Maierhofer vom Straubinger Kompetenzzentrum „Carmen" einen Überblick über Stand und Chancen der verschiedenen Bioenergie-Sparten.

 

Drei Grundforderungen waren es, die Maierhofer an die Struktur der künftigen Energienutzung im Land stellte: „Energieeffizienz erhöhen, Energie einsparen und Erneuerbare Energien sinnvoll nutzen." Diese Erkenntnis ist bis auf den letzten Punkt von der Herkunft der Energie unabhängig. Doch die sogenannte „Energiewende", ausgelöst von der Politik aufgrund des Drucks von Teilen der Bevölkerung nach dem Reaktorunfall von Fukushima, hat die Dynamik bei der Bioenergie erhöht. Die Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung habe sich gegenüber dem Jahr 2000 fast verdoppelt, führte Maierhofer aus. Allerdings sei damit das Wachstum hier beinahe ausgereizt, dieses werde sich künftig mehr auf Solarenergie, Geothermie oder Windkraft verlagern. Auf den Feldern wächst unterdessen die Energie: Waren es 1999 rund 800 000 Hektar mit Pflanzen zur Energieproduktion, stieg diese Fläche 2010 auf 2,5 Millionen Hektar. Der größte Anteil entfällt dabei auf Pflanzen für Biogas sowie Raps für Biodiesel.

 

Im Zusammenhang mit der Debatte um den ungeliebten Teil-Bio-Kraftstoff E10 informierte Maierhofer, dass beispielsweise in normalem Diesel auch bis zu sieben Prozent Biodiesel enthalten seien. „Das weiß man nur oft nicht." Generell sprach sich der Experte aus dem Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing aber mehr für reine Biokraftstoffe als für ein Gemisch aus. „So können die Treibstoffe ihre Vorteile besser ausspielen." Als Beispiel führte Maierhofer Rapsdiesel an, das in Traktoren gut verwendet werden könne, die Presskuchen seien ein hochwertiges Futtermittel. Überdies sei eine Produktion vor Ort in kleinen Einrichtungen möglich. - Allerdings seien das momentan alles theoretische Vorteile, weil die politischen Rahmenbedingungen den Rapsdiesel nach einem kurzen Boom praktisch vom Markt vertrieben hätten.

 

Maierhofer plädierte auch dafür, Bioethanol mit viel Nutzen für die Umwelt in Kleinmotoren, zum Beispiel für Rasenmäher oder Motorsägen, einzusetzen. Diese würden nämlich oft viel Dreck in die Atmosphäre blasen.

 

Zur Konkurrenz von Tank oder Teller, die ja Thema der gesamten Veranstaltung war, hatte Hubert Maierhofer Zahlen mitgebracht: Demnach landen 46 Prozent der Getreide-Weltproduktion als Nahrungsmittel auf dem Teller, sechs Prozent werden zu Biokraftstoffen verarbeitet und 34 Prozent nutzt man als Futtermittel.

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