01.06.2026

25 Jahre Städtepartnerschaft gefeiert

Die Beziehung der Stadt Vilsbiburg zu Buja beruht auf einer historischen Arbeitsmigration

Gruppenfoto Jubiläumsfeier Städtepartnerschaft

 

Es herrschte eine fröhliche Atmosphäre, als vor kurzem eine rund 120-köpfige Delegation der Partnerstadt Buja zu Gast in Vilsbiburg war. Anlass war das 25-jährige Bestehen der offiziellen Partnerschaft zwischen den beiden Städten, das bei einem Festakt am Samstag vor Pfingsten gefeiert wurde. Musiker aus Buja und Vilsbiburg sorgten dabei für eine besondere Stimmung, unter anderem bei einem Sonntagskonzert auf dem Stadtplatz.

 

„Unsere Verbindung ist nicht am runden Tisch entstanden, sondern sie ist buchstäblich in den Mauern unserer Stadt verewigt“, sagte dazu Dritter Bürgermeister Sebastian Haider in seiner Festansprache. Er bezog sich dabei auf die Geschichte der italienischen Wanderarbeiter aus der Region Buja, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Saison-Arbeitskräfte im Vilstal tätig waren.

 

Gruppenfoto beim FestaktDer Festakt fand in der Aula der Mittelschule statt, dem Ort, an dem Haiders Vater, Altbürgermeister Helmut Haider, und sein damaliger italienischer Amtskollege Aldo Calligaro, die Partnerschaft begründet hatten. „Und wenn wir heute auf ein Vierteljahrhundert Städtepartnerschaft zwischen Buja und Vilsbiburg blicken, dann feiern wir auch 25 Jahre gelebte europäische Nachbarschaft“, so Haider weiter. So eine Verbindung brauche Menschen, die sich mit Herzblut und Leidenschaft für diese Freundschaft einsetzen. Er dankte in diesem Zusammenhang den langjährigen Partnerschaftsbeauftragten Franz Grötzinger, Valter Giacomini sowie Olimpia Weinzierl. Außerdem würdigte er das Wirken von Gaia Papinutto, Josef Sterr und Anna Lena Dechantsreiter als deren aktuelle Nachfolger.

 

 

 

Der frühere Museumsleiter Lambert Grasmann erinnerte in seinem Festvortrag daran, wie er auf einer Bodenplatte aus Ziegel, die aus einem alten Bauernhaus stammte, erstmals den Namen Buja entdeckt hatte – und wie daraus nach manchen Umwegen 2001 diese Städtepartnerschaft entstanden ist. Die Forschungen im Vorfeld einer Ausstellung über „Ziegelpatscher und Ziegelbrenner im Vilsbiburger Land“ führten Grasmann schließlich zu einer Reise nach Buja, wo er bei informativen Begegnungen weitere Informationen zu den Ziegelarbeitern aus dem Friaul bekam; diese waren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst noch zu Fuß über die Alpen ins Vilstal gekommen, um hier Arbeit zu finden, die es in ihrer Heimat nicht gab.

 

Grasmann machte in seiner Rede auch deutlich, dass „die wichtigsten Aspekte einer Städtepartnerschaft die verschiedenen Begegnungen ihre Bürger sind. Man lernt sich besser kennen, tauscht Erfahrungen über die regionalen Unterschiede aus und erfährt manche Neuigkeit über das jeweilige Land.“ Wenn Gäste aus Buja nach Vilsbiburg kommen, erleben sie oft zusätzlich eine Begegnung mit der eigenen Familiengeschichte.

 

Bujas Erste Bürgermeisterin Silvia Pezzetta dankte in ihrer Rede Grasmann für seine wertvolle Forschungsarbeit, mit der er die Erinnerung an viele Menschen aus Buja ins Gedächtnis zurückgerufen habe: Diese hätten in schwierigen Jahren ihre arme, ländliche Heimat verlassen und ihr Können auf der anderen Seite der Alpen unter harten Arbeits- und Lebensbedingungen eingesetzt. „In jenen Jahren wurden sogar Kinder oft in die Arbeit einbezogen und ausgebeutet, da jede Hilfe unverzichtbar war, um die Familie zu ernähren“, sagte die Bürgermeisterin.

 

Trotzdem seien auch Freundschaften und menschliche Bindungen entstanden, die auch nach der Rückkehr lebendig geblieben seien. „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die von den Ziegelbrennern aus Buja hergestellten Ziegel nicht nur Häuser, sondern auch Bindungen geschaffen haben“, sagte Pezzetta, und die Erinnerung daran solle nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit sein, „sondern eine Gelegenheit zur Begegnung und zu einer gemeinsamen Zukunft“.

 

 

Übergabe der KeramikskulpturenAls Gastgeschenk überreichte Haider den Gästen aus dem Friaul ein Kunstwerk mit tiefer Symbolik: Die Keramikskulpturen „Traum 3 und Traum 4“ waren im Rahmen eines Künstlersymposiums unter dem Konzept Ziegelarbeiten entstanden, und ihr Schöpfer Florian Geissler hatte die Inspiration dazu ausgerechnet auf einer Reise durch Italien.

 

 

Beim Festgottesdienst am Pfingstsonntag in der Wallfahrtskirche Maria Hilf verglich Pater Robin Xavier die 25-jährige Städtepartnerschaft mit dem Pfingstfest: „Der Heilige Geist verbindet Menschen über Sprachen, Grenzen und Kulturen hinweg. Frieden und Gemeinschaft wachsen da, wo Menschen einander offen begegnen und miteinander in Verbindung bleiben.“

 

 

Die Balarins de Buje zeigten traditionelle Volkstänze aus ihrer Region

Zur Freude zahlreicher Besucher beteiligten sich die mitgereisten Musiker der Associazione Filarmonica Madonna di Buja und der Banda Cittadina di Buja mit einem Sonntagskonzert auch am Kulturfestival „Mitanand“ auf dem Vilsbiburger Stadtplatz. Während die Musikanten des Philharmonischen Vereins zunächst noch etwas traditionellere Melodien spielten, unter die sich zunehmend Pop-Klassiker mischten, legte die Bürgerkapelle unter der Leitung von Andrea Picogna gleich von Beginn an rockig los und unterhielt die Besucher italienisch-entspannt im Bigband-Stil mit rockig-swingenden Klängen. Außerdem zeigten die Balarins di Buje traditionelle Volkstänze aus ihrer Region.

 

 

 

 

Schon beim Festakt am Samstag hatten die Musiker des Musikvereins Vilsbiburg und ihre jungen Musikerkollegen aus Italien einen nicht unwesentlichen Anteil an der hervorragenden Stimmung in der Aula der Mittelschule. Unter anderem bewiesen die drei Ensembles mit den gemeinsam intonierten National- und Landeshymnen eine gewaltige Klangfülle.

 

 

Bilder: Georg Soller

1. Nach dem Festgottesdienst wurde unter den Klängen der italienischen Musiker zum Stadtplatz gezogen.

2. Die Altbürgermeister Aldo Calligaro und Helmut Haider (links) Bürgermeisterin Silvia Pezzetta und Sebastian Haider (rechts oben) die Partnerschaftsbeauftragten Anna Lena Dechantsreiter, Josef Sterr und Gaia Papinutto (Mitte) sowie Olimpia Weinzierl und Lambert Grasmann.

3. Dritter Bürgermeister Sebastian Haider überreichte Silvia Pezzetta zwei Keramikskulpturen von Florian Geissler als Symbole für die Freundschaft der beiden Städte.

4. Die Balarins de Buje zeigten traditionelle Volkstänze aus ihrer Region.