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Text, Fotos: Vilsbiburger Zeitung, 11.07.2014, Georg Soller

Musical "Ausgetickt" in der Vilstalhalle

Musical Ausgetickt in der Vilstalhalle

Von Uhrologen und uhraltem Uhrenadel

Besucher feierten die Akteure des Musicals „Ausgetickt" in der Vilstalhalle

Vilsbiburg. Großer Jubel für die Hauptdarsteller, stehende Ovationen für das Gesamtwerk: In einer rundum gelungenen Vorstellung führten die etwa 100 Viertklässler der Grundschule gemeinsam mit rund 50 Schülern der städtischen Musikschule Vilsbiburg am Mittwochabend vor mehr als 1000 Besuchern in der Vilstalhalle das Musical „Ausgetickt" auf. Es war ein Schlusspunkt zum Ende ihrer Grundschulzeit, an den sie sich noch lange erinnern werden.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Die Superuhr gibt den Takt vor.Als Zuschauer wusste man nicht, worüber man mehr begeistert sein sollte: Über den mutigen Auftritt der Solisten, die mit beachtlicher Bühnenpräsenz ihre Lieder sangen? Oder den reibungslosen Ablauf des etwa einstündigen Spiels, obwohl 100 aufgeregte Viertklässler auf und hinter der Bühne gebändigt werden wollten? Oder gar die optischen Einfälle, als die verliebten Uhren von rosa Herzen umschwirrt wurden? Der starke Sound des Musikschul- Projektorchesters machte den professionellen Eindruck schließlich perfekt. Die Begeisterung aller Beteiligten sprang auf das Publikum - zur Hälfte natürlich Eltern und Geschwister - ganz schnell über.

 

Ludwig Rottenwallner und Regina Bertolini, die treibenden Kräfte hinter der Neuauflage eines zweiten Grundschulmusicals nach „Rotasia" (2013), haben mit „Ausgetickt" ein sehr witziges Stück gefunden: Zwei Wecker zetteln im Uhrenreich, das von der Superuhr („Ich bin super, ich gehe super und ich sehe super aus") mit militärischer Härte beherrscht wird, einen Aufstand an. Mit Hilfe der alten Sonnenuhr und deren Verbündeter, einer falschen Rolex („Ich bin die goldene Rita") befreien sie die Spieluhr, deren Klang Freude ins bis dahin rein funktionale Uhrenwesen bringt. Ausgeschmückt wurde dieser Plot durch viele nette Elemente wie die verliebte rote Armbanduhr, die beiden „Uhrologen" Öli und Schrauber, die Staubuhr, die sich aus dem Staub macht, oder als liebenswürdigen Running Gag zwei streitende Stoppuhren: „Auf dem Kopp hab ich ‘nen Knopp - und stopp". Im Vergleich zu „Rotasia" war das Stück „Ausgetickt" umfangreicher, hatte mehr Text, mehr Lieder und war auch musikalisch eine größere Herausforderung.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Rund 50 Musiker aus verschiedenen Musikschul-Ensembles bildeten das Projektorchester.Neu arrangiert
So hatte zum Beispiel Schlagzeuglehrer Roland Gallner für das Ticken und Tacken der Uhren, vor allem aber für das Lied der Spieluhr die Originalmusik für sein reiches Schlagwerk-Instrumentarium, unter anderem mit Marimbaphon, Vibraphon oder Xylophon, umgeschrieben und neu arrangiert. Aber auch für die Bläserklasse der Grundschule - und nicht nur für sie - bedeutete der Auftritt mit einem großen, klangstarken Orchester eine ganz neue, tolle Erfahrung.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Auch die Chorsänger, hier mit Regina Bertolini, hatten eine Choreographie.Der Erfolg von „Ausgetickt" führt zugleich vor Augen, was eine gute Schule ausmacht. Denn ein Musicalprojekt ist in so einem Umfang nur möglich, wenn das Engagement der Beteiligten gefördert wird, kulturelle Aktivitäten ernst genommen werden und die Schule in einem guten Netzwerk verankert ist. Nicht ohne Grund liest man in den Dankesworten des bunten Programmhefts neben der Stadt auch den Bauhof, die Volkshochschule, die Stadtwerke und einige Firmen sowie das Kulturforum als Unterstützer: Man hilft sich eben gegenseitig in dieser Stadt.

 

Für die beteiligten Kinder selbst brachte das Musical einen ganzen Schatz an Erfahrungen mit sich: Nicht nur der kreative Umgang mit Texten und mit Musik, die an manchen Grundschulen deutlich zu kurz kommt, auch die vielen Überlegungen, wie man das Stück denn am besten darstellen könnte. Sie erfuhren, dass man Texte ganz leicht auswendig lernt, wenn man Spaß daran hat. Nachdem Konrektorin Birgit Krippner in den vergangenen Wochen für die Proben den Klassenverband aufgelöst hat und die Kinder während vieler Schulstunden nach Chor, Schauspieler und Bühnenbau aufgeteilt wurden, lernten sie sich auch klassenübergreifend kennen - ein schönes Erlebnis zum Ende der Grundschulzeit.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Rund 1000 Besucher waren in die Vilstalhalle gekommen.In seinen Dankesworten sagte der Vorsitzende des Elternbeirats, Georg Soller, nach dem anhaltenden Applaus und einer ungeplanten Zugabe an die Adresse aller beteiligten Lehrer: „Mit Ihrem Engagement haben Sie es geschafft, bei unseren Kindern ein Leuchten ins Gesicht zu zaubern, wenn sie daheim von diesem Musical erzählten." Und genau so war es.

 

Bild links oben

Nachdem die beiden Wecker die Spieluhr (rechts) aus ihrem Gefängnis befreit hatten, wollte keine der anderen Uhren mehr dem Diktat der Superuhr folgen.

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