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Agenda 21 - Naturerlebnisraum Rettenbach - Eröffnung des Naturerlebnispfads am Rettenbach 2004

Agenda 21 - Naturerlebnispfad am Rettenbach - Eröffnung 2004 - Plakat

Text: Vilsbiburger Zeitung, 28.05.2004, Nadja Pongratz


Naturerlebnispfad am Rettenbach eingeweiht:

Mit Bleistift und Becherlupe in die Wildnis


Vielseitige Naturrallye eröffnete rund einen Kilometer langen Lehrpfad mit 16 Stationen


Vilsbiburg. Mit einer Bachmuschel hat alles angefangen. Die vom Aussterben bedrohte Art mit harter Schale und weichem Kern ließ sich eines Tages im Fließwasser des Rettenbachs finden. Als Robert Beringer vom Agenda 21-Arbeitskreis seinen Fund in Händen hielt, stand für ihn fest: Hier entscheidet sich, wie man die Welt hinterlassen will. Nach zahlreichen Aktionen zugunsten der Renaturierung des unbebauten Areals zwischen Rombachstraße und Bahngleis war es nun gestern soweit: Mit Hilfe des Wasserwirtschaftsamts, der Stadt und der Grundstückseigentümer wurde der "Naturerlebnispfad am Rettenbach" seiner Bestimmung übergeben. Und kaum hatte Pfarrer Siegfried Heilmer seinen Segen geprochen, stürzten sich zwei Klassen in die große Naturrallye, die noch bis zum 15. Juli läuft.


Als optimal erwiesen sich die Becherlupen, die Helmut Naneder vom WWA mitgebracht hatte. Die Rallye-Teilnehmer betrachteten durch die Lupe, die den Becher verschließt, eingefangene Kaulquappen und Wasserskorpione einmal ganz aus der Nähe. Kescher sollten helfen, nach Muscheln zu tauchen und selbst in durchsichtigen Schüsseln war die Vielfalt der Vilsbiburger Unterwasserwelt zu bestaunen. Insgesamt bilden 16 Stationen auf einer Strecke von fast einem Kilometer den noch unbeachteten Naturlehrpfad.


An jeder Station ist eine übersichtliche Lehrtafel aus Holz angebracht. So werden zum Beispiel die Lebensräume Feuchtwiese, Totholz und Bachlauf abgehandelt. Außerdem gibt es Informations-Bretter über die Welt der Schmetterlinge und Pflanzen wie Löwenzahn, Holunder und Brennnessel. Am nobelsten sind die Wildbienen untergebracht. Ihr Platz im Naturlehrpfad heißt "Insektenhotel" und verspricht dem Zuschauer an sonnigen Tagen ein geschäftiges Treiben. Die Station "Wasseruntersuchung" rundet die Naturpädagogik ab.


Neben grundlegenden Informationen zur jeweiligen Station sind auf den Plakaten Tipps zur Natur- Beobachtung und zum optimalen Naturschutz zu finden. Auch ist die Heilwirkung von Kräutern und Blumen beschrieben oder Gedichte und Legenden ergänzen das Wissen. Auffallend ist, dass sich die Informationsstände nie nur auf einen Bestandteil der lebendigen Natur beschränken, sondern stets auf zahlreiche Bewohner der Renaturierungszone hinweisen.


Ein beinahe zwei Meter breiter Weg führt durch die hohe Wiese von Station zu Station. Die darf jetzt erstmal bis Mitte Juni wachsen. Wie Beringer in seiner Rede erklärte, kämen durch die lange Zeit zwischen dem Mähen wieder alte Gäste und Bekannte zurück. Und so kann man wie in alten Zeiten - als auch nur zweimal pro Jahr die Weisen gemäht wurden - Kuckuckslichtnelken, Knöllchensteinbrech, Trollblumen, Schlangenknöterich und vieles mehr entdecken.


"Fressen und Gefressen werden funktioniert so wieder", sagte Beringer gestern zum Spaß. Er betonte, dass die Natur ein wichtiger Erzieher sei. Das Projekt am Rettenbach solle Mut machen und zeigen, was auf kommunaler Ebene alles möglich ist. Schon jetzt gibt es Pläne für weitere Aktionen auf der großen Wiese, durch die sich der Rettenbach schlängelt. Eine Trockensteinmauer soll entstehen und wiederum neue Mieter anlocken. Und Flachwasserbecken sind auch angedacht. 2. Bürgermeister Rudolf Lehner gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass noch viele Aktionen folgen würden.


Wie Beringer sagte, sei die Unterstützung durch die Stadt samt den Agenda-Beauftragten und dem Bauhof, das Wasserwirtschaftsamt und die Grundstückseigentümer entscheidend gewesen, damit der Naturlehrpfad überhaupt entstehen konnte. "Ich bin auch froh, dass Bürgermeister Helmut Haider unsere Projekte so wohlwollend aufgenommen hat."


Wer sich an der Naturrallye beteiligen möchte, kann sich im Rathaus die Bögen dazu abholen. Vielleicht wandern dann noch mehr lächelnde und zufrieden wirkende Gesichter über den biologisch-dynamischen Streifen. Zumindest gestern waren nur solche anzutreffen und bewiesen, dass sich das manchmal hartnäckige Anschieben von Initiator und Motor Robert Beringer wirklich gelohnt hat.


Alle ausgefüllten Bögen kommen zur Preisverlosung. Noch bis zum 15. Juli läuft die Zeit für alle Lehrer, die ihren Schülern die Natur schmackhaft machen wollen, und alle anderen Interessenten. Die Preise werden unter den Teilnehmern zwischen sechs und 13 Jahren verlost. Wer einen Bogen ausgefüllt hat, kann ihn am Rathaus einwerfen oder bei der Werkstatt Zebra, Michael-Jäger-Straße 2 in Vilsbiburg.

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