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Agenda 21 - Informationen zum Thema Strom

Informationen zum Thema Strom

Strom: eine kostbare Energie
Strom ist wirklich eine tolle Erfindung. Wenn erst einmal Leitungen verlegt sind, ist er überall verfügbar. Stecker in die Steckdose, und schon geht`s los. Man kann alles damit machen: beleuchten, Motoren antreiben (Kraft), kühlen, wärmen, Musik hören und fernsehen, Telefon oder Computer betreiben. Er macht keinen Schmutz (wie Kohle), riecht nicht (wie Öl), wiegt nichts und braucht keinen Lagerplatz (wie Holz), kann nicht explodieren (wie Gas). Das ist wirklich toll, und ohne Strom wäre unser Leben viel ärmer und weniger angenehm. Aber die uneingeschränkte Freude über den Strom hat heute nur, wer nicht weiter als bis zur nächsten Steckdose schaut und nicht fragt, was hinter der Steckdose geschieht.

Elektrische Energie gibt es in der Natur z.B. in Form von Blitzen. Leider kann man diese ungeheueren Energiemengen nicht einfangen und nutzbar machen. Technisch machbar aber ist, in Kraftwerken die Energie aus anderen Energieträgern (z.B. Öl oder Kohle) in Stromenergie umzuwandeln. Diese in der Natur vorkommenden Energieträger nennt man Primärenergien, während der daraus erzeugte Strom als Sekundärenergie bezeichnet wird. Nun weiß man schon lange: Öl, Gas und Kohle gibt es nur in begrenzter Menge auf der Erde, sie sind in Millionen von Jahren entstanden und man kann sie nicht technisch herstellen. Das Ende des Vorrates an Primärenergie ist nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern die Kinder von heute werden erleben, wie diese Primärenergien zu Ende gehen. Kraftwerke sind Energieumwandler: Kohle wird verbrannt, die Wärme verdampft Wasser, der Wasserdampf dreht die Turbine, und die treibt den Generator, der Strom erzeugt.
Bei diesen vielen Energieumwandlungen lässt es sich nicht vermeiden, dass ein beträchtlicher Teil an Energie "verloren geht". Dazu kommen noch "Verluste" im Stromnetz und bei der Nutzung des Stroms. Wenn wir z.B. auf einem Elektroherd Wasser erhitzt, dann wird nur ein Teil der Energie tatsächlich zur Erwärmung des Wassers genutzt, die restliche Energie verschwindet als Wärme in der Küchenluft. Alle Verluste zusammen führen schließlich zu folgendem Ergebnis: Um 1 kWh Wärmeenergie ins Wasser zu bekommen, werden 5 kWh Primärenergie bei der Stromproduktion verbraucht. (Beim Kochen mit Gas wird z.B. immerhin etwas mehr als die Hälfte der Primärenergie letztlich fürs Kochen genutzt.)
Strom benutzen bedeutet also immer, unnötig viel von den Primärenergien zu verbrauchen, die nur begrenzt auf der Erde vorhanden sind. Ganz sicher sollte man mit ihm möglichst keine Wohnungen erwärmen. Wenn man Öl oder Gas in guten Heizungsanlagen für die Raumheizung nutzt, wird bei gleicher Wärme wesentlich weniger Primärenergie verbraucht.

Der Blick hinter die Steckdose könnte also vielleicht zu mehr Achtung vor dieser hochwertigen Energie Strom führen, und dazu, dass man achtsam und sparsam damit umgeht.


Strom und Klima (I)
Mit Biomasse bezeichnet man alle Pflanzen, die in der Natur wachsen, vom kleinsten Grashalm bis zum größten Baum. Die Masse, die beim Wachsen entsteht - twa das Holz eines Baumes- wird dabei nicht dem Erdreich entzogen, sonst müssten sich ja Hohlräume unter einem Baum bilden. Die Pflanze holt sich vielmehr über die Blätter in großen Mengen CO2 aus der Luft und baut das in Pflanzenmasse um. Diese Biomasse ist also gespeichertes CO2 aus der Luft, und zwar in Riesenmengen, man denke nur an die Urwälder. Wenn tote Pflanzen verfaulen, läuft der chemische Prozess in umgekehrter Richtung: das CO2 wird wieder an die Luft abgegeben. Es besteht also ein Kreislauf: Pflanzenwachstum (Entnahme von CO2 aus der Luft), Verfaulen (Abgabe von CO2 an die Luft).
In der unendlich langen Erdgeschichte wurden aber auch riesige Mengen von Biomasse am Verfaulen gehindert, etwa weil sie von Erdschichten überdeckt wurden. Daraus entwickelten sich in langen Zeiträumen Kohle, Erdöl und Erdgas. Das in ihnen gespeicherte CO2 wurde also für immer der Erdatmosphäre entzogen. Dieses "für immer" galt aber nur bis zu dem Zeitpunkt, als die Menschen diese Bodenschätze entdeckten und nutzten. Bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas wird nämlich das in ihnen gebundene CO2 wieder freigesetzt und an die Atmosphäre abgegeben. Und genau dieser erhöhte CO2-Gehalt lässt viele Forscher eine Klimakatastrophe erwarten. Heute wird weltweit an einem einzigen Tag so viel CO2 freigesetzt, wie in 500 000 Tagen auf der Erde gespeichert wurden.
Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Eigentlich sollten die Bodenschätze Kohle, Erdöl und Erdgas gar nicht zur Stromerzeugung genutzt werden. Denn dabei wird zwar alles gespeicherte CO2 an die Atmosphäre abgegeben, aber nur etwa ein Drittel der enthaltenen Energie wird in Stromenergie umgewandelt: die reinste Vergeudung.
Aus diesen Erkenntnissen sollten Folgerungen erwachsen:
privat: Äußert sorgsam mit Strom umgehen.
öffentlich: Mit großer Anstrengung nach Möglichkeiten suchen, wie Strom ohne CO2-Abgabe produziert werden kann.


Strom und Klima (II)
Wenn in Kraftwerken Kohle, Erdöl oder Gas zur Stromerzeugung verbrannt werden, entstehen immer Kohlendioxid (CO2) und andere Schadstoffe. Die anderen Schadstoffe lassen sich durch gute Filter zum Teil zurückhalten. Bei CO2 geht das nicht, denn CO2 ist einfach das Produkt jeder Verbrennung. Weil es als Gas unsichtbar aus den Schornsteinen entweicht, fällt es uns nicht auf, und wir vergessen allzu leicht seine Gefährlichkeit. Könnte man es einfärben und damit sichtbar machen, würden wir über die entstehenden Mengen ziemlich erschrecken. Zur Veranschaulichung: Bei der Erzeugung des Stroms für eine 60 Grad-Wäsche entstehen ca. 600 Gramm CO2, etwa soviel, wie die gesamte Luft in einem Zweifamilienhaus natürlicherweise an CO2 enthält. Bei der Energieproduktion auf der Erde werden täglich viele Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Auch wenn man das öfter und langsam liest, kann man sich diese ungeheueren Mengen nicht vorstellen, und man fragt sich, wo das alles eigentlich hingeht. Vielleicht ahnt man aber, dass diese Mengen ganz sicher einen negativen Einfluss auf unser Klima haben müssen.
Die Kernkraftwerke werben kräftig damit, dass bei ihrer Stromproduktion kein CO2 entsteht. Das ist tatsächlich so. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass für Bau, Erhalt und Abriss der Kraftwerke, Abbau und Verarbeitung von Uran und für die Entsorgung und Lagerung der Brennstäbe Energie gebraucht wird und damit auch ganz erheblich CO2 entsteht. Angesichts der anderen Probleme der Atomenergie (Gefährlichkeit der atomaren Strahlung über lange Zeiträume, Unmengen von ungenutzter Abwärme (Kühltürme), ungelöste Endlagerung) ist der Atomstrom eben leider keine Alternative. Und wer behauptet, Atomstrom sei am billigsten, meint damit nur die bisherigen (und noch dazu stark subventionierten) Kosten. Was für Entsorgung und Endlagerung oder gar für Strahlungsunfälle auf uns und viele Generationen nach uns noch zukommt, kann heute niemand wissen.
Antwort der alten, christlich-liberalen Bundesregierung auf die Frage, wie viel eine Kilowattstunde Atomstrom wirklich kostet: "Je nach gewählten Annahmen (z.B. Schadensumfang (durch einen Supergau), Eintrittswahrscheinlichkeit, privatrechtliche Haftung, Reversibilität))... reichen die Schätzungen von Pfennigbruchteilen bis zu 4 DM pro kWh aus Kernenergie". Atomstrom ist nur deshalb so billig, weil die Atomkraftwerke mit 500 Millionen Mark hoffnungslos unterversichert sind, zu einer geringeren Summe also als die Autos, die auf dem Firmengelände parken.
Was wir dringend brauchen, ist eine Stromproduktion, bei der kein CO2 entsteht. Das gibt es. Dazu gehören vor allem Wasser- und Windkraftwerke, Biomasseanlagen und die Photovoltaik (Solarstrom). Zur Herstellung solcher Anlagen ist allerdings auch Energie (und damit CO2-Ausstoß) notwendig, aber bei der Stromerzeugung selbst entsteht kein Klima schädigendes CO2. Die Wasserkraft lässt sich bei uns leider nicht viel weiter ausbauen, sonst müssten wir unsere Flüsse noch mehr regulieren. Biomasseanlagen und Windkraftwerke haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, und das wird weitergehen. Das gilt auch für die Stromerzeugung durch die Sonne, die so genannte Photovoltaik, auch wenn diese Technik noch mit großen Widerständen konfrontiert ist.


Blockheizkraftwerk (Kraft-Wärme-Kopplung)
Als man anfing, Strom in großem Maßstab zu produzieren, dachte man wohl, dass die Vorräte an Kohle und Erdöl auf der Erde so gut wie unerschöpflich seien. Sonst hätte man bestimmt keine Kraftwerke gebaut, bei denen diese Rohstoffe regelrecht verschleudert werden. Unsere heutigen Stromkraftwerke wandeln nämlich die eingesetzten Rohstoffe durchschnittlich nur zu etwa einem Drittel tatsächlich in Strom um. Der Rest wird zu Abwärme, die in riesigen Kühltürmen nutzlos abgekühlt werden muss.
Da tauchen zwei Fragen auf: Warum erhöht man nicht durch technische Neuentwicklung die Ausbeute an Strom und verringert entsprechend den Abwärmeverlust? Das hat man längst mit einigem Erfolg versucht, aber eine weitere, entscheidende Verbesserung ist aus physikalischen Gründen einfach nicht möglich. Die zweite Frage: Warum nutzt man nicht die Abwärme z.B. für die Heizung von Wohnungen? Das wird auch längst gemacht, wenn auch noch lange nicht überall, wo es möglich wäre. Es funktioniert aber nur da, wo zwischen dem Ort, an dem Abwärme entsteht, und dem Ort, an dem man sie nutzen könnte, nur eine geringe Entfernung besteht. Das warme Wasser kühlt beim Transport in Rohren, auch wenn sie noch so gut isoliert sind, einfach zu stark ab.
Man muss wohl aus heutiger Sicht sagen, dass es grundsätzlich falsch ist, Kraftwerke zu errichten, die nur Strom erzeugen, weil es dabei zu viel ungenutzte Abwärme gibt. Viel sinnvoller wäre es, Heizkraftwerke zu bauen, die nur nebenher Strom erzeugen. Den kann man ja relativ leicht zum Verbraucher transportieren. Es müssen aber kleine, dezentrale Kraftwerke sein, damit Wärme und Strom mit wenig Verlusten zu den umliegenden Verbrauchern gelangen.
Worauf es ankommt, ist, dass Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden: die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung. So kann die zugeführte Energie in viel höherem Grad genutzt werden. Man spricht dabei von Blockheizkraftwerk. Und die gibt es längst.
Erstes Beispiel: In München hat sich eine Kirchengemeinde für ihre Kirche ein kleines Blockheizkraftwerk, das mit Gas betrieben wird, angeschafft. Es ist nicht größer als eine Ölheizung für ein Einfamilienhaus. Mit ihm wird die Kirche beheizt und gleichzeitig mit Strom versorgt. Im Winter, wenn mehr geheizt werden muss und also auch mehr Strom entsteht, kann der sogar ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
Zweites Beispiel: Jeder "Häuslebauer" im Neubaugebiet Achldorf wird sich seine eigene Heizungsanlage bauen und mit ihr viel Energie nutzlos durch den Kamin schicken. Seinen Strom bezieht er von den Stadtwerken. Es wäre auch möglich gewesen, für die ganze Siedlung ein kleines Blockheizkraftwerk zu bauen, das alle Bewohner mit Heizwasser, Warmwasser und Strom versorgt. Und das letztlich zu geringeren Kosten und mit weniger Schadstoffausstoß in die Umwelt.


Lohnt sich ein neuer Kühlschrank?
Man kann das ausrechnen. Dabei geht man davon aus, dass ein Kühlschrank eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren hat.
Ein Beispiel: Ihr Kühlschrank ist 9 Jahre alt, hat also noch eine Lebenserwartung von 6 Jahren. Er hat 700 DM gekostet und braucht 1,2 kWh Strom am Tag. Der neue Kühlschrank, den Sie kaufen wollen, braucht nur 0,62 kWh am Tag. Er kostet 800 DM.
Verlust: Die Anschaffungskosten des alten Kühlschranks auf 15 Jahre verteilt, macht pro Jahr 46,67 DM. (700 DM : 15 = 46,67 DM)
Das verlieren Sie also pro Jahr, wenn Sie Ihren alten Kühlschrank jetzt schon ausrangieren.
Gewinn: Sie sparen mit dem neuen Kühlschrank pro Tag 0,58 kWh Strom.
(1,2 kWh - 0,62 kWh = 0,58 kWh)
In einem Jahr macht das beim gegenwärtigen Strompreis (ca. 26 Pf) eine Ersparnis von xx,xx DM aus. (0,26 DM * 0,58 (kWh) * 365 (Tage) = 55,04 DM)
Das gewinnen Sie pro Jahr, wenn Sie sich jetzt schon einen neuen Kühlschrank kaufen.
In diesem Beispiel halten sich also Gewinn und Verlust ziemlich die Waage.
Wenn Sie als Optimist davon ausgehen, dass Ihr Kühlschrank bestimmt länger als 15 Jahre hält, dann wird die Sache nicht besser, wie man meinen könnte, sondern schlechter. Sie müssen nämlich nur noch länger die teueren Stromverbrauchskosten für den alten Stromfresser zahlen. Ganz sicher ist aber in unserem Beispiel, dass sich eine Reparatur am alten Kühlschrank auf keinen Fall lohnt.
Um die obige Rechnung durchführen zu können, muss man die Verbrauchswerte der Geräte wissen. Bei Neugeräten steht das in den Prospekten genau angegeben. Beim alten Gerät hilft meist nur eine genaue Messung. Die Stadtwerke Vilsbiburg (Tel. 96440) leihen kostenlos geeignete Messgeräte aus, mit denen sich eine Verbrauchsmessung ganz leicht durchführen lässt.
Eine weitere Überlegung ist, wie Alt- oder Neugerät die Umwelt belasten. In jedem Gerät steckt eine Menge Energie, die bei der Produktion aufgewendet wurde. Bei vorzeitiger Ausmusterung eines Kühlschrankes wird ein Teil dieser Energie vertan. Und es fällt auch vorzeitig Energieverbrauch für die Entsorgung an. Berechnungen dazu haben aber gezeigt, dass die eingesparte Verbrauchsenergie beim Neugerät die vertane Energie oft bereits nach einem Jahr wettmacht. In den allermeisten Fällen ist der Neukauf von Strom sparenden Geräten also eine beträchtliche Entlastung der Umwelt (CO2, Klima).
Zum Staunen und Nachdenken: Das Kühlen von Lebensmitteln in den Haushalten Deutschlands verbraucht etwa genauso viel Strom wie alle Schienenfahrzeuge - Bahn, U-Bahn, Straßenbahnen - in ganz Deutschland zusammen.


Effizienzklassen
Beim Kauf von Elektrogeräten sollte man besonders auf die Energie-Effizienz-Klassen achten. Die reichen von A bis G. Nur Geräte der Klasse A sind empfehlenswert. Es lohnt sich z.B. nicht, einen Kühlschrank zu kaufen, der um 150.- DM billigerer ist als ein anderer, aber täglich 0,3 kWh mehr Strom braucht. Das erhöht die Stromkosten um ca. 28,47 DM in einem Jahr und um 427,05 DM in 15 Jahren (durchschnittliche Lebensdauer eines Kühlschrankes). (0,26 DM * 0,3(kWh) * 365(Tage) * 15(Jahre) = 427,05 DM)
Bei diesen Energie-Effizienz-Klassen werden aber immer nur Geräte der gleichen Bauart miteinander verglichen, also z.B. Kühlschränke mit 3-Sterne-Fach. Die unterschiedlichen Bauarten beeinflussen aber oft ganz wesentlich den Stromverbrauch. So braucht ein Kühlschrank ohne Sternefach oft ein Drittel weniger Strom als einer mit Sternefach, und eine Gefriertruhe ist durch ihre Bauart immer Strom sparender als ein Gefrierschrank.
Bei Wasch- oder Spülmaschinen ist der Wasserverbrauch von großer Bedeutung. Der meiste Strom wird nämlich nicht für den Motor verbraucht, sondern für die Erhitzung des Wassers. Hoher Wasserverbrauch heißt also immer auch hoher Stromverbrauch.


Abschalten ist nicht gleich Abschalten
Ein Druck auf die Fernbedienung, und das Bild im Fernseher ist abgeschaltet. Aber leider: Der Strom ist nicht wirklich abgeschaltet. Das Gerät läuft weiter auf Stand-by und verbraucht Strom. Im Durchschnitt frisst die Stand-by-Schaltung genauso viel Strom wie das eigentliche Fernsehen. Es gibt viele solcher Geräte, die dauernd etwas Strom verbrauchen: elektrische Uhren (auch z.B. im Herd oder in der Mikrowelle), Stereoanlagen, Videorecorder, Fernsehantennen, Anrufbeantworter, Halogenlampen. Und selbst wenn an den Geräten nichts leuchtet, ist man nicht sicher, ob nicht doch dauernd eine kleine Menge Strom fließt.
Das kann man nur mit einem Verbrauchsmessgerät ermitteln. Es gibt solche Messgeräte zu kaufen. Die billigen sind allerdings nur beschränkt einsetzbar, die guten oft recht teuer. Da hilft ein Anruf bei den Stadtwerken (Tel. 96440). Dort verleiht man nämlich kostenlos ein gutes Messgerät. Man schaltet es einfach zwischen Wandsteckdose und Gerätekabel und kann dann sofort den augenblicklichen Stromverbrauch ablesen. Lässt man das Messgerät, etwa am Kühlschrank, 24 Stunden laufen, so zeigt es den gesamtem Stromverbrauch an einem Tag an. Solche Messungen sind sehr aufschlussreich und machen vielleicht nachdenklich darüber, wo überall wir unnötig Strom verbrauchen.
Manches davon lässt sich sicher nicht vermeiden. Ein Anrufbeantworter muss eben immer, außer vielleicht im Urlaub, eingeschaltet sein. Beim Fernseher könnte, wenn man den Stecker zieht, die Programmierung der Sender verloren gehen, obwohl neuere Geräte die Speicherung auch ohne dauernde Stromzufuhr erhalten. Wenn solche Fragen geklärt sind, gibt es einen einfachen Trick: eine Steckerleiste mit Leuchtschalter. Da lassen sich mehrere Geräte anschließen, und mit dem Kippen des Schalters sind dann wirklich alle Geräte ohne Stromverbrauch.
Nebenbei: Würden alle Stand-by-Geräte in Deutschland abgeschaltet, könnte man zwei Atomkraftwerke stilllegen.


Neuer Strommarkt
Über viele Jahrzehnte hinweg konnte ein Hausbesitzer nur von einem einzigen Stromlieferanten Strom beziehen, nämlich von dem, der für das Gebiet zuständig war. Der hatte dort das Monopol auf Stromlieferung. Durch Neuregelungen in der EU ist der Strommarkt liberalisiert worden. Theoretisch kann heute jeder Hausbesitzer seinen Strom von jedem europäischen Stromproduzenten beziehen. Man wollte dadurch Konkurrenz in den Strommarkt bringen. Und die ersten positiven Folgen des liberalisierten Strommarktes zeigen sich schon: der Strom ist billiger geworden.
Positiv? Natürlich freut sich jeder, wenn seine Stromrechnung niedriger wird. Und dann muss man auch nicht mehr so genau darauf achten, ob irgendwo im Haus ein unbenutztes Zimmer hell erleuchtet ist, oder darauf, wie viel Strom eine neue Waschmaschine braucht. Der Strom ist ja so billig.
Da zeigt sich das Dilemma: Billiger Strom führt leicht dazu, dass wir unachtsam mit ihm umgehen und mehr als nötig verbrauchen. Dadurch werden die Umweltprobleme, die durch die Stromproduktion entstehen (hoher Verbrauch an Rohstoffen, Ausstoß von Schadstoffen), nur noch gesteigert.
Außerdem: Keiner weiß, woher der billige Strom kommt. Ist es vielleicht französischer Atomstrom oder stammt er aus östlichen Kernkraftwerken, die noch gefährlicher sind als unsere?
Die Frage ist, wie wir uns verhalten wollen. Kurzfristig: Hauptsache, der Strom ist möglichst billig. Langfristig: Wie können wir Stromverbrauch - auch wenn er billig ist - reduzieren, um die Umwelt zu entlasten.
Ein Gärtner streut ja auch nicht gleich kiloweise Schneckenkorn auf seine Gartenbeete, nur weil es billig geworden ist. Im Augenblick brächte es ihm wohl Vorteile, auf längere Sicht würde er aber selber seine Gartenerde zerstören.



Alternative Energien I
Erdwärme: Das klingt doch gut: Man verlegt eine Ringleitung im Erdreich und lässt Wasser in einem Kreislauf durchfließen. Immer wenn es über der Erde ankommt, entzieht man ihm etwas von seiner Temperatur und schickt es zurück unter die Erde. Dort nimmt es wieder die alte (etwas höhere) Temperatur an. Der Temperaturunterschied beträgt nur wenige Grad. Aber mit Hilfe einer Wärmepumpe kann man die entzogene Wärme so steigern, dass sie für Heizung oder Warmwassergebrauch ausreicht. Das hört sich gut an und man könnte meinen, dass man auf diese Weise nahezu umsonst Wärme fürs Haus bekommt.
Das Problem steckt allerdings darin, welche Art von Wärmepumpe man verwendet. Die gibt es nämlich mit Elektro-, Gas- oder Dieselantrieb. Am einfachsten und bequemsten ist natürlich die elektrische Wärmepumpe, für die ja auch ordentlich Werbung gemacht wird. Dazu aber folgende Überlegung: Um 1 kWh Strom im Kraftwerk zu erzeugen, werden ungefähr 3 kWh Primärenergie (etwa Kohle, Gas, Öl) verbraucht. Der Rest von etwa zwei Dritteln geht nutzlos als Abwärme verloren. Mit dieser 1 kWh Strom kann man über die elektrische Wärmepumpe etwa 4 kWh Wärme fürs Haus erzeugen. Aus 3 kWh Primärenergie werden also letztlich 4 kWh Wärme. Das ist ein mageres Ergebnis. Und es bedeutet außerdem hohen Verbrauch von Primärenergie und hohe Schadstoffproduktion bei der Stromerzeugung.
Ökologisch ist mit einer elektrischen Wärmepumpe nichts gewonnen gegenüber einer normalen Öl- oder gar Gasheizung. Besser schneidet da schon eine mit Gas oder Diesel betriebene Wärmepumpe ab. Bei guten Anlagen können aus 3 kWh Primärenergie immerhin etwa 5,4 kWh Wärme erzeugt werden.


Alternative Energien II
Photovoltaik (Elektrische Energie durch die Sonne): Gegen die Photovoltaik werden vor allem drei Argumente vorgebracht.
1. Photovoltaik sei zu unzuverlässig, weil die Sonne ja nicht dauernd scheine.
Es ist klar, dass mit ihr allein die durchgehende Stromversorgung nicht gewährleistet werden kann. Daran denkt auch niemand. Aber es gilt, dass jede durch Solaranlagen erzeugte kWh nicht in einem herkömmlichen Kraftwerk erzeugt werden muss, was meist mit CO2-Ausstoß und hohem Verbrauch an begrenzten Energievorräten verbunden ist.
2. Photovoltaik sei viel zu teuer.
Jede Technologie ist am Anfang teuer und nicht konkurrenzfähig. Wer kann schon genau zu beziffern, wie viele Milliarden in die Entwicklung und Förderung der Atomindustrie gesteckt wurden und noch immer werden! Ein anderes Beispiel: Vor 30 Jahren hat ein einfacher Taschenrechner mit den vier Grundrechenarten tausend Mark und mehr gekostet. Oder ein Beispiel aus dem Jahr 1880: "Elektrischer Strom hat keinerlei Zukunft, viel zu teuer, da 1 kWh Strom 40 DM (nach unserer heutigen Kaufkraft) kostet!"
Was zur Preissenkung und zum Durchbruch verholfen hat, war immer die Massenproduktion. Selbst eine Kommission der früheren Bundesregierung kam zum Ergebnis, dass man bei Massenproduktion mit Preissenkungen auf unter 20 Pfennige pro kWh Solarstrom rechnen kann, also weniger als die ca. 26 Pfennige, die wir heute für 1 kWh Strom zahlen.
3. Photovoltaik verbrauche zu viel Fläche.
Natürlich brauchen Solarzellen, die einen ansehnlichen Beitrag zur Stromerzeugung in Deutschland leisten sollen, eine riesige Fläche. Besser müsste man sagen: ganz viele kleine Flächen. Und die sind durchaus vorhanden: Dachflächen auf Wohnhäusern und Betriebsgebäuden, Häuserfronten, Lärmschutzwände, Überdachungen von Verkehrswegen. An geeigneten Flächen fehlt es ganz sicher nicht. Allerdings sind diese Flächen nicht im Besitz der Stromkonzerne. Bisher wird die Stromversorgung zentral von wenigen Konzernen gesteuert. Die Solarenergie lässt sich dagegen nur dezentral organisieren. Das hätte manche Vorteile, z.B. weniger Verluste durch lange Stromleitungen. Die Stromkonzerne fürchten (zu Recht), dass durch die Photovoltaik ihre Vormachtstellung geschmälert wird. Vielleicht liegt da auch der Grund dafür, dass sie nur ein sehr begrenztes Interesse an der Photovoltaik haben.
Angesichts der sich verschärfenden Energieverknappung und der weltweiten Schadstoffbelastung sollte keine Zeit verloren werden, die Photovoltaik durch gezielte Förderung voranzubringen.


Alternative Energien III
Windenergie: Sie liefert heute schon Strom zu einem Preis, der mit herkömmlicher Stromproduktion konkurrenzfähig ist, natürlich nur da, wo auch genügend Wind weht. Man denkt dabei vor allem an Nord- und Ostsee. Dass das an geeigneten Stellen auch bei uns geht, zeigen einzelne Beispiele, leider noch zu wenige.
Sicher gehören Windräder nicht in Wohnsiedlungen. Manche meinen aber auch, Windräder würden die Landschaft "verschandeln". Das ist freilich Geschmacksache. Vielleicht sind Windräder bei uns einfach nur ungewohnt. Wenn man im Urlaub irgendwo eine alte Windmühle sieht, wird wohl kaum einer an Verschandelung denken. Und was ist eigentlich mit den vielen riesigen Strommasten und den Starkstromleitungen in unserer Landschaft?
Das große Plus der Stromerzeugung durch Windenergie ist, dass -wie auch bei Wasserkraft und Photovoltaik- keine Rohstoffe verbraucht werden und kein Klima schädigendes CO2 entsteht.



Alternative Energien IV
Biomasseanlagen: Biomasse - das ist die Gesamtheit aller Pflanzen auf der Erde -, besteht weitgehend aus Kohlenstoff. Der lässt sich verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen. Der bekannteste Typ von Biomasseanlagen ist die so genannte Hackschnitzelheizung. Man zerkleinert Abfallholz wie Äste, die beim Baumfällen übrig bleiben, oder Büsche, die am Straßenrand entfernt werden. Diese Hackschnitzel werden verbrannt und damit Wasser erhitzt, das in näherer Umgebung zur Raumheizung genutzt werden kann. Besser noch, wenn man mit dem entstehenden Wasserdampf Strom erzeugt und erst die dann noch übrige Wasserwärme für Raumheizung verwendet. So wird die in der Biomasse enthaltene Energie besser ausgenutzt, für Kraft (Strom) und Wärme, die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung.
Biomasseanlagen erzeugen bei der Verbrennung Klima schädigendes CO2. Dann sind sie auch nicht sinnvoller als Kohlekraftwerke, könnte eingewendet werden. Es bestehen aber bedeutsame Unterschiede zwischen Kohlekraftwerk und Biomasseanlage. Vor Millionen Jahren ist durch Pflanzen der Erdatmosphäre CO2 entzogen und in Form von Kohlenstoff in der Kohle gespeichert worden. Dieses CO2 war eigentlich für immer unter der Erde "weggeschlossen", wird aber jetzt durch die Verbrennung der Kohle zusätzlich wieder der Atmosphäre zugefügt. Das CO2, das in den Hackschnitzeln gebunden ist, wurde der Atmosphäre erst in jüngster Zeit entzogen und wird beim Verbrennen wieder an sie abgegeben. Blieben die Äste und Büsche, die zu Hackschnitzeln zerkleinert werden, im Wald liegen, geschähe nichts anderes. Sie würden verfaulen und dabei ihren Kohlenstoffgehalt auch als CO2 wieder in die Atmosphäre entlassen. Die CO2-Abgabe der Hackschnitzel bewegt sich also im ganz normalen Haushalt der Natur. Die Verbrennung von Kohle dagegen bringt CO2 aus frühen Zeiten der Erdgeschichte wieder zurück in die heutige Atmosphäre und zerstört damit das klimatische Gleichgewicht.
Und außerdem: Kohle ist nur noch begrenzt auf der Erde vorhanden und muss mit großem Energieaufwand gefördert werden. Biomasse wächst dauernd nach, ist oft nur lästiger Abfallstoff, für den man keine Verwendung hat. Sie zur Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen, könnte konventionelle Kraftwerke mit ihren negativer Wirkungen zum Teil überflüssig machen.



Spitzenlast
Für normale Hauhalte kostet 1 kWh Strom in Vilsbiburg derzeit ca. 26 Pfennige. Ob man damit in aller Frühe oder spät nachts bügelt, spielt für den eigenen Geldbeutel eigentlich keine Rolle. Und trotzdem ist es aus ökologischen Gründen nicht ganz egal, wann man bügelt. Das hängt damit zusammen, dass der Stromverbrauch aller Stromkunden zusammen nicht immer gleich, sondern zu bestimmten Zeiten hoch und dann wieder niedrig ist.
Zur Erklärung der Zusammenhänge hilft es, wenn man Wasser- und Stromversorgung vergleicht. Früher wurde das Trinkwasser in einem großen Hochbehälter gesammelt und lief von dort zu den einzelnen Haushalten. Wurde viel Wasser in der Gemeinde verbraucht, sank der Wasserspiegel im Hochbehälter und man musste neues Trinkwasser aus der Quelle nachpumpen.
Bei der öffentlichen Stromversorgung gibt es nichts, was dem Hochbehälter vergleichbar wäre. Strom lässt sich nur in kleinen Mengen (Batterien) speichern, aber niemals in solchen Mengen, wie sie für die öffentliche Stromversorgung notwendig sind. Die Stromversorgungsunternehmen haben eine Vielzahl von Kraftwerken, die alle ihren Strom ins allgemeine Netz einspeisen. Sie produzieren aber immer nur soviel Strom, wie im Augenblick von allen Verbrauchern zusammen abgenommen wird. Dazu werden je nach Bedarf Kraftwerke angefahren oder abgeschaltet.
Das Problem sind dabei die so genannten Spitzenlasten, also die Zeiten, in denen von den Verbrauchern der meiste Strom verlangt wird. Von diesen Spitzenlasten hängt es ab, wie viele Kraftwerke gebaut werden müssen. Manche davon stehen viele Stunden am Tag still und werden nur zu den Zeiten der Spitzenlast angefahren. Wären also die Spitzenlasten niedriger, könnte einige Kraftwerke ganz eingespart werden.
Zu dieser Einsparung kann man als bewusster Verbraucher beitragen. In Vilsbiburg besteht die größte Spitzenlast zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr, und das besonders am Montag, weil da wohl gerne Wäsche gewaschen wird. Wenn immer möglich, sollte man also in diesen Zeiten hohen Stromverbrauch vermeiden.
Noch ein Wort zu den elektrischen Nachtspeicherheizungen. Sie beziehen den Strom zum Aufheizen nachts aus dem Netz , in einer Zeit also, in der die Kraftwerke einen Überschuss an Strom haben. Deshalb bekommt man diesen "Nachtstrom" billiger. Das mag sich u. U. für den eigenen Geldbeutel rentieren. Man sollte sich aber klar darüber sein, dass auch bei der Produktion des Nachtstroms viel Primärenergie verbraucht und große Schadstoffmengen ausgestoßen werden. Strom ist einfach zu wertvoll zum Verheizen.

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