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Träger des Kulturpreises 2006 - Peter Käser

Kulturpreis 2006 für Peter Käser
Von rechts: Laudator Dr. Franz Niehoff, Peter Käser mit Ehefrau Maria, Erster Bürgermeister Helmut Haider - Foto: Wilhelm Grässle

Text: Vilsbiburger Zeitung, 15.09.2007, Bernhard Beez


Verborgenes aus dem Geschichtsbrunnen der Stadt ans Tageslicht gebracht

Die Stadtpfarrkiche ohne Tarnkappe

Geschichtsforscher Peter Käser erhielt Kulturpreis 2006 - Dr. Niehoff hielt die Laudatio

Vilsbiburg. Seit 1990 ist er ein überaus aktives Mitglied des Heimatvereins, in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten hat er sich um die Geschichtsforschung und das kulturelle Leben für den Altlandkreis Vilsbiburg in großem Maße verdient gemacht. Am Donnerstagabend erhielt Peter Käser für seine außerordentlichen Leistungen die angemessene Würdigung: Für seine Darstellung der Geschichte der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde der Binabiburger mit dem Kulturpreis 2006 der Stadt Vilsbiburg ausgezeichnet. Als Anerkennung erhielt Käser aus den Händen von Bürgermeister Helmut Haider eine Urkunde sowie eine in Vilsbiburgs italienischer Partnerstadt Buja gefertigte Medaille. Zudem ist der Kulturpreis mit 1 000 Euro dotiert.


Höhepunkt der Veranstaltung in der Aula der Vilsbiburger Grundschule war die Laudatio auf den Preisträger, gehalten von Dr. Franz Niehoff, Leiter der Museen der Stadt Landshut. "Peter Käser hat mich mit seinem Werk zum kulturhistorischen Nachdenken über Vilsbiburg verführt", begann Dr. Niehoff seine rhetorisch ausgefeilte Ansprache. Dies sei vielleicht das nachhaltigste Lob, das er als Laudator über die ehrenamtlich erbrachte Leistung Käsers aussprechen könne. Die vorliegende Darstellung mache die Vilsbiburger Stadtpfarrkirche auf "geradezu zauberartige Weise" sichtbar: "Allzu oft nehmen wir das Vorhandene, das wir Tag für Tag vor Augen haben, gar nicht mehr angemessen wahr; wir setzen es einfach voraus, und damit erhält es beinahe eine Tarnkappe", sagte Dr. Niehoff. Dem werde mit Werken wie diesem beispielhaft entgegengewirkt, der Autor habe Wichtiges, Verborgenes aus dem Geschichtsbrunnen der Stadt Vilsbiburg ans Tageslicht gebracht. Bei seiner Arbeit habe er "in bewundernswerter Weise Sitzfleisch bewiesen, mit Konzentration und Durchhaltevermögen den Zumutungen der Archive getrotzt".


Doch der Landshuter Museumschef behielt nicht allein den Preisträger im Fokus seiner Laudatio, sondern ordnete dessen Arbeit in einen größeren Zusammenhang ein. Denn Käser könnte seine Forschungen ohne die Unterstützung durch den Heimatverein kaum in diesem Umfang leisten. Gleichzeitig machte Dr. Niehoff den gut 100 Gästen der Kulturpreisverleihung - als Außenstehender - deutlich, dass der Heimatverein und die von ihm geleistete Arbeit eine weit über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahlende Größe sei: "Um diese kulturelle Bürger-Einrichtung beneiden Sie viele, nicht nur in Landshut." Das Vilsbiburger Heimatmuseum und seine Sammlungen werde auch in der Landshuter Museumsdiskussion immer wieder als Vorbild genannt. Es zeuge von der Weitsicht der Stadt, dass es ihr immer wieder gelinge, die Motivation ihrer ehrenamtlich wirkenden Bürger zu fördern.


Denn die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bereite das Fundament für ein regionales Selbstbewusstsein. Mit dessen Hilfe habe sich die Stadt auch nach dem Verlust der Kreisstadtfunktion sehr positiv als Zentrum des südlichen Landkreises weiterentwickelt. Auf diese Weise sei der Begriff des Alt-Landkreises erhalten geblieben und mit Leben erfüllt worden. Denn die Gebietsreform von 1972 habe die Gesamt-Identität der Region aus heutiger Sicht wohl stärker beschädigt als gedacht: "Für eine Zukunftsaufstellung besteht da ein dringender kulturhistorischer Aufstellungsbedarf", sagte Dr. Niehoff. Denn das, was Vilsbiburg und der südliche Altlandkreis geschafft hätten, müsse auch im Landshuter Land, noch besser in ganz Niederbayern, geschafft werden: "Der Wettbewerb auf dem weichen Feld kultureller Regionen findet mit immer härter werdenden Bandagen statt."


Nicht zuletzt würdigte Dr. Niehoff das Engagement des Verlags Attenkofer in der Zeitungsgruppe Landshuter Zeitung / Straubinger Tagblatt: Der aufgrund dieses Kultursponsorings entstandene, günstige Preis möge alle geschichtsbewussten Vilsbiburger verführen, "das Buch zu erwerben oder es am besten gleich mehrfach zu verschenken". Dr. Niehoff schloss seine gelungene Laudatio mit einem Zitat des Philosophen Odo Marquard: "Menschlichkeit ohne Modernität ist lahm; Modernität ohne Menschlichkeit ist kalt: Modernität braucht Menschlichkeit, denn Zukunft braucht Herkunft."


Der so Gewürdigte war nach dieser Ansprache sichtlich gerührt: "Sie haben sich unglaublich viel Mühe gemacht und eine Laudatio nicht nur über mich, sondern über unsere ganze Stadt gehalten. Vielen Dank dafür", sagte Peter Käser unter dem Beifall der Anwesenden. Er selbst habe versucht, bei seinen Arbeiten an die Basis zu gelangen, mit dem Ziel, Geschichte unter die Leute zu bringen: "Die Geschichtsforschung habe ich zu meinem Hobby gemacht, und dabei bleibe ich."


Anschließend plauderte er ein wenig aus dem "Leben eines Geschichtsforschers" und würzte dies mit der einen oder anderen Anekdote. Da wurde die gestrenge Sekretärin der Bayerischen Staatsbibliothek in München schon mal mit einem Mon Cheri bestochen, eine Maßnahme, die bei den Damen in der Stadtbibliothek glücklicherweise nicht notwendig war: "Die haben nur immer mit leichtem Kopfschütteln reagiert, wenn ich über die Fernleihe wieder ein Buch aus längst vergangenen Jahrhunderten bestellt habe", schmunzelte Käser.


Abschließend gab der Geschichtsforscher noch einen kurzen Ausblick auf seine nächsten Projekte. Demnach steht ein Werk über die geistlichen Persönlichkeiten der Stadt Vilsbiburg kurz vor seiner Vollendung. "Es wird noch einiges kommen", versprach Käser und wurde für diese Ankündigung mit lang anhaltendem Beifall bedacht.


"Man merkt, Peter Käser ist mit Leib und Seele und viel Herzblut dabei. Das ist sein Leben", sagte Bürgermeister Helmut Haider in seinem Schlusswort. Mit Peter Käser habe man einen Publizisten, der sich mit der Ortsgeschichte alter Gemeinden und der Geschichte von Kirchen intensiv befasse. Mit der Feststellung "Auch durch diese Arbeit wird das Angebot im Kulturbereich in Vilsbiburg enorm bereichert", schloss Haider die Veranstaltung, die vom Kirchenchor Vilsbiburg und der Instrumentalgruppe der Pfarrsingschule die passende Umrahmung erfuhr.


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