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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://https://www.vilsbiburg.de

Text: Vilsbiburger Zeitung, 21.04.2016

Architektenwettbewerb ABV-Gelände: Stadtrat folgt der Empfehlung der Jury

Die Fassaden sind nur Illustration: So könnte die große Vilspromenade vor Kulturhaus, Foyer und Gastronomie einmal aussehen...

„Eine städtische Lösung"

Vilsbiburg. Das Büro Fischer Multerer Architekten aus München wurde am Dienstagabend vom Stadtrat ausgewählt, einen städtebaulichen Entwurf für das ABV-Gelände zu entwickeln. Zuvor hatte Stadtplaner Jan Bohnert in einer gut aufbereiteten Präsentation dargelegt, warum die Jury den „städtischen Entwurf" des Büros als den besten erachtet und die beiden anderen Preisträger als für das geplante Gastro- und Kulturzentrum weniger geeignet gewertet hatte.

 

Es geht auch anders: Wie berichtet, hatte eine Stadtratsmehrheit in der Sitzung am 7. März die Debatte über den Architektenwettbewerb zum ABV-Gelände abgebrochen, weil die meisten Stadträte von den Zeichnungen auf den im Sitzungssaal aufgehängten Plänen nicht viel sehen konnten. Für die neuerliche Sitzung am Dienstag hatte Jan Bohnert eine sehr übersichtliche Powerpoint- Präsentation vorbereitet, für die er von allen Fraktionen Lob erhielt: Er wisse sehr wohl um die Bedeutung des Projekts für die Stadt, sagte er am Dienstag, aber er sei praktisch über Nacht für eine erkrankte Kollegin eingesprungen und habe mit dem vorhandenen Material zurechtkommen müssen.

 

Bohnert wies noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass der Wettbewerb nur die städtebaulichen Aspekte der Planung betroffen hat – Baumassen, Freiräume oder Wegebeziehungen: „Es wird festgelegt, wie dicht das Gelände bebaut werden kann. Auch wenn Sie illustrierende Ansichten zu sehen bekommen, geht es heute nicht um Fassaden oder Gebäudegrundrisse. Das wird erst bei der konkreten Bauplanung wichtig."

 

Zu sehen bekamen die Stadträte und die Besucher im Anschluss die drei mit Preisen bedachten Entwürfe. Bei der Ausstellung am Wochenende in der Volkshochschule sind alle zehn eingereichten Entwürfe zu sehen.

 

Zehn Entwürfe – drei Preise

 

Der Entwurf, den Bohnert im Auftrag der Jury dem Stadtrat „wärmstens an Herz legen" wollte, kommt vom Büro Fischer Multerer Architekten. Diesem sei eine urbane Planung mit repräsentativer Haltung gelungen. Troadkasten, Kulturhaus, Gastronomie und Foyer bilden hier einen eigenen Innenhof, für den es entsprechende Vorbilder in der übrigen Vilsbiburger Innenstadt gebe, wie ein Blick auf den Innenstadtplan zeigt. Dieser Innenhof könnte für Freiluftveranstaltungen gut genutzt werden. Zwischen Rathaus und Gastronomie sei ein kleines „Platzl" entstanden, das an eine großzügige Promenade entlang der Vils anschließe. Die Rathauserweiterung sei in einem vom Rathaus abgesetzten, eigenen Baukörper umgesetzt, der über einen Übergang erschlossen wird. Der gesamte Entwurf sei als Teil der Innenstadt stimmig gelöst, indem er auch die vorhandenen Gassen konsequent nutzt, sagte Bohnert.

Hier allerdings stellten die Stadträte fest, dass sich der Durchgang auf dem Telekom-Gelände nicht im Besitz der Stadt befinde und dass man auch einen deutlichen Höhenunterschied überwinden müsse. „Vielleicht stimmen Sie den Besitzer um, denn auch diese Stelle profitiert von diesem Entwurf", entgegnete Bohnert.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Den langgezogenen Gebäudetrakt entlang der Vils empfand die Jury als Manko (Grafik: Löhle Neubauer Architekten).Mit ihrem zweiten Platz ist das Augsburger Büro Löhle Neubauer Architekten auch nach der Überarbeitung nicht zum Zug gekommen. Die Planer haben einen etwa 100 Meter langgezogenen Gebäudetrakt entlang der Vils entwickelt, der vom Rathaus bis zum Färberanger reicht. Bohnert bezeichnete diesen Aspekt als „abwehrende Kante" und als größtes Manko dieser Planung. Auf Höhe der Treppenanlage zur Vils würde man über einen als „Vilstor" bezeichneten eingeschossigen Einlass in den Innenhof gelangen, an dem Kulturhaus, Troadkasten und Gastronomie zusammenkommen. Allerdings, so ein weiterer Kritikpunkt, habe die Gastronomie keinen Kontakt zur Vils, sondern nur zum Innenhof.

 

Grossansicht in neuem Fenster: In diesem Entwurf sind keine Bauabschnitte erkennbar, die Gastronomie ist hinter dem Rathaus und dem Einzelhandel versteckt (Grafik: Knoop und Rödl).Das Münchner Architektenbüro Knoop und Rödl hat bei seinem Vorschlag das Rathaus einfach linear verlängert, das Kulturzentrum und die Gastronomie über ein Foyer fest verknüpft und einen großen Hof zur Vils hin geöffnet. Die drei größten Kritikpunkte waren laut Bohnert, dass der denkmalgeschütze Troadkasten sehr abseits steht, die schrittweise Realisierung nicht vorstellbar ist und das Foyer als Hauptzugang zu dem neuen Ensemble vom Stadtplatz aus nur schwer auffindbar sei.

 

Im Anschluss gab es nur Fragen zu einigen Details: Ob die Radwegverbindung vom Stadtplatz zum Färberanger weiterhin bestehe, wollte etwa Michaela Feß (Die Grünen) wissen, oder ob im Notfall sogar eine Durchfahrt über das Löchl zum Färberanger möglich sei, fragte FW-Sprecher Josef Sterr. Manfred Billinger (SPD) wies darauf hin, dass das Löchl der eigentlich unattraktive Zugang zum neuen Ensemble sei, weshalb ihm dessen Verkürzung beim empfohlenen Entwurf gut gefalle.

 

Einzig Gisela Floegel konnte dem Jury-Vorschlag nichts abgewinnen: „Vom Stadtplatz her steht man vor einer Wand, der öffentliche Raum im Innenhof wirkt abgeschlossen und zum Färberanger hin zeigen sich Pseudogiebel." Der Entwurf enthalte relativ viele Fremdkörper, sagte sie und stimmte allein gegen den Entwurf.

 

Der Antrag der Grünen, erst nach der Ausstellung in der Volkshochschule über die Beauftragung abzustimmen, hatte zu Sitzungsbeginn nur vier Befürworter gefunden.

 

Info
Die öffentliche Ausstellung „Wettbewerb ABV-Gelände" ist am Samstag, 23. April, von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag, 24. April, von 14 bis 16 Uhr im Saal der Volkshochschule im 3. Obergeschoss zu sehen. Ausgestellt sind alle zehn eingereichten Entwürfe.

 

Bildunterschriften

Links oben: Die Fassaden sind nur Illustration: So könnte die große Vilspromenade vor Kulturhaus, Foyer und Gastronomie einmal aussehen. Der Entwurf habe eine städtische Erscheinung, hieß es in der Jury (Grafik: Fischer Multerer Architekten).

Links unten: In diesem Entwurf sind keine Bauabschnitte erkennbar, die Gastronomie ist hinter dem Rathaus und dem Einzelhandel versteckt (Grafik: Knoop und Rödl).

Rechts: Den langgezogenen Gebäudetrakt entlang der Vils empfand die Jury als Manko (Grafik: Löhle Neubauer Architekten).

 

Wettbewerb: Einem Preisträger verpflichtet

Vilsbiburg. Zu Beginn der Präsentation der Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs zum ABVGelände wies Stadtplaner Jan Bohnert den Stadtrat noch einmal darauf hin, dass das Wettbewerbsreglement vorschreibt, dass die Stadt nur einen der drei Siegerentwürfe auswählen darf, keinen nachrangigen Wettbewerbsteilnehmer. Deshalb könne man auch nicht von einem „vierten Platz" sprechen, sagte er. Der Leiter des Stadtbauamts, Gerhard Binner, erläuterte auf Nachfrage von Florian Anzeneder, dass man sich jetzt mit dem ausgewählten Büro in Verbindung setzen werde: „Bisher fand ja keine Kommunikation statt." Auf der Basis des Siegerentwurfs können nun individuelle Vorstellungen der Stadt eingearbeitet und die Planung so weit vorangebracht werden, dass Investoren darauf aufbauend ihre Pläne entwickeln können.

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