Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://https://www.vilsbiburg.de

Text: Vilsbiburger Zeitung, 20.05.2009 (Bernhard Beez)

ABV-Gelände - Aus für das Investoren-Konzept

Stadtplatz 2008
Die Bebauung des ABV-Geländes soll die Innenstadt stärken (Foto: Stadtplatz 2008, Wilhelm Grässle)

Stadtrat spricht sich mit großer Mehrheit gegen Vollsortimenter aus

Das Aus für das Berndt-Konzept

ABV-Gelände: Nach "Jahrhundert-Entscheidung" steht man nun wieder ganz am Anfang

Vilsbiburg. Seit Montagabend ist die Zukunft des Haslbeck-Geländes ungewisser denn je. Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat beschlossen, das vorliegende Konzept des schwäbischen Investors Guido Berndt nicht mehr weiterzuverfolgen. Insbesondere der große Lebensmittelmarkt auf einer Fläche von bis zu 2000 Quadratmetern, der das Herzstück des Konzeptes darstellt, stieß bei Stadträten aller Fraktionen auf erhebliche Vorbehalte. Die Zusammenarbeit mit Berndts IS-Projektentwicklung dürfte damit beendet sein.

Bereits zuvor hatten die Stadträte einen Kompromissvorschlag von 2. Bürgermeister Johann Sarcher (SPD) mit 13:6 Stimmen abgelehnt. Sarcher hatte empfohlen, sich vor einer endgültigen Entscheidung Hilfe von außen zu holen. Lediglich fünf weitere Stadträte konnten sich dafür erwärmen, sich von einem unabhängigen Institut beraten zu lassen. Die überwiegende Mehrheit folgte der Ansicht von Gisela Floegel: "Was soll das noch bringen? Entweder die sagen, der große Vollsortimenter sei schädlich für die Innenstadt. Dieser Meinung sind ohnehin die meisten von uns. Oder sie sind der Ansicht, der große Lebensmittler sei ein Muss. Aber dann wären wir trotzdem gegen das Konzept." Die Mehrheit im Stadtrat sei gegen Berndt. Und dieser habe selbst gesagt, dass für ihn nur sein eigenes Konzept, eben mit einem Vollsortimenter, in Frage komme und er für eine "kleine Lösung" nicht zur Verfügung stünde. "Wir sollten heute die Entscheidung zur Trennung fällen", forderte Floegel.

CSU-Fraktionssprecher Hermann Vogelgsang sekundierte: "Wir müssen jetzt endlich die Hosen runterlassen und zu einer Entscheidung kommen - auch wenn es nicht einfach ist. Aber alle Argumente für und wider liegen nun auf dem Tisch." Auch Vogelgsang plädierte eindeutig dafür, das Konzept abzulehnen: "Es ist keine Schande, einen falschen Weg abzubrechen." Und Gertrud Frommeld (ebenfalls CSU) sowie Michaela Feß (bul) warnten vor einem "Verdrängungswettbewerb": "Ich möchte nicht, dass die Bäcker, Metzger und Handwerker in der Innenstadt darunter leiden", sagte Frommeld.

SPD-Fraktionssprecher Klaus Kerscher fragte nach den möglichen Konsequenzen für die Stadt Vilsbiburg. "Es wird sicherlich eine finanzielle Forderung auf die Stadt zukommen, weil der Investor in erhebliche Vorleistung gegangen ist", antwortete Sarcher. Wie berichtet, hatte Berndt den jeweiligen Wünschen des Stadtrats folgend sieben Planentwürfe anfertigen lassen. "Das wird wohl auf einen Rechtsstreit hinauslaufen", fügte Vogelgsang hinzu.

Brigitte Scheibenzuber von den Freien Wählern ließ dagegen erkennen, dass sie eine überstürzte Entscheidung für einen schwerwiegenden, möglicherweise irreparablen Fehler hält. Sie erklärte, bei einer Trennung vom Investor würde man sich vom eigentlichen Ziel, nämlich einer echten Stärkung der Innenstadt, verabschieden. "Das ist eine Jahrhundert-Entscheidung, die wir hier zu fällen haben. Ich plädiere dringend für eine Beratung durch ein unabhängiges Institut. Dann würde ich mich deutlich wohler in meiner Haut fühlen."

Doch diese Geduld wollten die meisten Stadträte nicht mehr aufbringen. Gegen die Stimmen von Scheibenzuber, Josef Sterr und Sebastian Huber (alle Freie Wähler) sowie Bürgermeister Sarcher wurde entschieden, das Konzept des Investors nicht mehr weiterzuverfolgen. Damit steht man nun in Bezug auf die Bebauung des Haslbeck-Geländes wieder ganz am Anfang. Nicht ganz, meinte zwar Xaver Peisl (CSU): "Wir haben einen gemeinsamen Nenner: Das Kulturzentrum, ein Wirtshaus und ein Nahversorger mit rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche." Doch auf dem Weg dahin ist die Stadt nun wieder auf sich allein gestellt.

drucken nach oben