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Text: Vilsbiburger Zeitung, 11.11.2010, Bernhard Beez

Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010

Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010

Getrübte Feierlaune

"Vermeidbare Probleme:" Kritische Worte beim Richtfest zur neuen Ballsporthalle

Vilsbiburg. Normalerweise ist ein Richtfest eine recht harmonische Veranstaltung, bei der sich alle am Bau beteiligten Akteure ihre gegenseitige Wertschätzung versichern und sich im gemeinsamen Schulterklopfen üben. Umso überraschender war es daher, welch kritische Worte Bürgermeister Helmut Haider am gestrigen Mittwoch beim Richtfest der neuen Ballsporthalle fand: "Eigentlich hätten wir jetzt schon Einweihung feiern sollen, aber viele vermeidbare Probleme haben dazu geführt, dass wir dem Zeitplan deutlich hinterherhinken." Und mit Blick auf das in der Verantwortung stehende Architekturbüro jägerjäger aus Schwerin fügte Haider hinzu: "Da hat sich der Architekt wohl etwas verschätzt."

Grossansicht in neuem Fenster: Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010 - VibKo-Vorstand Günter FelkelDer Ärger über die zeitliche Verzögerung ist groß und konnte in den vergangenen Wochen nur mühsam unter der Decke gehalten werden. Den Schwarzen Peter schieben dabei viele Insider - wenn auch meist nur hinter vorgehaltener Hand - in der Tat dem Architekten und seinen Mitarbeitern zu. Diese hätten während der Planungsphase, also vor rund einem Jahr, schlicht und einfach "gebummelt" und somit den gesamten Zeitplan ins Wanken gebracht. Geradezu demonstrativ fiel dagegen Haiders Lob für Armin Dirschl vom Projektsteuerer Delta Immotec aus Geisenhausen aus: "Herr Dirschl ist extrem bemüht. Ohne ihn wären wir nicht einmal so weit, wie wir heute sind."

Grossansicht in neuem Fenster: Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010 - Erster Bürgermeister Helmut HaiderZudem musste Haider zugeben, dass man auch den geplanten Kostenrahmen von 7,5 Millionen Euro nicht einhalten könne. Dies habe jedoch konjunkturelle Gründe: "Die Unternehmen sind gut ausgelastet, deshalb kommen uns die einzelnen Gewerke wesentlich teurer als ursprünglich veranschlagt."

Das nachträglich vom Stadtrat beschlossene Blockheizkraftwerk (BHKW), mit dem die neue Halle sowie die bestehende Vilstalhalle versorgt werden sollen, hat auf die Überschreitung des Kostenrahmens dagegen nur geringen Einfluss: "Das BHKW selbst läuft komplett über die Stadtwerke und hat insofern mit uns nichts zu tun", sagte Günter Felkel, Vorstand des Vilsbiburger Kommunalunternehmens (VibKo), auf Anfrage der Vilsbiburger Zeitung . Für die Ausstattung wie etwa den dadurch etwas größeren Kellerraum, in dem das BHKW seinen Standort hat, sei man zwar zuständig, aber "das ist von den Kosten her nicht so dramatisch", so Felkel.

Architekt wehrt sich gegen Vorwürfe

Dafür wird das BHKW verantwortlich gemacht für die zeitliche Verzögerung der Bauarbeiten, zumindest von Architekt Professor Gerd Jäger: "Das BHKW wurde nachträglich noch mit reingenommen und dadurch ist die gesamte grundsätzliche Planung wieder hinterfragt worden. Dadurch war es nicht mehr möglich, den zeitlichen Rahmen einzuhalten", sagte Jäger gegenüber der VZ . Er wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe: "Es ist unglaublich, wie ich hier persönlich angegriffen werde. Ich bin seit 22 Jahren in der Branche tätig, und mein Büro ist die Nummer vier in ganz Deutschland im Sporthallenbau, aber solche Probleme habe ich noch nie gehabt."

Grossansicht in neuem Fenster: Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010 - EhrengästeJäger legte nach: "Der ursprüngliche Bauantrag wurde ohne das Blockheizkraftwerk eingericht. Das musste man dann nachträglich in die Planungen integrieren, was aufgrund der Komplexität eines BHKW eine äußerst schwierige Angelegenheit ist." Zumal es seinen Standort an der tiefsten Stelle des ganzen Gebäudes habe: "Beim Bau musste man mit dem Kraftwerk beginnen, das war das Problem."

VibKo-Vorstand Felkel will dem zwar nicht widersprechen, sagt jedoch auch, dass der Einbau eines BHKW schon relativ frühzeitig feststand: "Vor einem Jahr erfolgte der Spatenstich, die daraufhin ausgehobene Baugrube war ja schon auf das Blockheizkraftwerk ausgerichtet." Warum der Architekt dennoch bis Ende 2009 ohne das BHKW geplant habe, ist Felkel ein Rätsel.

Ein weiterer Vorwurf an Professor Jäger lautet, er sei kaum einmal auf der Baustelle selbst präsent gewesen: "Ich bin mit der Planung beauftragt, Vergabe und Bauleitung gehören nicht zu meinen Aufgaben. Da kann ich auch nicht behilflich sein", konterte der Schweriner. Und überhaupt: "Bei der letzten Halle, die wir gebaut haben, war ich zum ersten Mal bei der Einweihung vor Ort. Da hat das auch keinen gestört." Aber in Vilsbiburg habe sich das gesamte Projekt von Beginn an zu einem Politikum entwickelt und sorge deshalb derart für Aufregung, so Jägers Vermutung.

Grossansicht in neuem Fenster: Ballsporthalle - Richtfest am 10.11.2010 - Richtspruch vom Zimmerermeister"Unglückliches Missverständnis"

Als neuer Termin für die Fertigstellung der neuen Ballsporthalle wird nun der 11. Februar 2011 ins Auge gefasst. "Von meiner Seite aus spricht nichts dagegen, unsere Planungen sind im Wesentlichen abgeschlossen", sagte Jäger. Dafür gehen vor Ort die Probleme weiter. Erst vergangene Woche wurde Regenwasser vom Flachdachbereich direkt in die Halle abgeleitet - obwohl noch überhaupt kein Abfluss vorhanden war. Ein hübscher kleiner See war die Folge. "Das war ein unglückliches Missverständnis", kommentierte VibKo-Vorstand Felkel, doch sein Blick sprach Bände. Ihm schwirrten wohl ganz andere, deutlich deftigere Ausdrücke durch den Kopf angesichts dieses eigentlich unbegreiflichen Fehlers der ausführenden Handwerker, bei denen es dem Vernehmen nach auch untereinander bei der Kommunikation großen Nachholbedarf gibt.

Angesichts solcher Schwierigkeiten ist die Zurückhaltung von Bürgermeister Haider nachzuvollziehen. Auf die Frage, ob er denn ernsthaft an Mitte Februar als Einweihungstermin glaube, sagte er nur: "Ich gehöre zu den Optimisten. Mal sehen." Ein Anwesender meinte dagegen nach Ende des Richtfestes: "Die können alle froh sein, wenn das Ding im März fertig ist."

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