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Text, Fotos: Vilsbiburger Zeitung, 03.03.2012, Georg Soller

Quartiersplanung Kirchenweg - Bürgerversammlung am 01.03.2012

Kinderkrippe am Kirchenweg 1 - Modell - Ansicht 1

Die "Wutbürger" von Vilsbiburg

Bürgerversammlung zum Thema Kirchenweg 1: Es soll alles so bleiben, wie es ist

Vilsbiburg. Verglichen mit dem mageren Besuch einer normalen Bürgerversammlung brach die Bürgerversammlung zum Thema Kirchenvorplatz am Donnerstagabend in der Aula der Mittelschule gleich mehrere Rekorde: So viele Besucher wie seit langem nicht mehr, mit drei Stunden intensiver Diskussion dauerte sie so lange wie selten eine politische Versammlung und die Intensität, mit der diskutiert wurde, war in Vilsbiburg auch schon lange nicht mehr zu erleben. Am Ende beschloss die Versammlung mit rund zwei Drittel oder drei Viertel der Anwesenden - je nach Wahrnehmung - eine formelle Empfehlung, die der Stadtrat innerhalb von drei Monaten behandeln muss.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Bürgerversammlung am 01.03.2012 - Bürgermeister Haider, Bauamtsleiter Bleimehl, Architekten Nadler, Neumeister, Sperk (vl)Altbürgermeister Josef Billinger trug als gut vorbereiter Hauptredner der "Interessengemeinschaft Quartiersplanung Kirchstraße" am Ende fünf Punkte vor, um die sich auch alle Diskussionsbeiträge drehten.

 

Schimmel in der Krippe

Ganz vielen Vilsbiburgern ist das heruntergekommene Gebäude am Kirchenweg 1 suspekt. Auch am Donnerstag war mehrmals zu hören, dass man das aus dem Jahr 1750 stammende Gemäuer "über den Haufen schieben" sollte und in gleicher Form wieder neu aufbauen. Wenn einmal Schimmel in den Wänden sei, bekomme man ihn nicht mehr heraus.

 

Dr. Anna Maria Schreff hat mit einem Leserbrief dieses Thema angestoßen. In der Bürgerversammlung sagte sie: "Selbst wenn die Krippe absolut sauber renoviert ist, fällt der Verdacht sofort auf sie, wenn auch nur ein Kind eine Allergie bekommt. Die Ängste in der Bevölkerung werden Sie nicht mehr wegbekommen." Dies auch wegen der aktuellen Vorfälle in der Bremer Kinderklinik. Deshalb lautete die erste Forderung, dass die Krippe zwar als dringendstes Vorhaben realisiert werden soll, das Gebäude aber "bei den geringsten hygienischen Bedenken" abgerissen und in gleicher Form wieder aufgebaut werden soll. "Die Gesundheit unserer Kinder steht vor dem Denkmalschutz", sagte Billinger. Er schlug vor, am nächsten Wochenende einen "Tag der offenen Tür" zu veranstalten, damit sich die Bürger selbst einen Eindruck vom wirklichen Zustand des Baudenkmals machen könnten. Und wenn das Gesundheitsamt nicht eindeutig positiv Stellung beziehe, dann sei für ihn die Sanierung ohnehin gestorben. Wenn nicht, handelten Bürgermeister und Stadträte "grob fahrlässig" und würden vom Staatsanwalt persönlich zur Rechenschaft gezogen.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Bürgerversammlung am 01.03.2012 - BürgerDie Treppe

Als neues gestalterisches Element hat das Büro Nadler und Sperk eine dreigeteilte Treppenanlage entwickelt, die den Blick auf das Hauptportal der Stadtpfarrkirche freigibt und den 1,80 Meter Höhenunterschied zwischen Kirchstraße und dem neuen Kirchenvorplatz ausgleicht. Diese Treppe bezeichnete Billinger als "Falle für alle Kinder". Willi Thume sagte, er könne nicht nachvollziehen, wer diesen Platz haben wolle, und schon gar nicht, dass man dafür den Kirchenweg opfere. Günter Knaus hielt die Planung "für eine Nummer zu groß", und eine Bürgerin meinte gar, dass es bald keine Kirchgänger mehr geben werde: "Deshalb brauchen wir den Platz auch nicht."

 

Eine neue Richtung bekam die Diskussion, als Bürgermeister Haider erläuterte, man habe mit der Kirche - beteiligt waren die Pfarrei und das Bauamt der Diözese - ein Junktim geschlossen: "Das heißt, das eine geht ohne das ganze andere nicht." So benötigt die Stadt von der Kirche Grund, um die Krippe in der benötigten Größe und mit den nötigen Abstandsflächen bauen zu können. Die Kirche wünschte sich den neuen Vorplatz und stellt freiwillig noch Grund zur Aufweitung der Kirchstraße zur Verfügung. Und den neuen Kirchenvorplatz benötige man, um die beste Eingangssituation für die Krippe bauen zu können. Da die Kosten für den Platz mit rund 800000 Euro beziffert wurden, wollte jemand wissen, was dann umgerechnet ein Quadratmeter Kirchengrund in diesem Fall koste: "Das darf man so nicht rechnen," entgegnete der Bürgermeister, "das ist ein gemeinsames Projekt mit gegenseitigem Geben und Nehmen."

 

Das interessierte die Versammlung so aber nicht. Beschlossen wurde: "Die Treppe (...) wird nicht gebaut. Alle weiteren in der Quartiersplanung vorgesehen Maßnahmen werden auf Eis gelegt." Sollte der Kirchenweg verändert werden, kündigte Billinger an, den Rechtsweg einzulegen: "Dann steht die Baustelle."

 

Grossansicht in neuem Fenster: Kinderkrippe am Kirchenweg 1 - Modell - Anischt 2Die Rampe erhalten

Die Treppe und die Mauer zum Kirchenportal wären heute in dieser Form nicht mehr zulässig. Für sie gilt aber ein Bestandsschutz. Um Platz in der Kirchstraße zu gewinnen, würden die Planer diese Vorbauten entfernen und die Betonmauer ebenfalls um einige Meter zurücksetzen. Zum Ausgleich würde die Pfarrei auf eigene Kosten vom Parkplatz am Pfarrheim aus eine neue, zeitgemäße Rampe bauen. Und als Ersatz für den Kirchenweg ist eine Radlerverbindung um die Kinderkrippe herum vorgesehen: "Wir haben jetzt also drei behindertengerechte Zugänge statt bisher zwei", sagte der Bürgermeister. Allerdings müsse man sich dafür eben etwas umstellen.

 

Doch auch dafür erntete er Kritik. Weder der eine noch der andere neue Weg sei für behinderte Kirchgänger, die von der Frontenhausener Straße kämen, zumutbar, hieß es. Dr. Ernst Christl sagte, dass über die alte Rampe Behinderte und Gesunde gemeinsam gegangen wären: "Die neuen Rampen sind eine Form von Ausgrenzung."

 

Bürgerbeteiligung

Nachdem Bürgermeister Helmut Haider eingeräumt hatte, dass eine ausreichende Bürgerbeteiligung in der Terminnot des vergangenen Jahres untergegangen sei, erntete er natürlich massive Kritik von allen Seiten. Wolfgang Zeilbeck ("Es ist schade, dass Sie als Bürgermeister vergessen, die Bürger zu beteiligen") schlug vor, die Geschäftsordnung der Stadt so zu verändern, dass zu allen größeren Baumaßnahmen ein Wettbewerb und eine ordentlich Bürgerbeteiligung durchzuführen seien. Dem hielt eine Frau später entgegen: Immer mehr Architekten werden beschäftigt, aber konkret kommt nichts dabei heraus."

 

Ein den Anliegern besonders wichtiges Thema wurde schließlich kurz abgehandelt: Am Verkehrsfluss werde nichts geändert, erklärte der Bürgermeister, die Kirchstraße und ihre Gehwege werde vorne und auf Höhe der Kirche sogar noch breiter. Da dieses Vorhaben aber erst in einem zweiten Bauabschnitt angepackt werde, gebe es dazu auch noch keine Detailplanungen.

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