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Text: Vilsbiburger Zeitung, 21.03.2012, Georg Soller

Kulturhaus - Vorstellung der Bedarfserhebung im Stadtrat

Luftaufnahme des ABV-Geländes (07/2008) - Foto: Klaus Leidorf

Kulturhaus: 300 bis 500 Plätze sinnvoll

Auswertung der Bedarfserhebung im Stadtrat vorgestellt - Besichtigungsfahrt geplant

 

Vilsbiburg. Mit einer Umfrage unter potenziellen Nutzern hat sich die Projektgruppe Kulturhaus in den vergangenen Wochen ein Bild davon verschafft, welche Dimension das neue Haus bekommen sollte. Vor allem eine Erkenntnis überraschte die Stadträte: Nach Stand der Umfrage wäre das Haus nur zu 25 Prozent genutzt. In der Diskussion im Stadtrat am Montagabend stellte sich aber heraus, dass man sich davon nicht täuschen lassen dürfe: Selbst wenn an jedem Wochenende eine Veranstaltung wäre, bedeutete dies rechnerisch eine Nutzung von 15 Prozent im Jahr.

 

Dass sich Vilsbiburg als Ort mit Kultur erst wieder ins Bewusstsein bringen muss, wurde auch am Ablauf der Befragung deutlich: Während sich die 23 Vereine mit einer Rücklaufquote von 70 Prozent des Projekts gern annahmen, schickten von den 23 angeschriebenen professionellen Veranstaltern nur fünf die Fragebögen zurück. Diese 22 Prozent waren sich aber praktisch einig: 400 bis 500 Sitzplätze sind für Vilsbiburg ausreichend. "Man darf nicht vergessen, dass sich die Stadt im Einzugsbereich von mehreren großen Veranstaltungshallen befindet", erläuterte Wolfgang Grubwinkler von "Identität und Image", der die Projektgruppe moderiert und die Umfrage ausgewertet hat.

 

Einig waren sich die Profi-Veranstalter auch darin, dass sie keine zweite Zuschauerebene benötigen: Das bringe einen höheren Aufwand mit sich, so die Erläuterung, und das Publikum im oberen Rang lasse sich nicht so leicht mit einbeziehen.

 

Nicht zu aufwändig bauen

Darüber hinaus variierten die Anforderungen, sowohl was die lose Bestuhlung, die ansteigenden Sitzreihen oder die Abtrennmöglichkeiten betraf: Es kommt eben auf die Veranstaltungsart an. Man muss auch sehen, dass sich im professionellen Kulturbetrieb mit 500 Besuchern nur Solo-Kabarettisten oder kleine Bands refinanzieren lassen. Entsprechend gering waren die Anforderungen an die Bühne: 50 bis 80 Quadratmeter wären ausreichend, am besten mit einem Höhenverstellbaren System. Passend dazu sollten die Künstler-Garderoben ausgelegt sein, die außerdem einen eigenen Zugang bräuchten.

 

Auf der anderen Seite empfahlen die Konzertveranstalter, dass ein Foyer allen Besuchern

Platz bieten müsste. Eine besondere Sorge der Profis: Wenn das Kulturhaus zu aufwändig gebaut wird, dann könnten die Saalmieten so hoch ausfallen, dass eine Buchung unattraktiv werde.

 

Eine andere Sicht der Dinge haben die Vilsbiburger Kulturvereine: Nachdem sie keine Künstlergagen bezahlen, handelt es sich deshalb in der Regel um größere Ensembles, die neben einer großen Bühne mit 100 Quadratmetern und mehr auch einen größeren Backstage-Bereich wünschen. Die hiesigen Kulturschaffenden würden auch eine Probenbühne oder Probenräume begrüßen sowie Lagerräume für Requisiten. Die meisten Vereine würden das Kulturhaus ein- bis zweimal im Jahr für einen Auftritt benutzen.

 

Probemöglichkeiten hingegen wären regelmäßig gefragt. Überraschend die Aussage zur Bewirtung: Drei Viertel der Befragten würden ein externes Catering oder eine feste Gastronomie beim Kulturhaus begrüßen - offenbar geht man davon aus, dass dabei die Zusammenarbeit mit dem Wirt gut funktioniert.

 

Und während die professionellen Gruppen auf ihren Tourneen eine eigene Licht- und Tontechnik dabei hätten, bräuchten die örtlichen Gruppen die Veranstaltungstechnik

im Haus. Ein Wunsch eint jedoch alle: Kurze, barrierefreie Anlieferungswege zur Bühne.

 

Im Stadtrat wurde vor allem der Aspekt des Ergebnisses diskutiert, dass ein Kulturhaus in Vilsbiburg von den Kulturschaffenden nur ein Viertel des Jahres genutzt wäre - Tagungen wurden nicht abgefragt. Man kam dabei unter dem Strich zu dem Ergebnis, dass ein Kulturhaus ohnehin nicht mehr bespielt werden kann: "Ich wüsste nicht, wo hier jeden Samstag 500 Besucher herkommen sollten", sagte etwa Helmut Gaube (CSU). Nachdem auch bei den Vereinen ein erkennbarer Schwerpunkt bei einer Dimensionierung für 300 bis 400 Besucher lag, meinte SPD-Fraktionssprecher Klaus Kerscher: "Es beruhigt mich, dass hier ein einheitlicher Wert erkennbar wird." Entscheidend sei, ergänzte Xaver Peisl (CSU), dass die Ausstattung funktional sei, "dann wird das ein Selbstläufer wie jetzt die Stadthalle." Und CSU-Fraktionssprecher Hermann Vogelgsang meinte, dass sich das Kulturhaus wirtschaftlich nicht tragen müsse. "Für die Stadt ist es wichtig, dass nach dem Sport jetzt auch der Bereich der Kultur weiterentwickelt wird", sagte Georg Brams (CSU).

 

Bürgermeister Helmut Haider verwies auf den Aspekt, dass viele

Befragte von einer Gastronomie im oder beim Kulturhaus ausgehen. Ob aber dann der Saal am Wochenende eher für Hochzeiten genutzt werden könne oder für Kultur-Veranstaltungen, müsse man noch klären.

 

Im nächsten Schritt begibt sich die Projektgruppe zusammen mit interessierten Stadträten am 20./21. April auf eine zweitägige Besichtigungsfahrt zu guten Beispielen von funktionierenden Kulturhäusern.

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