Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://https://www.vilsbiburg.de

03/2013

Strom: Versorgungssicherheit durch Biogas

Rechtsanwalt Dr. Helmut Loibl

VHS-Vortrag über Stromvermarktung und Kleinbiogasanlagen

Biogas ist neben Photovoltaik der bedeutendste regenerative Energieträger in Vilsbiburg. Strom aus Biogas ist zeitlich steuerbar und kann Fluktuationen von Wind und Sonne ausgleichen. Lieferverträge und ein ausgefeiltes Management bei der Erzeugung und Einspeisung von Strom beschäftigen derzeit die Energiewirte im Land. Interesse zeigen innovative Landwirte auch an alternativen Kulturen zu Mais und an Kleinanlagen.

 

Biogas deckt rund ein Viertel des gesamten Strombedarfs in Vilsbiburg ab, das entspricht der Produktion von Photovoltak-Dachanlagen im Stadtgebiet. „Zusammen mit der Solar-Freilandanlage können wir schon jetzt 60% des Gesamtverbrauchs durch erneuerbare Energien bereit stellen" freut sich Klimaschutzmanager Georg Straßer über die aktuellen Daten der Netzbetreiber. Damit begrüßte er die zahlreich erschienen Landwirte zum Vortragsabend rund um das Thema Biogas. Das besondere an Biogas-Strom ist seine ausgleichende zeitliche Steuerbarkeit, ergänzend zu Wind- und Sonnenstrom. Zu diesem Themenschwerpunkt - die flexible Stromeinspeisung -  referierte Dr. Helmut Loibl, Fachanwalt für Erneuerbare Energien aus Regensburg. Er zeigte die rechtlichen Fallstricke auf, die mit der Strom-Direktvermarktung einher gehen. Verträge mit dem Netzbetreiber bieten die Option, frei zwischen den Vermarktungsformen Grünstromprivileg oder Marktprämienmodell zu wechseln. Das kann aber im schlimmsten Fall bedeuten, dass dem Betreiber bei ersterer zwei Drittel seiner Vergütung entfallen - und das ohne Vertragsbruch auf Vermarkterseite. Loibl warnte ausdrücklich vor pauschalen Vertragsangeboten, die als „vom Fachjuristen geprüft" angeboten werden, denn das hätte in der Regel keine Relevanz in Bezug auf den Einzelfall. So warb er dafür, jeden einzelnen Vertrag betriebsindividuell vom Fachjuristen prüfen zu lassen. Ein besonderes Augenmerk sei bei den Vereinbarungen zur Regelenergie auf „Reaktionszeiten" bei der Energiebereitstellung zu legen, auf die sich der Betreiber festlege: Könne er diese nicht einhalten, drohten erhebliche Vertragsstrafen, warnte der Rechtsexperte die Praktiker. Auch wer an seiner Verstromungseinheit - dem Blockheizkraftwerk - etwas ändere, sollte sich sicherheitshalber immer mit seinem Netzbetreiber darüber abstimmen, um einer Abwertung des Vergütungsanspruchs nach neuem EEG vorzubeugen. Empfehlen könne er Vereinbarungen mit örtlichen Stadtwerken - wo man sich kenne und das nötige Vertrauen gegeben sei. Diese sollten für Biogasstrom dankbar sein, um dauerhaft Netzstabilität gewährleisten zu können.

 

Flexibilität ist die Zukunft für Biogasstrom Grossansicht in neuem Fenster: Zahlreiche Zuschauer nahmen am VHS-Vortrag zum Thema Biogas teil.

Dass das künftige Stromsystem durch Sonne und Wind bis zur Hälfte von fluktuierenden Energien geprägt sein wird, zeigte Matthias Sonnleitner auf, Leiter des Technologiefeldes Bioenergietechnik an der Fachhochschule Ingolstadt. Sein Vortrag zur flexiblen Energieerzeugung behandelte mehr die technische Gestaltung der neuen und komplizierten Materie, der sich die Betreiber stellen müssen, wenn sie künftig auch aktiv am Markt teilnehmen wollen. Sonnleitner geht davon aus, dass sich diese Art der Energieerzeugung neu positionieren muss: „Biomasse übernimmt mit der Pufferung des Stromangebots eine dienende Funktion - und um das zu schaffen, werden schnelle Reaktionszeiten mehrmals pro Tag erforderlich sein". Das bedeutet für ein Blockheizkraftwerk, dass es binnen Minuten auf volle Leistung „netzsynchron" hoch fahren muss, möglichst ohne „Reibungsverluste", wie sie häufige Kaltstarts bei den Betreibern befürchten lassen. Baulich anzupassen sind dafür neben dem Motor - hier die Warmhaltung sowie Lager und Schmierstoffe - auch die Substrateinbringtechnik und schließlich die Gasspeicher für acht bis zwölf Stunden am Tag. Zum Ausgleich für den Mehraufwand werden dem innovativen  Betreiber mit dem neuen EEG 2012 finanzielle Anreize angeboten: Neben der Markt- und Managementprämie zur Abdeckung des Vermarktungsaufwands wird die Bereitstellung zusätzlicher Leistung mit der Flexibilitätsprämie vergütet.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Christopher Gerstmayr von der Fa. BiogasconzeptKleinbiogasanlagen haben Zukunft

Seit dem EEG 2012 wird mit den sogenannten 75-kW-Anlagen insbesondere Vieh haltenden Betrieben die Möglichkeit einer weiteren Einkommensquelle geboten, zumal die Vergütung in diesem Leistungsbereich mit derzeit 24,5 Ct/kWh attraktiv ist. Das Referat Klimaschutz der Stadt Vilsbiburg möchte regional ansässige Unternehmen unterstützen und hat zu diesem Thema dem jungen Planungsbüro Biogasconzept aus Vilsbiburg die Möglichkeit eröffnet, ihre Leistungen zu vermitteln. Dazu stellte Christopher Gerstmayr verschiedene Anlagenkonstellationen vor, begleitet von seinem Geschäftsleiter Alois Gilch und der Teamassistentin Melanie Klankermeier. Neben der reinen Gülleanlage, die von den baurechtlichen Auflagen am einfachsten umsetzbar ist, sind diverse KombinationenGrossansicht in neuem Fenster: Gerhard Rieglsperger von der Fa. screw-press aus 80% Gülle oder Mist unterschiedlicher Herkunft - mit Ausnahme von Geflügel - mit jeweils bis zu 20% nachwachsenden Rohstoffen möglich. Gerstmayr zeigte zu den einzelnen Varianten Wirtschaftlichkeitsberechnungen auf, die bezüglich der jeweiligen Substrate in der Praxis betriebsindividuell zu gestalten sind. Auch bei diesen Kleinanlagen können Abnahme- und Liefervereinbarungen mit Nachbarbetrieben Synergieeffekte erzeugen. Mit der Dimensionierung auf 75 kW setze man sich zwar ein Limit, das man nicht nachträglich ausdehnen könne, doch die höhere Grundvergütung rechtfertige das, gab sich Gilch überzeugt.

 

Gerhard Rieglsperger von der Fa. Screw-press erörterte den neuesten Stand der Praxis bei Szarvasigras - als Ergänzung zur Biogas-Hauptfrucht Mais. Vor allem auf Grenzertragsstandorten oder wenn kleine Schläge weit entfernt lägen, sei die Aussaat der mehrjährigen Grasart überlegenswert, zumal Anspruchslosigkeit und hohe Frostbeständigkeit dafür sprechen würden. Mehr und aktuelles dazu findet der Interessierte auf der Website www.maisersatz.de.

 

 

Georg Straßer

Klimaschutzmanager der Stadt Vilsbiburg

 

 

 

Bildunterschriften

Oben links: Rechtsanwalt Dr. Helmut Loibl

Mitte rechts: Zahlreiche Zuschauer nahmen am VHS-Vortrag zum Thema Biogas teil.

Unten links: Christopher Gerstmayr von der Fa. Biogasconzept

Unten rechts: Gerhard Rieglsperger von der Fa. screw-press

 

 

drucken nach oben