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Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://https://www.vilsbiburg.de

Text, Foto: Vilsbiburger Zeitung, 07.06.2013, Michael Betz.

Dem Wind im Vilstal möglichst viel abgewinnen

Der Tannet-Wald zwischen Vilsbiburg und Bodenkirchen ist ein denkbarer Standort für ein Windrad.

Planungen für Windanlage zwischen Vilsbiburg und Bodenkirchen mit Bürgerbeteiligung

Vilsbiburg. Energie aus einem Waldstück auf der Gemeindegrenze zwischen Vilsbiburg und Bodenkirchen bei Götzdorf - das könnte Wirklichkeit werden, wenn Windrad- Pläne realisiert werden können, die am Dienstag vorgestellt wurden. Der Vilsbiburger Klimamanager Georg Straßer warb dabei im Gasthaus Grubwinkler in Aich vor möglicherweise von den Plänen tangierten Grundbesitzern einerseits für das Projekt an sich, das einen weiteren Schritt im Rahmen der Energiewende vor Ort bringen würde, andererseits brachte er für die Finanzierung ein Beteiligungsmodell ins Gespräch. Dieses würde die Bürger vor Ort am erhofften Profit der Anlage teilhaben lassen.

 

Die Veranstaltung am Dienstag ist nur der jüngste Beleg für den Einsatz der Stadt Vilsbiburg um den Bau von Windenergieanlagen in der Region. Erst vor wenigen Wochen hatte ein ähnliches Treffen in Vilssöhl stattgefunden, weil die Stadt Vilsbiburg dort gemeinsam mit dem Markt Velden den Anstoß geben möchte für den Bau eines Windrades. Prinzipiell handle es sich bei beiden Projekten momentan um recht grobe Vorüberlegungen, die vor allem dem Ziel dienen, für Windenergie geeignete Standorte gegen den Zugriff eventueller überregionaler Investoren zu sichern, das machte am Dienstag Georg Straßer, der Klimamanager der Stadt Vilsbiburg, deutlich. Sowohl das Gebiet bei Vilssöhl als auch das am Dienstag diskutierte Areal zwischen Wachsenberg, Götzdorf, Gassau und Reichreit sind nämlich vom Regionalen Planungsverband als „geeignet für Windkraftanlagen" ausgewiesen. Dass diese beiden Flächen die einzigen ihrer Art in der Gemeinde Vilsbiburg auch zwei der wenigen solchen Flächen in der Umgebung sind, machten Georg Straßer wie auch der Vilsbiburger Bürgermeister Helmut Haider gleichermaßen deutlich - umso wertvoller macht das die Gebiete für die Umsetzung der Energiewende vor Ort, das klang an dem mehr als dreistündigen Abend mehrmals durch.

 

Vorstellbar wäre in dem weitläufigen Waldgebiet bei Götzdorf, das mit zwei Hügeln jeweils eine Höhe von 503 Metern erreicht und damit ein gutes Stück über dem Geländeniveau der Umgebung liegt, ein Windrad mit einer Nabenhöhe von 138 Metern und einem Rotordurchmesser von 92 Metern. Diese kapitale Größe ist eine technische Notwendigkeit: Weil weite Teile Bayerns vom Wind nur lau bestrichen werden und der Raum Vilsbiburg allenfalls mit mittelmäßigem Wind zu rechnen hat, muss mit einem möglichst hohen und großen Windrad die Effektivität gesteigert werden. Denn Effektivität, also Energieausbeute auch bei niedrigen Windgeschwindigkeiten, bedeutet Profit: „Der Grenze der Rentabilität liegt nach aktuellen Berechnungen bei einer Windgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde, dann kann man eine Rendite von vier Prozent erwarten", legte Werner Neumaier von der Firma Gold Solar- Wind (GSW) aus Kirchroth am Dienstag konkrete Zahlen vor.

 

Eine Frage der Rendite

Dass man beim Standort Götzdorf (übrigens genauso wie in Vilssöhl) wohl nur knapp diese Rentabilitätsgrenze erreichen wird, wurde am Dienstag keinesfalls verschwiegen, gleichzeitig wurde durchaus Hoffnung gemacht, dass sich die umweltschonende Windproduktion an dieser Stelle trotzdem rentieren könnte. Rendite ist eine grundlegende Bedingung für die Realisierung dessen, was am Dienstag vorgestellt wurde: Weil die Stadt Vilsbiburg und die ebenfalls organisatorisch ins Boot geholte Gemeinde Bodenkirchen zwar die Vorarbeiten für ein Windrad an dieser Stelle durchaus anschieben, aber nicht selbst als Bauherr fungieren, will man die Windkraftanlage über Bürgerbeteiligungen finanzieren. Dabei könnten Bürger Anteile zeichnen und würden an den Gewinnen der Energieproduktion beteiligt; vorrangig dürften sich die Anlieger rund um die Anlage so eine mögliche Rendite sichern - „die haben schließlich auch das Windrad immer vor Augen", wie Georg Straßer die Hintergründe des Finanzierungsgedankens erläuterte.

 

In diesem Zusammenhang bekamen die Anlieger am Dienstag auch Informationen über die möglichen Auswirkungen der Windkraftanlage auf ihr jeweiliges Zuhause, schließlich sind Schattenwurf und Lärmentwicklung neben der generellen Frage der Optik immer ein Thema beim Bau eines Windrads. Georg Straßer führte dabei aus, dass der Mindestabstand von 500 Metern zur nächsten Bebauung problemlos eingehalten werden könne, obwohl der genaue Standort der Anlage im weiteren Verfahren noch festgelegt werden müsse. Einhalten könne man auch die Grenzwerte, was Lärmentwicklung und Schattenwurf angehe, auch wenn dafür im jetzigen Stand der Planungen nur recht grobe Berechnungen vorlägen, wie Straßer einräumte.

 

Optionen erster Schritt

Zum generellen Prozedere erfuhren die Teilnehmer des Informationstreffens, dass es momentan nur sehr grundlegende Planungen gebe. Nächster Schritt seien Optionsverträge mit den Grundbesitzern des Areals, um auf diese Weise Rechtssicherheit bei den weiteren Planungsschritten zu haben. Für eine Realisierung nötig sind laut Georg Straßer danach eine detaillierte Windmessung, die Klärung der Zufahrtsmöglichkeiten und der Einspeisung des erzeugten Stroms ins Netz sowie grünes Licht von den Planungsbehörden - und natürlich die finanzielle Beteiligungsbereitschaft von Bürgern. Entsprechend würde es auch unter besten Bedingungen noch einige Jahre dauern, bevor das Windrad in Betrieb gehen könnte.

 

Die Bürger fragten am Dienstag bei einigen Details des Projekts durchaus kritisch nach, vor allem bei der Rentabilität und der Wind- Erwartung. Generell kam aber nicht der Eindruck einer prinzipiellen oder vehementen Ablehnung auf. Die Diskussion am Ende der beiden Vorträge von Georg Straßer und Werner Neumaier verlief durchweg konstruktiv.

 

Werbung für die Energieproduktion vor Ort hatten zu Beginn und am Ende der Veranstaltung auch Bürgermeister Helmut Haider aus Vilsbiburg und Bürgermeisterin Monika Maier gemacht. „Die Energiewende wurde von der Bundesregierung beschlossen, die Bürger und Kommunen sind aufgefordert, mitzuarbeiten", betonte Haider. Seine Bodenkirchener Amtskollegin forderte angesichts grassierender Privatisierungstendenzen, dass sich die Gemeinden die Versorgungsaufgaben nicht aus der Hand nehmen lassen sollten; dabei spiele auch die Energie eine Rolle. „Mein Herz schlägt für die dezentrale Energieerzeugung", bekannte Monika Maier. Die Beteiligung der Bürger sei dabei jedoch wichtig, speziell bei einem Projekt wie dem Windrad.

 

Bildunterschrift

Der Tannet-Wald zwischen Vilsbiburg und Bodenkirchen ist ein denkbarer Standort für ein Windrad.

 

Info

Zur Information darüber, wie laut ein Windrad ist (oder eben auch nicht) und wie diese Technologie aus der Nähe aussieht, organisiert das Sachgebiet Klimaschutz der Stadt Vilsbiburg am Samstag, 6. Juli, eine Informationsfahrt zu einer Windenergieanlage in Weißenburg. Abfahrt ist um 8 Uhr am Volksfestplatz in Vilsbiburg. Anmeldung bis 18. Juni unter Telefon 08741-305444 oder per Mail an klimaschutz@vilsbiburg. de. Die Fahrt ist für alle Interessenten offen.

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