Großes Interesse an einer Integrierten Ländlichen Entwicklung

Gemeinsam können Kommunen oft mehr bewirken: Großprojekte planen, gemeinsam investieren und Ausgaben sparen oder regionale Fördermittel generieren. Aus diesem Grund hatte Georg Straßer in seiner Funktion als Regionalmanager der Stadt Vilsbiburg das Angebot

ILE-Gründung

Zeigen ernsthaftes Interesse an einer ILE: Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister (von links): Katharina Rottenwallner (Altfraunhofen), Monika Maier (Bodenkirchen), Lorenz Fuchs (Schalkham), Josef Reff (Geisenhausen), Helmut Haider (Vilsbiburg), Jens Herrnreiter (Aham), Ludwig Greimel (Velden), Maximilian Graf von Montgelas (Gerzen), Maria Neudecker (Wurmsham), Luise Hausberger (Baierbach), Konr

Nina Kiehlbrei vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern zeigte den Weg und die Vorteile einer „Integrierten Ländlichen Entwicklung“ auf, ein Instrument, das seit über 15 Jahren in vielen Regionen Bayerns Erfolgsgeschichte schreibt.

Erster Bürgermeister Helmut Haider begrüßte seine Kolleginnen und Kollegen sowie deren Geschäftsleiter aus den umliegenden Gemeinden zur Vorstellung des Instruments der Integrierten Ländlichen Entwicklung, kurz ILE. Wie Haider einhellig mit seinen Kollegen bestätigt, arbeiten die Kommunen im südlichen Landkreis bei passenden Projekten gerne zusammen, um für deren Bürger etwas auf die Beine zu stellen, das über Gemeindegrenzen hinweg einen Mehrwert schafft. Der Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung Niederbayern, Josef Reidl, stellte in einem vorausgehenden Besuch bei der Stadt Vilsbiburg die Möglichkeit in Aussicht, aktuell im südlichen Landkreis ein solches Konzept der Integrierten Ländlichen Entwicklung, kurz ILEK, einzurichten. Reidl betonte, dass eine ILE nicht in Konkurrenz zum Landkreis stehe, sondern diesen ergänzen und regionale Strukturen bereichern könne. Ein ILEK wäre aus erster Betrachtung für folgende Gemeinden im südlichen Landkreis möglich: Aham, Altfraunhofen, Baierbach, Bodenkirchen, Geisenhausen, Gerzen, Kröning, Neufraunhofen, Schalkham, Velden, Vilsbiburg und Wurmsham.

„In diesem Kreis hatten wir bereits gemeinsame Projekte entwickelt, wie beispielsweise die Erstellung einer Broschüre über Direktvermarkter sowie – in etwas kleinerer Runde – das Elektromobilitätskonzept, aus dem neue Ladestationen entstanden sind“, erläuterte Regionalmanager Georg Straßer die Historie der Zusammenarbeit. Aktuell wäre das Projekt „Die nette Steckdose“ zum kostenfreien Laden von Elektrofahrrädern bei Biergärten angelaufen. „Ein lokales Energieeffizienznetzwerk steht schon lange auf der Agenda, das kann man gemeinsam einfach besser anpacken, allein schon wegen nötiger Fördermittel dafür, die nur für Zusammenschlüsse von Kommunen gewährt werden“, so Straßer.

 

Zielorientiert durch Regionales Leitbild

Im Landkreis Landshut gibt es bisher nur eine ILE im Norden, andernorts in Niederbayern und Bayern sind es weit mehr: „171 Gemeinden sind allein in Niederbayern in 20 ILEs organisiert“, erläuterte Nina Kiehlbrei, Projektkoordinatorin für ILE-Gemeinschaften am ALE. Sie präsentierte den kommunalen Vertretern den Weg und die kurz- und langfristigen Ziele und Vorteile eines ILEK. „Es ist ein wirksames Instrument gegen Kirchturmpolitik“, erklärte sie den grundlegenden Ansatz, der helfe, verschiedene Aufgaben über Gemeindegrenzen hinweg anzugehen. Als Beispiele nannte sie die Entwicklung eines gemeinsamen Radwegenetzes und weiterer Verkehrsprojekte, die Ausweisung gemeinsamer Gewerbegebiete oder Kompensationsflächen, Kulturprojekte, Erleichterungen und finanzielle Vorteile bei Dorferneuerungsprojekten oder gemeinsame Ausschreibungen und Fördermittelanträge, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Weitere oder regional spezifische würden sich aus der Erfahrung heraus sukzessive ergeben, als rechtliche Basis und Organisationstitel wird in der Regel die sogenannte ARGE (Arbeitsgemeinschaft) gewählt. Zudem wäre ein städtisches Entwicklungskonzept (ISEK) kein Hindernis oder Überfluss an Arbeit, sondern gut mit einem ILEK zu kombinieren, erklärte Kiehlbrei auf Anfrage.

Das ALE bietet neben personeller Begleitung eine Förderung des ILEK von 75 Prozent und kann während der laufenden Betreuung über viele Jahre hinweg die teilnehmenden Gemeinden zudem bei der Beantragung und Vergabe kommunaler Fördermittel unterstützen, denn auch hier ist inzwischen eine verwirrende Vielfalt entstanden, die von einzelnen Kommunen kaum mehr zu überblicken ist. Geführt wird das ILEK von einer Lenkungsgruppe, die aus Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie jeweils passenden Fachleuten besteht. „Es ergeben sich keine Verpflichtungen, nur Chancen, denn das ILEK ist ein flexibles Instrument und kann für jedes gemeinsame Projekt neu aktiviert werden. Je nach Bedarf sind diese im Umfang der Kommunen variabel, ganz nach dem Motto: agieren statt reagieren“, schließt Kiehlbrei ihren Vortrag ab. Der nächste Schritt wird ein Findungsseminar im Frühjahr sein: Ein Workshop, an dem alle Bürgermeister ihre lokalspezifischen Vorstellungen einbringen und aufeinander abstimmen können, woraus ein regionales Leitbild generiert werden kann.

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