Stadtwerke Vilsbiburg firmieren um in ein rechtlich selbständiges Kommunalunternehmen

Technischer Vorstand Wolfgang Schmid (li.), Erste Bürgermeisterin Sibylle Entwistle und kaufmännischer Vorstand Paul Kronwinkler bei der...Technischer Vorstand Wolfgang Schmid (li.), Erste Bürgermeisterin Sibylle Entwistle und kaufmännischer Vorstand Paul Kronwinkler bei der Vertragsunterzeichnung.

Technischer Vorstand Wolfgang Schmid (li.), Erste Bürgermeisterin Sibylle Entwistle und kaufmännischer Vorstand Paul Kronwinkler bei der Vertragsunterzeichnung.

Mit dem Stadtratsbeschluss vom 21. Oktober 2025 wurde die Rechtsform der Stadtwerke Vilsbiburg zum Stichtag 1. November 2025 einstimmig vom bisherigen Eigenbetrieb in ein Kommunalunternehmen geändert. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Umfirmierung erscheint, war tatsächlich das Ergebnis einer rund eineinhalbjährigen Vorbereitungsphase, die von einem Rechtsanwalt begleitet wurde.

 

Die Stadtwerke existierten seit 1947 als Eigenbetrieb. Diese Rechtsform bedeutet, dass es sich um ein rechtlich unselbständiges Unternehmen handelt – im Grunde eine Abteilung der Stadt mit sogenanntem Sondervermögen. Wirtschaftlich agiert ein Eigenbetrieb zwar eigenständig, bleibt aber rechtlich Teil der Stadtverwaltung. Im Gegensatz dazu ist das Kommunalunternehmen eine rechtlich selbständige Einheit in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts (A.d.ö.R.). Es wird von einem oder mehreren Vorständen geführt. Anders als bei einer GmbH ist eine Beteiligung privater oder anderer Unternehmen ausgeschlossen, sodass die Stadtwerke auch künftig zu 100 Prozent in kommunaler Hand bleiben.

 

Für die Kundinnen und Kunden der Stadtwerke ändert sich durch den Wechsel zum Kommunalunternehmen nichts: Alle Leistungen und Ansprechpartner bleiben wie gewohnt bestehen, und es besteht kein Handlungsbedarf. Die Stadtwerke führen den Betrieb zuverlässig weiter und bleiben Ihr vertrauter Partner in der Energie- und Wasserversorgung.

 

Mit der Ausgliederung in ein eigenständiges Kommunalunternehmen wird der Stadthaushalt nachhaltig entlastet. Zugleich eröffnet dieser Schritt den Stadtwerken erweiterte Handlungsspielräume bei zentralen Investitionsentscheidungen. Ein hohes Investitionsvolumen ist erforderlich, um die zukunftsorientierte Entwicklung des Unternehmens sicherzustellen und seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu gewährleisten. Darüber hinaus ist im südlichen Landkreis ein weiterer Ausbau der Dienstleistungen vorgesehen – sowohl im Bereich der Ladeinfrastruktur als auch im Segment Gewerbe und Wohnen.

 

Die Stadtwerke wurden über 16 Jahre vom Werkleiter Wolfgang Schmid geführt. Paul Kronwinkler ist seit mehr als sechs Jahren für die Stadtwerke tätig, seit 2022 als kaufmännischer Leiter. Künftig teilen sich beide als Vorstände die Zuständigkeiten, vertreten das Unternehmen nach außen hin gemeinsam, aber haben auch jeweils Einzelvertretungsbefugnis. Schmid übernimmt künftig die Rolle des technischen Vorstands und fungiert als Sprecher, während Kronwinkler als kaufmännischer Vorstand tätig ist. Beide ergänzen sich fachlich hervorragend und sehen sich in der Lage, die kommenden Herausforderungen gemeinsam erfolgreich zu meistern.

 

Als Aufsichtsgremium wurde ein Verwaltungsrat eingerichtet, der aus acht Stadträten besteht und von der Ersten Bürgermeisterin Sibylle Entwistle als Vorsitzende geleitet wird.

Die ersten Überlegungen zur Umwandlung entstanden bereits vor etwa zwei Jahren. Hintergrund war eine gesetzliche Vorgabe, die eine Trennung des Stromnetzes vom Betrieb der Elektroladesäulen fordert. Damit soll verhindert werden, dass Netzbetreiber ihre Monopolstellung gegenüber wettbewerblichen Ladeinfrastrukturbetreibern ausnutzen. Zwar bestand diese Problematik in Vilsbiburg nie, da es seit Jahren auch unabhängige Ladesäulenbetreiber gibt, dennoch muss geltendes Recht umgesetzt werden. Damals entstand die Idee, die Ladesäulen an die Stadt zu übertragen und lediglich den Betrieb als Dienstleistung sowie die Energielieferung zu übernehmen. Doch die Rechtsform des Eigenbetriebs machte auch diesen Plan unmöglich, solange die Stadtwerke kein rechtlich selbständiges Unternehmen sind, gilt die Stadt Vilsbiburg automatisch im rechtlichen Sinne auch als Stromnetzbetreiber.

 

Ein großer Vorteil des Kommunalunternehmens sind die kurzen Entscheidungswege. Seit der Corona-Krise und insbesondere seit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist der gesamte Energiemarkt sehr dynamisch geworden, sodass schnelle Entscheidungen erforderlich wurden. Die Struktur des Eigenbetriebs war hierfür nicht mehr zeitgemäß. Das Kommunalunternehmen handelt selbstständig nach unternehmerischen Prinzipien, ohne dabei die Nähe und Verbundenheit zur Stadt Vilsbiburg aufgeben zu müssen.

 

Die Ladesäulen werden künftig in der LadeNetz BinaVils GmbH als Tochterunternehmen der Stadtwerke geführt. Hier wurde bewusst ein anderes Logo und andere Farben gewählt, um für die Kunden eine klare Trennung zwischen Netzbetrieb und Energielieferung beim Aufladen von Elektrofahrzeugen sichtbar zu machen und den Anforderungen des Gesetzgebers gerecht zu werden. Auch wenn dies für den Vilsbiburger auf den ersten Blick nicht plausibel erscheinen mag, verlangt der Gesetzgeber eindeutig eine klare Trennung zwischen Netzbetrieb und Energielieferung.

 

Die Stadtwerke haben zudem noch weitere Beteiligungen. Die bekannteste ist die VibEnergie, der gemeinsame Gasnetzbetreiber Vilsbiburgs und der Energie Südbayern (ESB). Zudem die Kooperationsgesellschaft Ostbayerischer Versorgungsunternehmen (KOV), einem Energiedienstleister für 25 Stadt- und Gemeindewerke. Darüber hinaus bestehen Beteiligungen an weiteren Gesellschaften wie der Energieallianz Bayern sowie an verschiedenen Stromerzeugungsprojekten.

 

„Vor allem die Eigenständigkeit in der Stromversorgung auch für die Zukunft zu sichern ist uns sehr wichtig“, betont die Erste Bürgermeisterin Sibylle Entwistle. „Vor über 20 Jahren, als die Stromversorgung liberalisiert wurde, wurden viele kleine Energieversorger privatisiert oder verkauft. Nach einer Phase von etwa 15 Jahren stellen wir fest, dass eine zweite Welle über das Land rollt, in der viele kleine Energieversorger ihre Netze aufgeben – entweder verpachten oder sogar verkaufen. Wir sehen uns hier mit diesem Schritt für die Zukunft gut gewappnet, auch das Stromnetz weiterhin in kommunaler Hand zu halten und selbst zu betreiben für unsere Bürgerinnen und Bürger.“

 

„Die Stadtwerke selbst sind in den letzten Jahren sehr stark gewachsen – und das nicht nur innerhalb des Gemeindegebiets, sondern auch darüber hinaus“, heißt es weiter. „Als rechtlich eigenständiges Unternehmen ist es grundsätzlich auch zulässig, außerhalb der eigenen Gemeinde wirtschaftlich tätig zu sein. Diese Flexibilität wollen wir nutzen, um die Herausforderungen der Energiewende und der Digitalisierung weiter aktiv zu gestalten.“