02/2019

Unsere Stadt: Ort der Begegnung von Menschen

Unsere Stadt: Ort der Begegnung von Menschen

Stefan Suchanek (links) mit Regionalmanager Georg Straßer

Ernüchternder Vortrag im Regionaldialog der Stadt Vilsbiburg

 

Die Stadt als „heiliger Ort“! postuliert Mediendesigner Stefan Suchanek. Emotionale Inszenierungen von Orten, Räumen und Begegnungsstätten sowie die Gestaltung attraktiver und Aufmerksamkeit gewinnender Reize haben seit jeher eine hohe wirksame Relevanz in Gesellschaft, Kultur, Medien und Werbung. Erkenntnisse der Gestaltungslehre und Evolutionsbiologie erklären, worauf es ankommt, damit sich der Mensch wirklich wohl fühlt in seiner Stadt und zum Einkaufen nicht in die andere fährt.

 

„Wir brauchen mehr menschliche Multisensorik und weniger technisches Multichannel“ fordert Stefan Suchanek von Raumkunst in seinem VHS-Vortrag, zu dem ihn Regionalmanager Georg Straßer in den dafür wie geschaffenen - weil die Sinne ansprechenden - Veranstaltungssaal der Stadt Vilsbiburg eingeladen hat. Suchanek ist Ästhetiker, Retail Designer, Berater, Speaker und Dozent für visuelle Rhetorik, Inszenierung & Argumentation an der Akademie für Mode & Design in München. „Ein belebter Ort strahlt Anziehungskraft auf Menschen aus. Diese kann gezielt durch strategische Inszenierung geschaffen werden, damit Innenstädte nicht immer mehr zu Geisterstädten degradieren“ erklärt der begnadete Rhetoriker anhand vieler visueller Beispiele aus anderen Städten, wie beispielsweise Sterzing, wo der Marktsonntag Besucher aus weiter Entfernung anzieht. Hier wird beispielsweise ein realer roter Teppich ausgerollt, der dem Gast den Eindruck vermittelt, wirklich eingeladen zu sein. Wir müssen der sinnlichen Wahrnehmung des Menschen gerecht werden – so die Kernaussage des gefragten Medienberaters, indem wir ein Wohlbefinden schaffen, wie es durch Beleuchtung und natürliche Materialien gestaltbar ist: „Holz ist bei direktem Kontakt immer einladender als Metall“ verweist er auf Türgriffe und Bänke zum Verweilen.

 

Die Chancen am Ort des Geschehens ergreifen

Es ist ganz einfach: „Menschen sind soziale Wesen und sehnen sich nach Begegnungen - und Handel ist Begegnung von Menschen“ erläutert Suchanek eine an sich banale Tatsache, die es aber zu nutzen gilt, will man gegen die Online-Handelsgiganten bestehen. Darum soll sich jeder Stadtplaner und Geschäftsbetreiber überlegen, was er praktisch beitragen kann, den Menschen dort abzuholen, wo er bei Ankunft steht, um ihn zu begeistern. „Wir haben ein natürliches, evolutorisches Potential, Räume und Flächen in Städten und Geschäften zu beleben, denn Menschen wollen staunen!“ fordert der ehemalige Bühnenbildner von seinem Publikum und begründet die Erkenntnisse aus der traditionellen Gestaltungslehre und Hirnforschung mit praktischen, sensorischen Beispielen, die es zu fördern gilt: der lockende Duft von Blumenbeten, gebratenen Kastanien oder Backwaren im Stadtzentrum, begleitende Musik von einem Straßenkünstler, der den Schritt tanzend macht oder wehende farbige Fahnen, die Bewegung und Leichtigkeit vermitteln. Oder auch mal eine große knallige Figur, wie ein roter Gummiball des Künstlers Kurt Perschke, der zwischen den Häusern über einem in der Gasse klemmt. Dem Grundbedürfnis des Menschen nach Harmonie in der Gestaltung wird man gerecht, indem man den Eingang eines Geschäftes mittig legt und die Waren übersichtlich und ansprechend anordnet - aber auch immer wieder was Neues als „Eyecatcher“ einbringt, wie den roten Teppich, der den Kunden eine Stufe höher hebt.

 

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